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Der Schölzbach führt an einigen Stellen kein Wasser mehr

dzHitzesommer

Der Schölzbach ist an einigen Stellen ausgetrocknet. Auch andere kleine Bäche führen wenig Wasser. Welche Folgen hat das für Fische und Kleintiere?

Dorsten

, 08.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Agnes Rudolph und blickt kopfschüttelnd auf den Schölzbach, beziehungsweise in sein Bett. Denn dort, wo normalerweise das Wasser an dem Familiengrundstück an der Gelsenkirchener Straße vorbeifließt, sind nur noch ein paar Pfützen geblieben.

„Ich war richtig geschockt, als wir vor ein paar Tagen entdeckt haben, dass die große Becke leer ist“, sagt die 88-Jährige. Große Becke, so nennt sie den Schölzbach, wie schon ihr Vater das getan hat, fast liebevoll. „Wenn der Bach normal tief ist, also so 40 Zentimeter, dann gehe ich öfter mal mit den Stiefeln rein. Einfach aus Freude an der Natur. Deswegen weiß ich, dass der Bach sonst eine ziemliche, sogar große Fließgeschwindigkeit hat.“

Die Kraft des Wassers erfahren

Die Kraft des Wassers haben sie und ihre Familie immer wieder in den vergangenen Jahrzehnten erfahren: Der Bach trat über die Ufer, das Wasser lief bis vor die Haustür, brachte dicke Baumstämme mit, die heute noch auf dem Feld neben dem Haus liegen. „Und 2016 mussten sogar die Schafe von der Feuerwehr gerettet werden, weil das Wasser so schnell kam“, erinnert sich Agnes Rudolphs Neffe, Reinhold Böcker.

Auch für kleine Arten ein Problem

Dass sich aus den zwei verbliebenen Pfützen wieder ein reißender Bach entwickelt, kann man sich dieser Tage nur schwer vorstellen. Auch manch anderer kleiner Bach führt derzeit wenig bis kein Wasser. Nicht nur für die großen Fische sei das ein Problem, sondern auch für die kleinen Arten wie Gründlinge und Schmerlen, sagt Till Seume, Fischwirtschaftsmeister beim Fischereiverband NRW.

„Die kleinen Fische sind nicht so schwimmstark, dass sie von der letzten trockenen Bachecke mehrere Kilometer bis in die Lippe schwimmen können“, sagt der Experte. „Erfahrungsgemäß verbleiben sie dann in Restwassermengen. Das Wasser erwärmt in solch kleinen Gumpen dann aber natürlich sehr schnell. Und warmes Wasser kann grundsätzlich weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes. Wenn sich dann noch ganz viele Fische in einem kleinen Raum tummeln, reicht der Sauerstoff nicht mehr.“

“Das geht nicht lange für die Fische“

Seit acht Jahren ist Till Seume beim Fischereiverband. „Und in dieser Zeit habe ich noch kein so schlimmes Jahr erlebt. Es war schon mal sehr warm, aber nicht so lang am Stück. Die Gewässer hatten immer wieder die Zeit, sich runter zu kühlen. In diesem Jahr nicht.“ In manchen Bächen im Münsterland seien schon 28 Grad gemessen worden, berichtet er. „Das geht nicht lange für die Fische.“

So komme es zu einer „kleinen ökologischen Katastrophe“, sagt Seume. Es werde dauern, bis sich der Bestand an Fischen erholt habe. „Man hat zwei Möglichkeiten: Entweder man setzt Fische nach oder man hofft, dass sie aus anderen Wasserläufen wieder ihren Weg in den Bachlauf finden.“

Wasserpumpe als Rettung

Jeden Tag bekomme der Fischereiverband derzeit Anrufe von Angelvereinen, die nach Erste-Hilfe-Maßnahmen fragen. „Wir können Wasserbelüfter einsetzen. Davon haben wir sechs Stück. Sie pumpen das Wasser nach oben und dann verregnet es. Dadurch wird es mit natürlichem Sauerstoff angereichert.“ Diese Pumpen sind seit drei Wochen landesweit im Einsatz. „In Bächen kann man die allerdings schwer einsetzen, weil dann auch Schlamm aufgewirbelt wird.“

Fische mussten noch nicht abgefischt werden

Sind Fische in Bächen oder auch immer leerer werdenden Regenrückhaltebecken bedroht, gibt es die Möglichkeit, sie abzufischen. „Das haben wir in diesem Jahr auch schon gemacht“, sagt Ilias Abawi, Sprecher des Lippeverbandes, der für den Rapphofs Mühlenbach, einen Teil des Schölzbaches, Wienbaches und des Hammbaches zuständig ist.

In Dorsten sei das noch nicht nötig gewesen, aber der Verband habe „seine“ Gewässer im Blick, vor allem die Bäche, die einen schwachen Zulauf haben, wie den Schölzbach. „Der speist sich fast ausschließlich aus Regenwasserzuflüssen und wenn solange kein Regen kommt, kann er trocken fallen.“ Das sei aber in diesem Fall zum Glück keine Katastrophe. „Weil es kein fischreiches Gewässer ist.“

Auswirkung auf Kleintiere am Wasser
  • Für die Kleintiere, die in Bächen und Flüssen leben, sieht Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, nicht so schwarz.
  • „Sie finden auch in fast ausgetrockneten Bach- oder Flussbetten immer Ecken, in denen sie überleben können. Sie haben einen Plan B, der für einen gewissen Zeitraum funktioniert“, sagt er und nennt als Beispiel die Libellen. „Es gibt Arten, da schlüpfen die Larven erst, wenn wieder Wasser da ist. So lange bleiben sie einfach im Trockenen liegen.“
  • Einmal ein derartiger Sommer sei keine Katastrophe. „Auf so etwas ist die Natur eingestellt.“
  • Aber es sei natürlich wichtig zu beobachten, wie die Population sich nach diesem Sommer entwickelt. „Und viel wichtiger ist noch, wie es in den nächsten Jahren weitergeht.“
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