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Die älteste Karnevalsgesellschaft in Dorsten, die Wulfenia, wird aufgelöst. Es bleiben zwei närrische Vereine, die aber auch nicht sorgenfrei sind.

Dorsten

, 14.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Günter Kojtek hat eine Menge erlebt. Zweimal war er Stadtprinz in Dorsten, 13 Jahre Präsident der KG Wulfenia. Im vergangenen Jahr ließ sich der 58-Jährige zum Vorsitzenden wählen. Es gab ja sonst niemanden, der die Nachfolge von Rudi Haller hätte antreten wollen. Doch nach ziemlich genau zwölf Monaten warf Kojtek im Frühjahr das Handtuch. Schluss mit lustig.

In zwei Versammlungen fand sich kein Nachfolger

„Ich schaffe das nicht mehr“, sagte er den anwesenden Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung und meinte damit vor allem seine berufliche Mehrbelastung in letzter Zeit. Einen Nachfolger fand die Wulfenia nicht. Auch nicht bei der zweiten Versammlung einige Wochen später. Und so haben Kojtek und Haller, die über ein Jahrzehnt die Geschicke der Wulfenia gemeinsam leiteten, jetzt den schweren Gang zum Amtsgericht angetreten. „Die Wulfenia wird aufgelöst“, sagen sie.

Aschermittwoch in Wulfen: Die älteste Karnevalsgesellschaft in Dorsten wird aufgelöst

Als Stadtprinzenpaar haben Günter Kojtek und Ehefrau Karola samt Gefolge im letzten Jahr das Rathaus gestürmt. Mit dabei war auch Rudi Haller (l.), Vorsitzender des Festkomitees Dorstener Karneval. © Anke Klapsing-Reich


Das Ende des Wulfener Karnevals nach 48 Jahren hat vor allem zwei Gründe. „Es gibt zu wenige, die sich engagieren wollen“, meint Haller. „Die meisten Mitglieder sind über 60 Jahre alt, es fehlt der Nachwuchs“, glaubt Kojtek. Die Wulfenia ruht zunächst, im nächsten Jahr wird sie aus dem Vereinsregister gestrichen. Die Chance, dass sich bis dahin jemand findet, der das Ruder auf dem sinkenden Narrenschiff übernehmen möchte, schätzt Haller als „sehr gering“ ein.

Rosenmontagszug geht erst mal weiter

Was das für den Dorstener Karneval insgesamt bedeutet, ist derzeit schwer abzuschätzen. Der Rosenmontagszug, der nach Einschätzung vom Kojtek und Haller in den vergangenen Jahren „einen deutlichen Aufschwung erfahren“ hat, scheint vorerst gesichert. Rudi Haller hat sich im Mai nochmals für drei Jahre zum Vorsitzenden des Festkomitees Dorstener Karneval wählen lassen, das den „Zoch“ organisiert. „Aber danach ist endgültig Schluss“, versichert der 63-Jährige.

Die Situation der Wulfenia ist kein Einzelfall. Die Dorstener Karnevalsgesellschaft (DKG) gibt es schon seit Jahren nur noch auf dem Papier, tritt nicht mehr in Erscheinung,. wurde aber nie offiziell aufgelöst. „Das wollten wir so nicht“, betont Günter Kojtek. Bleiben die Altstadt-Narren und der Holsterhausener Carnevals-Club (HCC), die aber auch nicht frei von Sorgen sind.

HCC will mit den Altstadt-Narren sprechen

Bei den Altstadt-Narren hat mit Fred Kaiser noch immer ein karnevalistisches Urgestein das Sagen, das bezeichnenderweise das Rentenalter schon vor vielen Jahren erreicht hat. Mit dem Festkomitee will der Verein nichts zu tun haben, macht aber gleichwohl mit beim Rosenmontagszug.

„Wir werden noch mal das Gespräch suchen.“ Das sagt Robert Keiner, der vor Kurzem zum Vorsitzenden des HCC gewählt worden ist. „Die Situation der Wulfenia ist traurig“, sagt er, „aber wir fühlen uns gut aufgestellt für die nächsten Jahre.“ Der HCC-Chef räumt indes ein, dass auch die meisten Holsterhausener Mitglieder das 60. Lebensjahr längst überschritten haben. Und dass es nicht immer einfach ist, das närrische Volk für ein offizielles Amt zu begeistern.

Stadtprinz für die kommende Session gesucht

Zum Beispiel für das des Stadtprinzen. Es war bislang schöne Tradition, dass sich HCC und Wulfenia abgewechselt haben. Der amtierende Stadtprinz heißt - genau: Robert Keiner. Davor führte der Wulfener Günter Kojtek die Narren, in der Session 2015/2016 war ebenfalls Robert Keiner an vorderster Front. Jetzt wäre eigentlich wieder die Wulfenia an der Reihe. Denkbar deshalb, dass es in der kommenden Session überhaupt kein Stadtprinzenpaar in Dorsten gibt. Es wäre nicht das erste Mal ...

Aschermittwoch in Wulfen: Die älteste Karnevalsgesellschaft in Dorsten wird aufgelöst

Robert und Heidrun Keiner vom HCC sind das amtierende Stadtprinzenpaar. © Andreas Hofmann

„Ich mach‘s auf keinen Fall mehr“, schließt Robert Keiner eine Verlängerung, wie es einst Bodo Kammann und seine Frau Heike gemacht haben, vorsichtshalber aus. Seine beiden Amtszeiten standen nämlich unter keinem guten Stern. Beim ersten Mal wurde der Rosenmontagszug wegen einer Sturmwarnung kurzfristig abgeblasen, in diesem Jahr musste Keiner ausgerechnet beim Höhepunkt der Session krankheitsbedingt passen.

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