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Lüneburg Ein Vater, der seine vier Kinder nach Nordafrika verschleppt hatte, muss eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Lüneburg verurteilte den 38-Jährigen am Donnerstag wegen Kindesentziehung. Er hatte seine Kinder für eine Fahrradtour abgeholt - und flog mit ihnen stattdessen nach Ägypten.
Der Mann gilt als christlicher Fundamentalist. Die Polizei hatte nach ihm gefahndet. (Foto: dpa)
Ein Vater aus der Lüneburger Heide muss eineinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er seine vier Kinder monatelang nach Ägypten verschleppt hat. Nachdem seine Ex-Frau das alleinige Sorgerecht für die Geschwister bekam, entführte der Mann die vier unter dem Vorwand, mit ihnen eine Fahrradtour machen zu wollen. Das Landgericht Lüneburg verurteilte den 38-Jährigen aus Hermannsburg am Donnerstag wegen Kindesentziehung zu einer Haftstrafe ohne Bewährung.
Zweieinhalb Jahre Gefängnis gefordert
Die Anklage hatte zuvor zweieinhalb Jahre Gefängnis gefordert, der Verteidiger plädierte auf ein mildes Urteil. Der Mann und die vier- bis achtjährigen Kinder waren erst nach viereinhalb Monaten in Kairo aufgespürt worden. Der arbeitslose Krankenpfleger hatte die Tat im Prozess weitgehend eingeräumt. Der christliche Fundamentalist sah sich von Gott zur Erziehung seiner Kinder berufen.
Ein Gutachter hatte den 38-Jährigen für voll schuldfähig erklärt. Trotz seiner extremen Beschäftigung mit Religion leide der Mann nicht an einer Wahnerkrankung oder Persönlichkeitsstörung, hatte der Experte befunden. Er charakterisierte den 38-Jährigen allerdings als „engstirnig und rigide“.
Söhne wollten bei ihm leben
Die Mutter hatte bei Prozessbeginn ausgesagt, die Geschwister hätten die Monate in Afrika körperlich und seelisch gut überstanden. Zuvor hatten die Kinder die Nähe des Vaters auch gesucht - die beiden Söhne hatten statt bei ihr bei ihm leben wollen.
Am Karfreitag 2011 hatte der Mann die Geschwister bei der getrennt von ihm lebenden Frau in Hermannsburg abgeholt. Er versprach einen Ausflug, doch tatsächlich flog er mit den Kindern noch am selben Tag nach Hurghada ans Rote Meer. Von dort fuhr er über Assuan in den Sudan. Die Familie lebte in günstigen Unterkünften. Wegen der unsicheren Lage entschloss sich der Vater später zur Rückkehr nach Kairo, wo er in der Wohnung eines Ägypters lebte, den er auf der Reise kennengelernt hatte.
Interpol eingeschaltet
Bundeskriminalamt, Interpol und das Auswärtige Amt wurden eingeschaltet - nach ängstlichen Monaten des Bangens gab es dann im Herbst einen Fahndungserfolg. In einem Internetcafe wurde der Vater aufgespürt, am 8. September kam er mit seinen Kindern zurück nach Deutschland.
Auslöser für die Verschleppung war der Entzug des Sorgerechts. Vor Gericht verwies der strenggläubige Christ auf das für ihn höherrangige Gesetz Gottes, das ihn zur Erziehung der Kinder verpflichte. „Die Sorgerechtsentscheidung ist Sünde vor Gott“, sagte der Mann, der im Prozess immer wieder aus der Bibel zitierte. Seine Frau schilderte vor Gericht, dass der strenge Glaube des Mannes ihre Ehe seit 2004 immer mehr zerstört habe.
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