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Medienhaus Lensing
FC Schalke 04
10.02.2012 08:07 Uhr
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Interview mit Höwedes: „Titelkandidat? Das ist noch zu früh“

Gelsenkirchen Es ist das Spitzenspiel des 21. Bundesliga-Spieltags: Schalke 04 (3.) gastiert am Samstag (18.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach (4.). Vor dem Anpfiff spricht Schalkes Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes im Interview mit dem Medienhaus Bauer über Titelaussichten, Trainer Stevens und ein Donnerwetter.Von Frank Leszinski

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Benedikt Höwedes. Foto: Bernd Thissen 

Wie haben Sie den Mittwoch Abend verbracht?
Ich habe mit Freunden zusammen gesessen, die Pokalspiele angeguckt und mich teilweise ganz schön gewundert.

Worüber zum Beispiel?
Über den Pokalerfolg der Fürther in Hoffenheim. Damit war nicht zu rechnen, aber das hat mich sehr gefreut für die beiden früheren Schalker Mike Büskens und Gerald Asamoah, zu denen ich noch engen Kontakt habe.

Und dann gab es ja auch noch den Gladbacher Sieg in Berlin...
Mit der spielentscheidenden Szene, die zum Elfmeter und der Roten Karte für den Berliner Hubnik führte. Da habe ich mich noch mehr gewundert. Das war sehr bitter für die Hertha, dass auf solche Art und Weise dann das Spiel verloren geht.

Was haben Sie sonst für einen Eindruck von Mönchengladbach?
Sie haben eine hervorragende Entwicklung unter Trainer Lucien Favre durchgemacht. Vor der Saison hatte Gladbach kaum jemand als Champions-League-Kandidat auf dem Zettel. Doch mittlerweile sind die Erfolge kein Zufall. Vor allem die taktische Disziplin der Gladbacher ist herausragend. Sie verteidigen kompakt als Mannschaft zusammen, jeder rennt und kämpft für den anderen. Da ist es als Gegner unheimlich schwer, eine Lücke zu finden. Außerdem spielen sie brutale Konter durch Reus und Herrmann aus. Da gilt es für uns höllisch aufzupassen.

Ist das auch eine Lehre aus dem verlorenen Pokalspiel in Gladbach, dass man solche Konter nicht zulässt?
Absolut. Wir haben zwar vorher in Videoanalysen schon darauf hingewiesen, dass wir bei Kontern aufpassen müssen. Aber die Umsetzung auf dem Platz hat dann nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben. Durch die Feldverweise von Huntelaar und Jones haben wir uns dann noch selbst ins Bein geschossen.

Ist es ein kleiner Vorteil für Schalke, dass Mönchengladbach am Mittwoch über 120 Minuten spielen musste?
Ich glaube nicht. Wir kennen ja aus der vergangenen Saison sogar die Dreifachbelastung mit Champions League und DFB-Pokal neben der Bundesliga. Gladbach hat jetzt ja
zwei Tage Zeit sich zu regenerieren. Deshalb glaube ich nicht, dass das spielentscheidend wird.

Ist Reus der Spieler, dem die Schalker Abwehr bei der Spielvorbereitung die größte Aufmerksamkeit schenkt?
Nicht nur. Auch Mike Hanke hat sich vorne drin zu einem Schlüsselspieler für Mönchengladbach entwickelt. Und Herrmann hat auf der linken Seite ähnliche Qualitäten wie Reus.

Welchen Stellenwert hat diese Partie für den Rest der Saison?
Fakt ist, dass zwei Spitzenmannschaften aufeinander treffen und sich eine mit einem Sieg etwas absetzen könnte. Aber es sind danach noch 13 Spiele zu absolvieren. Deshalb wird noch keine Vorentscheidung im Kampf um die Champions-League-Plätze fallen. Wir haben auch noch Partien gegen vermeintlich leichte Gegner vor der Brust. Die sind manchmal schwieriger zu gewinnen als wenn es gegen Top-Teams geht. Denken Sie nur an Mainz 05 in der vergangenen Woche, wie schwer wir uns da getan haben.

Wenn es Samstag einen Sieger geben sollte: Ist dieser Club dann ein Titelkandidat?
(lange nachdenkend und lächelnd) Nein, ich glaube nicht. Die Saison ist danach immer noch lang. Da kann noch so viel passieren. Wenn wir fünf Spieltage vor dem Saisonende immer noch da oben stehen und so engen Kontakt zu Dortmund und Bayern haben, dann kann man davon sprechen, dass wir ein Titelkandidat sind. Aber jetzt ist es noch zu früh.

Folgen jetzt für Schalke 04 die Wochen der Wahrheit? Nach den Europa-League-Spielen geht es zu den Bayern.
Man wird nach diesen Partien sehen, wo unser Weg hinführt. Das sind mit Sicherheit richtungweisende Spiele. Danach wissen wir, wo wir stehen.

Wenn man die vier Spitzenteams vergleicht, fällt auf, dass Schalke mit Abstand die meisten Gegentore kassiert hat. Woran liegt das?
Vor allem in der ersten Saisonphase haben wir viele Gegentore bekommen, weil wir defensiv noch nicht so gut gestanden haben. Das ist mittlerweile besser geworden, aber wir kassieren immer noch zu einfache Tore. Aber in dieser Saison haben wir auch das Glück, dass wir offensiv sehr stark sind und viele Tore machen. Wir haben in unserer Mannschaft unheimlich großes Offensivpotenzial. So etwas hat es schon lange nicht mehr auf Schalke gegeben.

Warum hat Schalke die letzten beiden Partien in der ersten Halbzeit in Köln und gegen Mainz so verschlafen?
Eine überzeugende Erklärung dafür habe ich nicht. Wir machen uns vor jedem Spiel untereinander heiß und wollen gut beginnen. Aber das hat zuletzt nicht geklappt. Erst durch die Gegentore wurden wir wach und haben angefangen, richtig Fußball zu spielen. Das war schade, aber ich hoffe, dass wir es am Wochenende in Mönchengladbach abstellen können.

Manager Horst Heldt hat nach der Partie gegen Mainz Teile des Publikums kritisiert, weil es schnell Pfiffe für die eigene Mannschaft gab. Wie haben Sie das empfunden?
Das habe ich auf dem Platz auch gespürt. Ein Teil unserer Fans ist schnell unruhig geworden. Das hängt wohl damit zusammen, dass wir tabellarisch ziemlich weit oben stehen und die Zuschauer erwarten, von Anfang an Top-Fußball zu sehen. Das haben wir in der ersten Halbzeit gegen Mainz gewiss nicht getan. Deshalb waren die Pfiffe berechtigt. Ob das der Mannschaft geholfen hat, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Bleibt es bis zum Saisonende beim Vierkampf um die Schale?
Für die Bundesliga wäre das ohne Zweifel eine tolle Sache, wenn es so lange wie möglich spannend bleibt. Ich denke aber, dass Dortmund und Bayern etwas mehr Qualität in ihren Kadern haben als die anderen Mannschaften in der Bundesliga. Aber wer weiß, vielleicht gelingt es Schalke und Gladbach doch lange dran zu bleiben.

Welche Bedeutung hat Trainer Stevens für die positive Schalker Entwicklung?
Eine große. Er findet genau die richtige Balance zwischen Spaß und Ernst im Training. Außerdem spricht er sehr viel mit jedem Spieler und vermittelt allen Akteuren, dass sie wichtig sind. So etwas stärkt den Teamgeist. Niemand hat das Gefühl, dass er nicht zur Mannschaft gehört.

Da brauchen Sie als Kapitän also kaum gegensteuern, wenn es mal nicht so läuft?
Selten, aber so etwas hat es auch schon gegeben. In Mainz bin ich zur Halbzeitpause einmal richtig laut geworden, weil wir 0:2 zurück lagen und sehr schwach gespielt haben. Das hat Wirkung gezeigt. Wir haben noch mit 4:2 gewonnen.

Horst Heldt hat mit vielen jüngeren Spielern, zu denen auch Sie noch zählen, die Verträge vorzeitig und langfristig verlängert. Wann kommen Sie an die Reihe?
Ich habe da keine Eile, mein Vertrag läuft ja noch bis zum 30. Juni 2014. Ich freue mich natürlich über die Wertschätzung des Vereins. Schalke bleibt mein erster Ansprechpartner, wenn es an der Zeit ist, sich über die Zukunft Gedanken zu machen.



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