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Tödlicher Unfall beschäftigt Anwohner - Bahn plante Schließung des Bahnübergangs schon vor Jahren

dzZugunfall

Den Bahnübergang am Autohaus Borgmann nutzen Autofahrer illegal, um langen Wartezeiten an benachbarten Übergängen zu entgehen. Den Grund für diese Wartezeiten nennt die Bahn seit Wochen nicht.

Wulfen

, 16.11.2018 / Lesedauer: 3 min

An dem unbeschrankten Bahnübergang am Autohaus Borgmann in Wulfen ist es am Donnerstagmorgen zu einem tragischen Unfall gekommen. Ein 63-jähriger Dorstener wurde mit seinem Auto beim Überqueren der Bahngleise von einem Zug erfasst. Der Zug schleifte das Auto bis zum nächsten Bahnübergang an der Munastraße mit. Die Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Autofahrers feststellen. Der 27-jährige Lokführer aus Marl erlitt einen Schock, die 14 Fahrgäste blieben unverletzt.

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Kurz nach Veröffentlichung der Erstmeldung meldete sich Anwohner Timo Dinkler in der Redaktion der Dorstener Zeitung. Er und andere Anwohner würden schon lange Frust schieben, weil sich die Wartezeiten an den beiden nördlich der Unfallstelle gelegenen Bahnübergängen, Köhler Straße/Großer Ring und Burenkamp, erheblich verlängert hätten. „Man wartet dort um die zehn Minuten“, so Dinkler. „Natürlich suchen sich Pendler und Anwohner Alternativen auf dem Weg zur Arbeit oder zur Kita. Das hatte heute tragische Konsequenzen.“

Schranken gehen runter, sobald der Zug Hervest verlässt

Die Dorstener Zeitung berichtete bereits Ende September über die plötzlich stark verlängerten Wartezeiten an den Bahnübergängen Köhler Straße und Burenkamp. Nach Informationen dieser Redaktion sind diese beiden Bahnübergänge die einzigen auf der Strecke, die von einem Schrankenwärter, also nicht automatisch, gesteuert werden. Der Wärter habe aus technischen Gründen die offizielle Anweisung bekommen, die Schranken herunterzulassen, sobald der Zug den Bahnhof Hervest in Richtung Coesfeld verlässt.

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Fragen zu dieser Regelung - warum sie eingeführt wurde und ob sie von Dauer ist - hat die Bahn seit dem 24. September nicht beantwortet. Auch auf erneute Nachfrage nach dem tödlichen Unfall vom Donnerstag gibt es kein Statement von dem Unternehmen. „Zu Ihren Fragen vom 24. September recherchieren wir bahnintern und melden uns, sobald wir Informationen vorliegen haben“, sagte ein Bahn-Sprecher am Donnerstag.

Reger illegaler Verkehr zwischen Köhler Straße und Hervester Straße

Mitarbeiter des Autohauses Borgmann hörten nach eigenen Angaben noch das Hupen des Zugs. Dann habe es einen lauten Knall gegeben. Senior-Chef Clemens Borgmann bestätigt auf Nachfrage den regen illegalen Verkehr auf dem Verbindungsstück zwischen Köhler Straße und Hervester Straße, seit sich die Wartezeiten an den anderen Übergängen verlängert haben. Freigegeben ist der Bahnübergang, an dem es jetzt zu dem Unfall kam, nämlich nur für forst- und landwirtschaftlichen Verkehr.

Auch die regelmäßigen Kontrollen von Stoppschild-Sündern durch die Polizei an der Ecke Munastraße/Hervester Straße trügen möglicherweise dazu bei, dass ortskundige Autofahrer den Wirtschaftsweg inklusive des unbeschrankten Bahnübergangs nutzen, um den Kontrollen zu entgehen, sagt ein anderer Autohaus-Mitarbeiter.

Warum die Schranken an Köhler Straße und Burenkamp geschlossen werden, lange bevor der Zug kommt, kann Clemens Borgmann nicht nachvollziehen. „Die Schlangen sind teilweise wirklich extrem lang.“ Vor knapp zwei Jahren, so Borgmann, seien Bahn-Mitarbeiter bei ihm gewesen. Es ging um eine Schließung des unbeschrankten Übergangs neben dem Autohaus. „Wir haben schriftlich erklärt, dass wir mit einer Schließung einverstanden sind. Seitdem ist nichts mehr passiert.“

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