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Hamburg (dpa) Der 26-jährige Ben (Robert Gwisdek) ist seit einem Unfall vor sieben Jahren auf den Rollstuhl und die Hilfe anderer angewiesen. Zynismus wird bei ihm zum erprobten Kampfmittel.
Jacob Matschenz (l-r), Anna Brüggemann und Robert Gwisdek bei den Dreharbeiten zu «Renn, wenn Du kannst». Foto: Jörg Carstensen (Foto: dpa)
Er ist ein Virtuose der Boshaftigkeit und Eloquenz und tyrannisiert - wenn auch auf amüsant-bizarre Art - Krankenpfleger wie Mutter. Das funktioniert, bis der neue Zivi Christian (Jacob Matschenz) und die Cellistin Annika (Anna Brüggemann) in sein Leben treten. Beide Jungen verlieben sich in die schöne wie empfindsame Musikstudentin.
«Renn, wenn Du kannst» heißt der Film von Regisseur Dietrich Brüggemann, der 2009 in die Kinos kam und nun bei Arte an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) als TV-Erstausstrahlung zu sehen ist. Für Robert Gwisdek, dem Sohn der Schauspieler Corinna Harfouch und Michael Gwisdek, war die Rolle eine enorme Herausforderung: In jeder der ungelenken Bewegungen und Gesten offenbart sich die verzweifelte Wut des Protagonisten, der kein Mitleid will, aber auch kein Mitgefühl für andere empfindet.
«Der Rollstuhl ist ein wahnsinnig uncooles Requisit, im Film wie im Leben», sagte Regisseur Brüggemann vor der Kinopremiere. «Man kommt keine Treppe hoch, er macht Falten im Teppich und man wird mitleidig angeguckt, und Rollstuhlfahrer im Film gelten ohnehin als Kassengift.» Trotzdem spielt in Brüggemanns Film ein Rollstuhl eine wichtige Rolle: Brüggemann und seine Schwester Anna (die die Cellistin Anna spielt), mit der er das Drehbuch schrieb, wissen wovon sie sprechen: ihre jüngere Schwester sitzt im Rollstuhl.
Eigentliche sind Ben Behinderte zuwider - er selbst schließt sich dabei ein. Um in seiner Terminologie zu bleiben, will er im Grunde nur «dem Schicksal den Mittelfinger» zeigen. Den bissigen, absurden Humor Bens beherrscht Gwisdek: Idealer Gegenpart ist dabei Anna Brüggemann als begabte und verschüchterte Musikerin, die nicht akzeptieren will, dass eine Querschnittlähmung Liebe ausschließen soll.
Die Autoren beschönigen nichts, und dennoch ist die tragisch-komische und unsentimentale Liebesgeschichte alles andere als moralisierender Realismus. Im Gegenteil, der Film wirkt zwar authentisch, gewinnt jedoch durch seine irrealen Momente eine weitere Dimension: Auf nächtlichen Autostraßen und inmitten trister Duisburger Hochhäuser kreiert der Regisseur eine poetische unwirkliche Atmosphäre.
Ein Balkon mit Hollywoodschaukel wird zum Mikrokosmos, von wo aus die Freunde gemeinsam auf imaginäre Entdeckungsfahrten gehen und ihre Utopien entwickeln. Mit der Liebe haben alle drei noch ihre Schwierigkeiten, aber sie gestehen ihre Ängste und tauschen ihre Träume aus. Und wenn es drauf ankommt, kämpfen sie für einander, so dass es nicht zum tragischen Finale wie in François Truffauts «Jules und Jim» kommt.

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