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Medienhaus Lensing
10.10.2011 16:19 Uhr
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Exklusiv-Interview: Hyundai-Chef: Im Vergleich zu VW ein "kleiner Importeur"

FRANKFURT/MAIN Der südkoreanische Autobauer Hyundai ist seit 1991 auf Deutschlands Straßen unterwegs und gewinnt seitdem stetig Marktanteile dazu. Mit Werner Frey, Deutschlandchef des Konzerns, sprachen wir über Kundenwünsche, neue Modelle, Marktanteile und Lieferzeiten.Von Uwe Becker und Torsten Storks

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Werner Frey: "In fünf Jahren wird unser Marktanteil in Deutschland ganz vorsichtig geschätzt bei vier Prozent liegen."  (Foto: Hyundai)

Herr Frey, sprechen Sie eigentlich koreanisch?
Frey: Nein. (lacht)

Das war also keine Einstellungsvoraussetzung?
Frey: Das war nicht die Voraussetzung. Hyundai ist ein internationaler Konzern. Wir sprechen englisch.

Sie haben auch für General Motors/Opel gearbeitet. Ist es ein Unterschied für ein koreanisches Unternehmen im Vergleich zu einem US-Konzern zu arbeiten?
Frey: Es gibt schon Unterschiede: Bei den Amerikanern spielt der Teamgedanke eine große Rolle. Die Art, wie man zu Entscheidungen kommt, ist anders. Das geht über Arbeitsgruppen, über viele Gremien und Stufen. Es gibt eine große Hierarchie, die das System, den Konzern sehr schwerfällig macht.

Wie sieht es bei den Koreanern aus?
Frey: Die Hierarchie ist viel flacher. Das Unternehmen ist mehr auf den Chef ausgerichtet – dies geht auf den Gründer der Hyundai Motor Company Chung Ju-Yung zurück. Entscheidungen fallen dadurch deutlich schneller.

Haben Sie als Chef von Hyundai Deutschland mehr Einflussmöglichkeiten?
Frey: Wir haben eine starke Position. Wir haben den größten Markt und die stärkste Organisation in Europa. Was die Absatzmengen angeht, sind wir die Nummer eins. Nicht umsonst befindet sich die Europazentrale von Hyundai in Frankfurt, das Technik- und Designzentrum in Rüsselsheim. Ich sage nicht, dass der Deutschland-Chef immer gehört wird, aber wir spielen eine wichtige Rolle.

Ist es richtig zu sagen, wer auf dem schwierigen bzw. anspruchsvollen deutschen Automarkt Erfolg hat, der ist auch auf anderen europäischen Märkten erfolgreich?
Frey: Diesen Ansatz gibt es und einige meiner Kollegen beneiden mich auch nicht um meine Position. Weil es eben dieser harte deutsche Markt ist, auf dem man sich durchsetzen muss.

Harter deutscher Markt?
In Deutschland gibt es ein Wettrennen der Premiummarken, die das Wettbewerbsumfeld stark prägen und vieles vorgeben. Das gilt auch für Hersteller, die größere Volumina bewegen. Egal, ob sie jetzt Volkswagen heißen, Opel, Ford oder Hyundai. Die „Premiums“ jedoch setzen Standards was Qualität und Ausstattung angeht. Deutschland ist ein sehr prestigeträchtiger Markt. Da muss auch im Kleinwagen alles stimmen. Mercedes verkauft längst nicht mehr so viele S-Klassen wie vor 20 Jahren. Aber die Qualität und Technologie, die sie entwickeln, finden sich jetzt auch in kleineren Baureihen wieder. Das heißt, um nicht außen vor zu sein, müssen wir das auch liefern.

Vor zehn Jahren kannte in Deutschland kaum jemand Hyundai. Das hat sich geändert. Wie hat der Konzern das geschafft?
Frey: Wir feiern in diesem Herbst unser 20-jähriges Deutschland-Jubiläum. Hyundai ist seit September 1991 hier vertreten. Seitdem hat sich einiges getan. Die Produkte sind ganz andere. Damals gab es einen Pony oder Lantra. Autos, die belächelt wurden und vom Design sowie der Qualität nicht unbedingt dem entsprachen, was die Kunden in Deutschland vielfach erwartet haben. Dazu kamen noch lange Lieferzeiten von bis zu vier Monaten, weil die Autos ausschließlich in Südkorea gefertigt wurden. Heute haben wir Fabriken vor Ort. Zum Beispiel in Nošovice (Tschechien), wo der i 30, der ix20 und der ix 35 produziert werden.

Die Lieferzeiten, speziell beim ix 35, sind trotzdem nicht viel kürzer?
Frey: Das ist etwas, was uns momentan nicht gefällt, aber eine Lösung ist durch die Ausweitung der Produktionskapazitäten bereits in Sicht. Zurück zur Ausgangsfrage: Die Qualität und das Design der Hyundai-Modelle haben sich grundlegend verändert. Außerdem sind wir viel näher am Markt. Wir sind heute in der Lage, exakt auf die Kundenwünsche einzugehen – entsprechend unsere Produktion auszurichten. Und ...

Ja, bitte.
Frey: Seit der WM 2002 in Japan und Südkorea ist Hyundai als offizieller Partner bei allen Fußball-Weltmeisterschaften dabei. Das hat unseren Bekanntheitsgrad enorm gesteigert.

Worauf achtet der deutsche Autokäufer besonders?
Frey: Kurz gesagt: Auf das Design, die Qualität und die Sicherheit. Das sind die wichtigsten Themen.

Was ist mit dem Preis?
Frey:  Natürlich spielt der auch eine Rolle. Leider werden die Kunden häufig durch Rabattaufstellungen auf die falsche Fährte gelockt. Grundsätzlich sollten sich Verbraucher in den Autohäusern ausführlich beraten lassen. Dann haben sie auch die Sicherheit, nach dem Autokauf entsprechende Garantie- und Kulanzleistungen zu erhalten. Angebote im Internet etc. sind nicht mit denen beim Vertragshändler gleichzusetzen. Da werden vielfach Birnen mit Äpfeln verglichen.

Im Frühjahr 2012 kommt der Nachfolger ihres Erfolgmodells i30 auf den Markt. Branchenexperten reden vom Angriff auf den VW Golf. Ist das so?
Frey: Wir sind in diesem Segment gut unterwegs. Der i30 ist unser Bestseller. Seit dem Marktstart der ersten Generation im Juli 2007 haben wir davon in Deutschland 90.000 Stück verkauft. Von dem neuen Modell mit nunmehr drei statt bislang zwei Karosserievarianten wollen wir natürlich noch mehr verkaufen. Aber es wäre verwegen zu sagen, wir wollen eine Attacke gegen VW reiten. Im Vergleich zu den Wolfsburgern sind wir nur ein „kleiner“ Importeur.

Hyundai kommt in Deutschland auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Wo liegt er in fünf Jahren?
Frey: In fünf Jahren? Ganz vorsichtig geschätzt bei vier Prozent.

Wie sieht es mit Hybrid- und Elektroautos bei Hyundai aus?
Frey: Sehr gut. Wir haben Mitte 2009 unser erstes Flüssiggas-Hybridfahrzeug in Korea auf den Markt gebracht. In den USA läuft bereits der Sonata Hybrid. Anfang 2013 werden wir mit einem Hybridfahrzeug in der Kompaktklasse auch in Europa durchstarten.

Was ist mit einem E-Auto?
Frey: In Korea läuft jetzt eine Elektrovariante des i10 in Kleinserie an. Hyundai hat noch nicht entschieden, wann der i10 BlueOn nach Europa kommen soll.

Woran hapert es?
Frey: Das ganze Thema ist noch mit zu vielen Fragezeichen behaftet. Die Batterietechnologie ist noch nicht da, wo sie sein muss – kompakt, leicht und langlebig. Daran arbeiten wir noch in Südkorea. Außerdem bedarf es einer ordentlichen Infrastruktur, die nicht so leicht aufzubauen ist. Allein schon wegen der Kosten.

2010 haben Sie 803 Millionen Euro Umsatz gemacht. Womit rechnen sie für 2011?
Frey: Dieses Jahr werden wir die Milliardengrenze knacken.

Was für ein Hyundai-Modell fahren Sie zurzeit?
Frey: Einen ix55. Das nächste Auto wird ein i40 sein, weil es das neueste Modell ist und besonders gut auf Deutschlands Straßen passt.


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