Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Fast fünf Jahre Haft für Ex-Kickbox-Weltmeister Tobias V.

dzLandgericht

Ein ehemaliger Kickbox-Weltmeister aus Dorsten ist am Freitag zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Er soll seine 15-jährige Ex-Freundin vergewaltigt haben.

Dorsten/Essen

, 01.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Als der 25-jährige Tobias V. das Urteil hörte, verzog er das Gesicht zu einem provozierenden Lächeln und schüttelte den Kopf. Später klatschte er sogar höhnisch in die Hände.

Doch die 5. Strafkammer am Essener Landgericht hatte am Ende des zwei Monate dauernden Prozesses keinen Zweifel. „Wir sind überzeugt, dass Sie ihre Ex-Freundin vergewaltigt haben", sagte Richter Volker Uhlenbrock an die Adresse des Angeklagten. Es gebe überhaupt keine Anzeichen dafür, dass der Dorstener von der damals 15-Jährigen zu Unrecht belastet worden sei. Im Gegenteil: Die Schülerin habe ursprünglich überhaupt keine Anzeige erstatten wollen. Ein Jahr lang habe sie mit sich gerungen, sei erst dann zur Polizei gegangen. Und zwar auf Inititative ihrer Nachhilfelehrerin, der aufgefallen war, dass irgendetwas nicht stimme.

„Für die Schülerin waren Sie ein Boxheld"

„Für die Schülerin waren Sie ein Boxheld, den sie angehimmelt hat", so Uhlenbrock an die Adresse des Angeklagten. „Sie dagegen waren selbstherrlich, haben klar gemacht: Ich bin der Mann - ich entscheide."

Entsprechend drastisch fiel am Ende auch die Strafe aus, in die noch eine frühere Verurteilung wegen Körperverletzung mit eingeflossen ist. „Ein Erwachsener, der fast noch ein Kind vergewaltigt - das geht gar nicht", so Uhlenbrock.

Statt die damals 15-Jährige später als Lügnerin hinzustellen und Freispruch zu fordern, hätte der Angeklagte besser um Entschuldigung bitten sollen. Reue und Einsicht seien jedoch bis heute nicht zu erkennen. Was laut Gericht auch im Gefängnis ein Problem werden könnte. Ohne Einsicht gebe es in der Regel keine vorzeitige Entlassung nach zwei Dritteln der Haftstrafe.

Es sollen sich weitere Frauen gemeldet haben

Mit dem Urteil sind die Richter sogar neun Monate über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausgegangen. Und es könnte möglicherweise auch noch nicht der letzte Prozess gewesen sein. Durch die Berichterstattung sollen sich weitere junge Frauen gemeldet haben, denen angeblich Ähnliches widerfahren ist.

Und auch dem Vater des Angeklagten droht Ärger. Er soll die Anwältin der zur Tatzeit 15-jährigen Schülerin, Stefanie Kürpick, im Gerichtssaal sexistisch beleidigt haben. Daraufhin wurde er von ihr sofort angezeigt.

Ex-Freundin hat angeblich große Angst

Die Ex-Freundin des Angeklagten war am Freitag nicht noch einmal mit ins Gericht gekommen. „Sie hat große Angst vor ihm", so Kürpick. Es soll sogar schon Drohungen über Soziale Medien gegeben haben - allerdings nicht direkt vom Angeklagten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Tobias V. kann Revision gegen die Entscheidung einlegen. Dann müsste der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Essener Urteil auf Rechtsfehler überprüfen. Zurzeit befindet er sich weiter auf freiem Fuß.

Lesen Sie jetzt