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Litauische Autohändler zogen Käufer teurer Edel-Gebrauchtwagen in Dorsten über den Tisch

dzGerichtsprozess

Ein Dorstener stand in einem Betrugsfall um importierte Edel-Gebrauchtwagen mit Unfallschäden vor Gericht. Er sei nur „unwissender Vermittler“, sagte er - muss aber finanziell böse bluten.

Dorsten

, 13.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Autokäufer hatten alle eine Menge Geld für ihre PS-starken gebrauchten Edelkarossen bezahlt - ein Kunde legte sogar 56.500 Euro für einen BMW der 6er-Reihe auf den Tisch. Doch zu seinem Entsetzen musste auch er feststellen, dass er böse übers Ohr gehauen worden war: Der vermeintlich unfallfreie Wagen hatte vor dem Kauf einen Totalschaden erlitten und war zudem technisch manipuliert worden.

Als unfallfrei offeriert

Vor dem Dorstener Schöffengericht musste sich am Mittwoch ein 44-jähriger Dorstener für mehrere dieser Taten verantworten. Die Anklage warf ihm vor, als Teil einer litauischen Bande Unfallautos im Ausland aufgekauft und hier unter falschen Angaben weiterverkauft zu haben.

Neben zwei BMW ging es dabei vor allem um teure US-Fabrikate, die alle als „unfallfrei“ offeriert worden waren: Ein 43.000 Euro teurer Ford Mustang zum Beispiel war aber vorher nur notdürftig repariert worden, wie ein Gutachter später feststellte. Das Getriebe eines 21.000 Euro teurer Chryslers war aus Maschinenelementen zweier anderer Fahrzeuge zusammengebaut worden, an einem 41.000 Euro teuren Range Rover wurde am Kilometerstand gemauschelt, zudem waren Ersatzteile verbaut, die aus Diebstählen stammten und so weiter.

„Nur eine Provision kassiert“

Der Angeklagte erklärte, er sei nur „Vermittler“ gewesen, habe das Geld der Kunden an seine Auftraggeber weitergeben und pro Auto nur eine „Provision von 300 bis 400 Euro kassiert“. Er sei von Landsleuten aus Vilnius angesprochen worden, die von der litauischen Hauptstadt aus einen Pkw-Handel auf Deutschland ausweiten wollten und ihn deshalb als Mittelsmann angestellt haben.

„Autos hatten TÜV-Stempel“

Der Dorstener sagte aus, er habe nie behauptet, die Wagen seien „unfallfrei“, sondern auf Kunden-Nachfrage nur geantwortet, er wüsste es nicht. „Ich bin Möbeltischler, habe gar keine Ahnung von Autos“. Er konnte außerdem gar nicht davon ausgehen, dass die Kunden betrogen wurden: Denn alle Autos, die ihm seine Chefs angeliefert hatten und die er ins Internet stellte, hätten gültige TÜV-Papiere gehabt.

1200 Ero Geldbuße

Ohne die Hintermänner in Litauen kam das Gericht am Mittwoch nicht weiter. Angesichts der Tatsache, dass eine mögliche Fortsetzungsverhandlung für den Steuerzahler sehr teuer geworden wäre, weil die Geschädigten und teure Gutachter aus ganz Deutschland hätten geladen werden müssen, wurde das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft schließlich gegen Zahlung einer Geldbuße von 1200 Euro eingestellt.

Geschädigte wollen Geld zurück

Der Angeklagte ist nach Meinung des Gerichts außerdem bestraft genug: Nach Angaben seines Anwaltes sorgen die geschädigten Autokäufer, darunter ein Polizist, derzeit in Zivilprozessen dafür, dass der Familienvater den Schaden wiedergutmachen muss. „Er wird seine Haushälfte verkaufen müssen“, so der Verteidiger, „und bis zum Ende seines Lebens finanziell bluten“.

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