Experiment im Theater: Schmaler Grat zwischen Musik und Schauspiel

DORTMUND Wo liegt die Grenze zwischen einer rein musikalischen und einer szenischen Aufführung – und gibt es diese Grenze überhaupt? Eva-Maria Houben, Musik-Professorin an der Universität, lotet sie mit einem experimentellen Musik-Abend aus.

  • Eindrücke von der Generalprobe für "Das Innere des Äußeren - Musikalischer Abend in drei Akten" mit Sopranistin Irene Kurka, Bassist Eberhard Maldfeld, Klangregisseur Bileam Kümper, Regisseur Joep Dorren und Bühnenbildnerin Nora Franzmeier.

    Eindrücke von der Generalprobe für "Das Innere des Äußeren - Musikalischer Abend in drei Akten" mit Sopranistin Irene Kurka, Bassist Eberhard Maldfeld, Klangregisseur Bileam Kümper, Regisseur Joep Dorren und Bühnenbildnerin Nora Franzmeier. Foto: Tilman Abegg

„Das Innere des Äußeren“ nennt Houben den musikalischen Abend in drei Akten. Sopranistin Irene Kurka und Kontrabassist Eberhard Maldfeld spielen drei moderne, sehr reduzierte Kompositionen von Nikolaus Brass, Antoine Beuger und Eva-Maria Houben selbst. Am 10. und 13. Januar ist „Das Innere des Äußeren“ in der Jungen Oper zu sehen.
 
Houbens Konzept für den Abend liest sich wie eine Versuchsanordnung. „Gegeben: klare musikalische Strukturen, ein Raum, Requisiten, Licht, Ausführende, Zuhörer und Betrachter. Was passiert?“ Das ist bei diesem Abend nicht leicht zu beantworten.
 
Denn die Kompositionen lassen viel Freiraum, den die Musiker füllen müssen. Houbens Komposition zum Beispiel besteht aus einzelnen Sequenzen ohne feste Reihenfolge. Die wählt Sängerin Kurka bei der Aufführung spontan, nach Gefühl.

Bühnenbild frei formbar
 
Das Bühnenbild von Nora Franzmeier ist ein weiteres frei formbares Element der Aufführung: Drei Kreise mit etwa jeweils zwei Meter Durchmesser liegen auf dem Boden, einer aus weißem Sand, einer aus Federn und einer aus gläsernen Kugeln. Wie Sängerin Irene Kurka mit dem Bühnenbild umgeht, entscheidet sie spontan. Bei der Generalprobe geht sie während der Stücke meist langsam zwischen den Kreisen hindurch, erhebt sie aber zwischendurch zu Requisiten: Schreitet durch die aufstiebenden Federn, zieht mit Finger- und Fußspitzen kleine Muster in den Sand, tritt die Glaskugeln in alle Richtungen auseinander.
 
Ziel dieser Aktionen ist es nicht, ein bestimmtes szenisches Bild bei jeder Aufführung gleich zu reproduzieren, sondern die Materialien als weiteres Ausdrucksmittel zu nutzen, so wie ihre Stimme und das Spiel des Bassisten.
Aber wo verläuft nun die Grenze zwischen reiner Musik und szenischer Aufführung? Zieht sie der Künstler oder ist sie etwas, das nur vom Publikum wahrgenommen wird?
 
Houben: Auch konzertante Aufführungen ohne Bühnenbild, Kostüme und Schauspielerei hätten immer eine szenische Dimension. Das werde am deutlichsten, wenn beides nicht zueinander passt. „Zum Beispiel, wenn ein Pianist wunderbar spielt, aber furchtbar guckt oder sehr stark schwitzt.“

Gedanken werden spürbar
 
Im „musikalischen Abend in drei Akten“ versuchen Houben und ihre Kollegen, das beiderseitige Austarieren von Musik und Geschehen besonders anschaulich zu machen. Die Musik und die Bewegungen der Musiker sind bedächtig und teilweise so gedehnt, dass einzelne Gedanken und spontane Entscheidungen der Akteure nahezu spürbar werden.
 
„Das Jetzt, das Gegenwartsempfinden ist sehr deutlich“, beschreibt Houben ihren Eindruck der Aufführung. „Jeden Abend hat die Atmosphäre eine andere Farbe. Es zeigt, wie lebendig Live-Musik ist.“

Hier gibt es Karten: Karten gibt es noch für beide Termine in der Jungen Oper am Donnerstag (10. 1.) um 19.30 Uhr und am Sonntag (13. 1.) um 15 Uhr zum Einheitspreis von 11 Euro. Erhältlich sind die Karten unter Tel. 5 02 72 22, an der Tageskasse im Opernhaus oder auf www.theaterdo.de
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 30 : 10?   
Autor
Tilman Abegg
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    4. Januar 2013, 11:12 Uhr
    Aktualisiert:
    18. Dezember 2013, 11:32 Uhr