Reportage: Glück als Schulfach
NOTTULN Glück als Schulfach - Das gibt es nicht? Von wegen! An der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Nottuln steht für zwei Stunden pro Woche die gute Laune auf dem Stundenplan. Und so sieht dann der Unterricht aus.
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| Die Schüler der Klasse 10 a der Geschwister-Scholl-Hauptschule finden ihr ausgefallenes Unterrichtsfach richtig klasse. |
Hinten in der Klasse 10a hängen fünf Buchstaben. In verschiedenen Farben sind sie dort an die Wand gepinnt: G L Ü C K – Genau darum geht es an diesem Morgen. Aber kann man Glück wirklich lehren und lernen? In deutschen Schulen gibt es dazu kaum Erfahrung.
Zwar bietet ein Heidelberger Gymnasium seit 2007 Glück als Unterrichtsfach an, aber in NRW ist die Geschwister-Scholl-Schule die erste Schule, die sich an dieses Thema herangetraut hat. „Wir haben nach etwas Neuem für die Berufsorientierung gesucht“, sagt Sabine Steffan.
Wenn man so will, hat sie ihrer Schule und den Schülern das Glück eingebrockt. Steffan wollte etwas anbieten, das ihrer Klasse mehr Selbstvertrauen gibt. In der 10a sitzen Schüler, die im Laufe ihrer Schulkarriere oft das Gefühl bekommen haben, sie seien übrig, nur der Rest.
Einige haben schon 10, 15 oder noch mehr Bewerbungen geschrieben, aber nur Absagen zurückbekommen. Steffan wollte dem Frust bewusst etwas entgegensetzen, die Schüler motivieren, ihnen Selbstvertrauen zurückgeben.
Geschichten von Glücksforscher Eckart von Hirschhausen als Lernstoff
Montagmorgen, kurz nach halb neun. Die 10a startet mit Glück in die neue Schulwoche. Heute steht basteln auf dem Plan. Die Jugendlichen haben eine Geschichte von Eckart von Hirschhausen gelesen.
Es ist die Geschichte vom Pinguin, der an Land plump und verloren aussieht, im Wasser aber seine wahren Qualitäten zeigt. Die Botschaft an die Schüler ist klar: „Finde dein Wasser, finde deine Stärken!“
Damit sie das nicht vergessen, basteln sie einen Pinguin. Für Steffan ist das eine gute Gelegenheit, ihre Schüler zu beobachten. Wer ist ausdauernd bei der Sache? Wer arbeitet sauber? Wem fällt es schwer?
Denn auch der Glücksunterricht findet nicht sinnfrei statt. „Meine Beobachtung kann ich in berufsberatenden Gesprächen gut einbringen“, sagt Steffan. Dabei geht es um Kompetenzen für bestimmte Berufswünsche. Jemand, der schon beim Basteln eines Pinguins aufgibt, ist wohl eher schlecht beraten Feinmechaniker zu werden.
Die Schüler wissen sehr wohl, dass einige Dinge, die sie hier machen, auch ihren Platz in der Grundschule hätten. „Für die 10. Klasse sind manche Sachen einfach zu leicht“, sagt Luca. Er ist 16 Jahre alt. Wie die anderen genießt aber auch er den Unterricht ohne Druck.
Die eigenen Stärken finden und positiv denken
Auch wenn es am Ende des Schuljahres Noten gibt – der Glücksunterricht ist anders. „Hier ist alles viel lockerer“, sagt Benjamin (17). Kein Stoff, bei dem man nicht mitkommt, keine Frustration, weil man ständig seine Schwächen aufgezeigt bekommt. Der Unterricht soll Negatives aber nicht einfach ausblenden.
„Wir machen hier keine Kuschelpädagogik“, stellt Schulleiterin Ursula Röttger klar. Vielmehr suche man gemeinsam nach den eigenen Stärken. Positives Denken werde gestärkt.
Und, sind die Schüler auch glücklicher? Sarah (16) glaubt, dass man Glück durchaus lernen könne. Vor allem in Spielen mit verbundenen Augen, hat sie das so empfunden: „Wenn man merkt, dass andere einem plötzlich vertrauen, ist man glücklich.“
Luca sieht das anders. „Ich glaube nicht, dass man Glück lernen kann. Das kommt einfach, wenn man nicht damit rechnet“, sagt er. Trotzdem findet er den Unterricht für den Start in die Woche gut. „Man kommt nicht so schlecht gelaunt hier raus“, sagt auch Benjamin. Der Gong schellt. Pause.





