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Der Stadtverband der Arbeiterwohlfahrt will drei Begegnungsstätten in Dorsten schließen

dzArbeiterwohlfahrt

Die Begegnungsstätten der Arbeiterwohlfahrt in Dorsten haben ausgedient. Immer weniger ältere Menschen suchen sie auf. Der AWO-Stadtverband zieht seine Konsequenzen aus dem Trend.

Dorsten

, 14.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn sich der Stadtverbandsvorstand der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am 19. März (Dienstag) zusammensetzt, wird es ans Eingemachte gehen. „Ich werde den Vorschlag machen, dass alle drei Begegnungsstätten in Dorsten zum 30. April geschlossen werden“, sagt Stadtverbandsvorsitzender Norbert Talaga. Den Schnitt begründet er mit stark rückläufigen Besucherzahlen, sinkenden Einnahmen und im Gegenzug steigenden Kosten.

Der Stadtverband der Arbeiterwohlfahrt will drei Begegnungsstätten in Dorsten schließen

Brett- und Kartenspiele in geselliger Runde in der AWO-Begegnungsstätte Am Wall in Barkenberg könnten bald Geschichte sein. © Guido Bludau

Viele ältere Menschen, so der Vorsitzende, hätten heute ein anderes Freizeitverhalten als frühere Generationen. „Die Menschen suchen nicht mehr die Begegnungsstätten in ihren Ortsteilen auf. Sie treffen sich in Gruppen oder zu anderen Angeboten, die sie interessieren“, sagt Talaga. Davon gebe es reichlich. Die wenigen Besucher, die noch in die Begegnungsstätten kommen, hätten ihre Gewohnheiten. „Wir können sie mit neuen Angeboten nicht reizen.“

Heinrichstraße, Brunnenplatz und Am Wall betroffen

Von der Schließung wären die drei Begegnungsstätten der AWO an der Heinrichstraße in Holsterhausen, am Brunnenplatz in Hervest und Am Wall in Wulfen-Barkenberg betroffen. Der AWO-Stadtverband hatte in Dorsten die Öffnungszeiten der Begegnungsstätten in den vergangenen drei Jahren Schritt für Schritt reduziert: „Der Treffpunkt in Holsterhausen war einmal an vier Tagen in der Woche geöffnet, jetzt sind es schon nur noch zwei Tage“, sagt Norbert Talaga. Neben rückläufigen Besucherzahlen hat auch das ehrenamtliche Engagement im Stadtverband spürbar nachgelassen: „Viele Helfer und Helferinnen sind aus Altersgründen ausgeschieden oder schon verstorben, jüngerer Nachwuchs ist schwer zu gewinnen.“

Die allgemeine Tendenz spiegelt den Mitgliederschwund des AWO-Stadtverbandes in Dorsten wider: „Von ehemals über 400 Mitgliedern in besten Zeiten sind es heute nur noch 172 Leute“, erzählt Talaga. Auf sie und ihr Engagement zählt der Arbeiterwohlfahrt-Stadtverbandsvorstand, wenn er am 17. Mai zur Jahreshauptversammlung einlädt. Denn: „Der komplette Vorstand wird für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Der komplette Vorstand verabschiedet sich

Norbert Talaga übernahm vor acht Jahren zunächst kommissarisch, dann als gewählter Vorsitzender die Arbeit. Noch mal möchte er sich aber nicht zur Wahl stellen. „Wir führen die Geschäfte nicht weiter“, sagt er für sich und seine Mitstreiter. Ob sich Nachfolger in der Jahreshauptversammlung finden, wird sich im Mai zeigen. Ansonsten wäre die Stadtverbandsarbeit der Arbeiterwohlfahrt in Dorsten wohl beendet.

Der Unterbezirk Münsterland/Recklinghausen kennt solche Auflösungstendenzen der ehrenamtlichen Strukturen in anderen Städten des Kreises nicht. Sandra Schubert, Öffentlichkeitsarbeiterin des Verbandes, bestätigt zwar rückläufige Mitgliederzahlen der Arbeiterwohlfahrt insgesamt, nicht aber, dass die ehrenamtliche Arbeit der AWO-Stadtverbände kreisweit leidet: „In Gladbeck gibt es sogar noch aktive Ortsvereine“, sagt sie auf Anfrage.

Menschen binden sich nur noch ungern an Vereine

In den Städten des Kreises Recklinghausen sei es aber üblich geworden, dass Ortsvereine zu einem Stadtverband fusionieren. Das spare bürokratischen Aufwand. Die rückläufigen Mitgliederzahlen erklärt Sandra Schubert mit dem gesellschaftlichen Trend, dass Menschen sich nicht mehr fest an eine Institution, an einen Verband, einen Verein oder eine Organisation binden wollen.

Die Arbeiterwohlfahrt wurde 1919 gegründet und versteht sich als Wohlfahrtsverband, der von persönlichen Mitgliedschaften in den Ortsverbänden getragen wird.

Die ehrenamtlichen Stadtverbandstätigkeiten dürfen aber nicht mit den hauptamtlichen Aktivitäten des AWO-Unterbezirks verwechselt werden: „Der Unterbezirk ist Träger vieler Einrichtungen kreisweit wie Kitas, Seniorenzentren und Offener Ganztage in Grundschulen“, sagt Schubert. „Wir sind zwar alle zusammen eine AWO, haben aber unterschiedliche Aufgaben.“

Der Sozialausschuss beschäftigt sich am Donnerstag (14. März) um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses, Halterner Straße 5, mit den Seniorenbegegnungsstätten in Dorsten. Mit der Stadt, so Norbert Talaga, sei die Aufgabe der AWO-Begegnungsstätte an der Heinrichstraße besprochen worden. Sie würde dann die monatlichen Betriebskosten der Räume an der Heinrichstraße 8 einsparen. Es handelt sich um etwa 1000 Euro (Miete, Nebenkosten zzgl. Strom). Senioren in Holsterhausen müssen aber auf Angebote im geschützten Raum nicht verzichten. Als Alternative zur Heinrichstraße soll die Begegnungsstätte Paulinum an der Juliusstraße 33 die noch verbliebenen AWO-Stammgäste auffangen.
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