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Hardt: Grün, zentral und fahrradfreundlich, aber das Wohnen ist teuer

dzOrtsteil-Check Hardt

Die Hardt bietet alles, was Familien brauchen: Geschäfte, Kindergärten, Schulen und Freizeitmöglichkeiten liegen vor der Tür. Doch das Wohnen ist so teuer wie in keinem anderen Stadtteil.

Hardt

, 14.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Ruckzuck im Grünen, ruckzuck am Wasser, ruckzuck auf der Autobahn“ - Gregor (40) und Maike (38) Wienhues wissen die Vorteile ihres Stadtteils sehr zu schätzen. Bis auf kurzzeitige „Fremdgänge“ in die Altstadt und Feldmark ist das Ehepaar der Hardt treu geblieben. Seit sechs Jahren wohnen sie mit ihren beiden Söhnen David (fast 12) und Simon (fast 10) in einer Mietwohnung am Ottersteig, zu der ein großer Garten gehört.

„Wir sind eigentlich nur mit dem Fahrrad unterwegs, das zweite Auto haben wir schon vor vielen Jahren abgeschafft“, sagt Maike Wienhues. Auch die Kinder seien quasi auf dem Fahrrad groß geworden. „Taxi-Mama“ - nein, dieses Problem hat Maike Wienhues nicht: „Der St.-Nikolaus-Kindergarten, den Simon besucht hat, liegt nahe und auch die Pestalozzi-Grundschule ist für ihn bequem zu erreichen“, bestätigt sie. Selbst den Einkauf erledigt die Familie größtenteils per Drahtesel: „Wir haben alles, was wir brauchen, vor der Tür: Edeka, Rewe, Aldi und den Bäcker.“ Und sollten die Wünsche etwas spezieller sein, dann ist man in wenigen Minuten zur Einkaufsmeile der Dorstener Altstadt geradelt.

Alles nah dabei

Seitdem David in der Gesamtschule Wulfen die Schulbank drückt, ist er - zumindest bei schlechtem Wetter - für den Schulweg auf den Bus umgestiegen: „Da steig‘ ich morgens um 7.13 Uhr beim Iltisweg in den Bus und kann dann durchfahren.“ Beim Rückweg ist Umsteigen am ZOB angesagt. Da kann es dann schon mal eine halbe Stunde Wartezeit geben. „Die verquassel ich mit meinen Freunden, dann kommen mir 30 Minuten nur wie 5 vor“, sagt der pfiffige Hardter.

Vater Gregor arbeitet als Serviceleiter im Autohaus Baumann an der Marler Straße, Mutter Maike erledigt im Homeoffice die Buchhaltung für eine Firma - ein Glück, um das viele Dorstener Pendler die Familie beneiden dürften.

Dass die Hardt in den Bereichen Lebensqualität, Radfahren, Nahversorgung und Grünflächen jeweils 9 Punkte geholt hat, verwundert die Familie Wienhues nicht. Aber die geringe Punktvergabe (7) bei der Familienfreundlichkeit: „Wir finden, dieser Bereich hätte mehr Punkte verdient, denn für Familien wird auf der Hardt über die Kirchengemeinden viel getan.“ Die Wienhues‘ sind sehr eng mit der St.-Nikolaus-Gemeinde verbunden. Gregor Wienhues, Mitglied im Kirchenvorstand, ist schon als Kind und Jugendlicher in der Gemeindearbeit aktiv. Ebenso Ehefrau Maike, sie bereitet Familiengottesdienste vor und ist auch fest im Team der Sternsingeraktion gebucht. Simon und David sind Messdiener, genau wie Papa es früher in St. Nikolaus gewesen ist.

Hardt: Grün, zentral und fahrradfreundlich, aber das Wohnen ist teuer

Der neu gestaltete Georgplatz wird am 16. März mit einer kleinen Feier eröffnet. Die breiten Bürgersteige verführen allerdings dazu, dort ordnungswidrig zu parken. © Anke Klapsing-Reich

Beim Thema Verkehrsanbindung und -belastung (7,5/7 Punkte) haben die Wienhues´ nichts Kritisches anzumerken. Die Kommentare der Umfrageteilnehmer zeigen, dass dieses Thema bei den Hardtern hoch aktuell ist. Zum Beispiel die Straßenbaubeiträge, die die Anwohner der Klosterstraße bei der angekündigten Sanierung bezahlen sollen, werden kritisch beäugt. Auch der Umbau des Georgplatzes empfindet mancher als unbefriedigend: Vor der Reinigung, der Gaststätte und der Bäckerei parkten ständig Autos mitten auf dem Bürgersteig. Das Problem sei der Stadt bekannt. Auf unsere Anfrage hieß es aus der Pressestelle: „Der Kommunale Ordnungsdienst kontrolliert hier.“ Der freundliche Appell an alle Autofahrer: „Bitte die neu angelegten Parkplätze nutzen.“

Das wurde gut bewertet:

Lebensqualität: Dass die Hardt bei der Stadtteil-Umfrage in den Bereichen Radfahren, Nahversorgung und Grünflächen jeweils gute 9 Punkte eingefahren hat, ist Zeichen für Lebensqualität, die die Befragten ebenfalls mit 9 bewertet haben: „In meinem Stadtteil lebt es sich gut!“ Ein gutes Ergebnis, das - laut dem stadtweiten Durchschnitt - allerdings auch die Bewohner in anderen Gebieten Dorstens ihrem Stadtteil bescheinigen. Die Nähe zu Lippe und Kanal schlägt positiv zu Buche. Die Grundversorgung durch Lebensmittelmärkte und Bäcker ist gesichert. Auch die Kommentare der Umfrage-Teilnehmer spiegeln die hohe Zufriedenheit der Hardter mit ihrem Ortsteil wider: „Im Großen und Ganzen ist es einer der schönsten Stadtteile“ und „Wir leben da, wo andere Urlaub machen“ zeugen davon. Dass alles radmäßig erreichbar ist, Grüngürtel und Kanal vor der Tür liegen, wird ebenfalls als positiv benannt. Da wundert es schon, dass kein einziges Mal die Bestnote 10 vergeben wurde. Auch in puncto Sauberkeit, Gesundheit, Sport und Seelsorge schneidet der südliche Ortsteil mit jeweils 8 Punkten prima ab.

Hardt: Grün, zentral und fahrradfreundlich, aber das Wohnen ist teuer

Daten und Fakten zur Hardt © Verena Hasken

Das wurde negativ bewertet:

Jugendbereich: Mit den Angeboten für Jugendliche scheinen die Umfrageteilnehmer offenbar nicht zufrieden zu sein, ein Phänomen, das auch in den anderen Dorstener Stadtteilen auffällig ist. „Die Angebote hier sind etwas eingeschlafen, aber da sehe ich eine positive Trendwende“, sagt Patrick Potthast (32), der selber auf der Hardt zu Hause ist. Der Gemeindepädagoge ist seit dem 1. Dezember 2018 neuer Jugendleiter der evangelischen Kirchengemeinde und hat schon einiges wiederbeleben können: „Neu konzipiert haben wir einen Jugendtreff, der jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr im Gemeindehaus an der Pestalozzistraße stattfindet. Und die Ü14-Jährigen sind herzlich eingeladen, bei Ten Sing mitzumachen. „Der Einstieg ist jederzeit möglich. Wir freuen uns über neue Mitstreiter“, weist Potthast schon auf die nächste Ten Sing-Show hin, die am 14., 15. und 16. Juni über die Bühne der Friedenskirche geht.

In der St.-Nikolaus-Gemeinde sind Ski- und Ameland-Sommerfreizeit begehrte Jugendangebote. Patrick Potthast hat generell die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen heutzutage „krass eingebunden seien“ und wenig freie Zeit zur Verfügung hätten.“ Potenzial für die Steigerung des Angebots sieht Potthast dennoch: „Ich denke, dass wir uns auf der Hardt noch besser vernetzen können, vielleicht auch kleinere Konzerte auf die Beine stellen könnten.“

Hardt: Grün, zentral und fahrradfreundlich, aber das Wohnen ist teuer

Bauland ist rar gesät auf der Hardt. Hinter dem Nonnenkamp (An der Seikenkapelle) soll eine neue Bebauung erfolgen, doch der erste Spatenstich wird frühestens im kommenden Jahr gemacht. © Anke Klapsing-Reich

Wohnen: Wohnen kann man auf der Hardt sehr schön. Aber die Frage zielte auf die Bezahlbarkeit des Wohnraumes ab und dafür gab es nur 7 Punkte. Die Kommentare der Umfrageteilnehmer unterstreichen, dass das Wohnen auf der Hardt teuer ist. „Die Preise auf der Hardt liegen im Vergleich zu den anderen Stadtteilen tatsächlich am höchsten“, bestätigt Rene Staude, Immobilienberater bei der Vereinten Volksbank in Dorsten. Die zentrale Lage, die Nähe zu Lippe und Kanal machten das Wohnen teuer. Aber auch das knappe Angebot treibe die Preise in die Höhe: „Es gibt zu wenig Bauland und dadurch sind auch die Gebrauchtimmobilien recht teuer“, sagt Staude. Ehe der erste Spatenstich an dem geplanten Wohngebiet An der Seikenkapelle hinter den Schulen am Nonnenkamp für ca. 100 Wohneinheiten erfolge, werde noch einige Zeit ins Land gehen: „Ich denke, dass in zwei bis drei Monaten die Bebauungspläne offengelegt werden und dann geht alles seinen vorgeschriebenen Gang“, erklärt Jürgen Bendisch, Abteilungsleiter der Immobilienentwicklung bei der zuständigen städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor.

Video
Familie Wienhues über das Leben auf der Hardt

Gibt es denn etwas, was der Familie Wienhues überhaupt nicht an ihrem Stadtteil gefällt? „Ehrlich gesagt, fällt uns da so leicht gar nichts ein“, überlegen die Vier. Der Sand auf dem Bolzplatz gegenüber dem evangelischen Kindergarten sei fürs Fußballspielen nicht so geeignet, auch der Wildwuchs im Grünbereich (Wachtel-/Kranichstraße) sowie die Hundehaufen auf Gehwegen seien ein Ärgernis, „aber das ist Jammern auf hohem Niveau“, kommentiert Maike Wienhues.

David fänd´s gut, wenn auf den Wegen der Fahrradbereich- vom Fußgängerbereich optisch deutlicher abgegrenzt würde, weil er beinahe schon einmal mit einem Mann zusammengeknallt wäre. Und Simon vermisst nur eins auf der Hardt: „Ich hätte gerne eine Mountainbike-Piste.“

Historie

Auf lauter Äckern wuchs das Wohngebiet

Hardt: Grün, zentral und fahrradfreundlich, aber das Wohnen ist teuer

Dieses historische Foto wurde etwa um 1960 aufgenommen und zeigt das Haus Kiy an der Klosterstraße. Heute ist dort die Pizzeria Eddiavolo untergebracht. © Walter Biermann

Die Bauernschaft Hardt gehörte zu Gahlen, wurde 1929 durch das „Gesetz zur Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets“ von der Gemeinde abgetrennt und in die Stadt Dorsten eingemeindet. Der Hardtberg verblieb bei der Gemeinde Gahlen. 1975 werden Hardtberg und Östrich ebenfalls der Stadt Dorsten zugeschlagen. Der moderne und erst seit den 1950er-Jahren als Wohngebiet erschlossene Stadtteil Hardt war ursprünglich rein landwirtschaftlich geprägt. Im Bereich der Clemens-August-Straße verlief die Grenze zwischen Rheinland und Westfalen, sie hieß früher „Grenzstraße“. Hier teilten sich auch die Religionszugehörigkeiten zwischen dem katholisch und evangelisch gemischten Niederrhein und dem streng katholischen Vest Recklinghausen.
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