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Medienhaus Lensing
29.07.2010 16:49 Uhr
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Loveparade - die Katastrophe: OB Sauerland immer stärker unter Druck

DUISBURG Fünf Tage nach der Loveparade-Tragödie häufen sich die Rücktrittsforderungen an Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Dieser aber wehrt sich weiterhin.

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Der Unmut gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wächst. Demonstranten fordern seinen Rücktritt. (Foto: dpa)

Sauerland betonte, er habe keine Genehmigungen für die Loveparade unterschrieben. Am Donnerstag forderte ihn der Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) auf, politisch-moralische Verantwortung zu übernehmen. Sauerland wäre gut beraten, die Frage seiner moralischen Verantwortung „sehr schnell zu beantworten“, sagte Jäger im ZDF-Morgenmagazin. Wenig später forderten 250 aufgebrachte Demonstranten vor dem Rathaus lautstark Sauerlands Rücktritt.

Kraft: Der politischen Verantwortung stellen

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte zuvor schon in der „Rheinischen Post“ gefordert, der Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze sollten sich der politischen Verantwortung stellen. Der Deutsche Beamtenbund (dbb) forderte personelle, disziplinarische und politische Konsequenzen aus dem tragischen Verlauf der Duisburger Loveparade. Der Beamtenbund geht davon aus, dass Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung während des Genehmigungsverfahrens „systematisch unter Druck gesetzt worden sind“.

Fotostrecke Protestaktion in Duisburg

Durch die Massenpanik bei der Loveparade am vergangenen Samstag sind 21 zumeist junge Menschen ums Leben gekommen, 25 Verletzte lagen am Donnerstag noch im Krankenhaus.

Sauerland wehrt sich in Interviews

Sauerland wehrt sich über Zeitungsinterviews gegen die stetig zunehmenden Angriffe, räumt aber ein: „Ich habe politische Verantwortung, nicht nur weil ich als einer von 75 Ratsherren dafür gestimmt habe, dass wir als Duisburger die Loveparade wollen.“ Er sagte unter anderem: „Ich habe keine Genehmigung persönlich unterschrieben, aber selbstverständlich fühle ich mich als Oberbürgermeister verantwortlich.“ Zurücktreten wolle er nicht, sondern zunächst an der Aufklärung mitarbeiten. Zur Frage, ob er nach Sicherheitsbedenken seiner Mitarbeiter, über die er informiert wurde, nicht eingegriffen habe, sagte er, es sei letztlich für ihn entscheidend, dass diese Mängel behoben worden seien.

Polizeigewerkschaft ist empört

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft reagierte auf die Rechtfertigung mit Empörung. „Es ist völlig unerheblich, ob der Oberbürgermeister Vorgänge selbst unterschrieben hat, sagte Rainer Wendt dem „Handelsblatt Online“. „Es ist das Wesen der politischen Verantwortung, dass es nicht an persönliches Fehlverhalten geknüpft ist, sondern für gravierende Fehlentscheidungen im Verantwortungsbereich des Politikers wirksam wird.“

Ermittlungen werden wohl Zeit brauchen

Die Ermittlungen zur Katastrophe werden nach Einschätzung der Polizei sehr lange dauern. „Es sind ja tausende von Informationen auszuwerten, und jeden Tag kommen neue hinzu“, sagte Dorothee Göbel, Sprecherin der Polizei in Köln, am Donnerstag. Dort ist die Ermittlungsgruppe zur Aufklärung des Unglücks angesiedelt. Sie besteht aus 60 Beamten aus ganz Nordrhein-Westfalen und wird von der Staatsanwaltschaft Duisburg geleitet.Darunter sind auch eine Reihe von Internet-Experten. Denn dort kursiert mittlerweile eine schier unübersehbare Zahl von Bildern, Filmen und Berichten.

Gedenkfeier auch ins Stadion übertragen

Zur Gedenkfeier am Samstag in Duisburg werden Zehntausende erwartet. Der ökumenische Gottesdienst in der Salvatorkirche wird nach neuen Plänen an zahlreichen Orten der Stadt übertragen. So können die Bürger das Gedenken an die Opfer in 20 weiteren Kirchen in Duisburg und im Stadion des MSV Duisburg verfolgen. Es bietet dazu 25.000 Plätze.

An den Vorbereitungen war am Donnerstag auch die Stadtspitze mit dem OB im Rathaus beteiligt. Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wollen dort am Samstagvormittag mit den Angehörigen trauern.

Ex-Innenminister regt Opferfonds an

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum rät den Hinterbliebenen der Opfer und den Verletzten, sich rasch zusammenzuschließen. Er könne nur empfehlen, schon jetzt klare Zusagen auf Schadenersatz von den Verantwortlichen einzufordern, sagte der FDP-Politiker der Nachrichtenagentur dpa. „Später, wenn es zu Prozessen kommen sollte, ist das immer sehr, sehr schwierig.“ Baum regte zugleich einen Opferfonds an. Staat, Land und Stadt könnten einen solchen Fonds schaffen, um Ausfälle auszugleichen, die durch Zahlungsunfähigkeit des Loveparade-Veranstalters entstehen könnten.

NRW-Innenminister Jäger sagte zu den bisherigen Ermittlungen, es sei klar, dass die Stadt Duisburg dem Veranstalter genehmigt habe, Flucht- und Zulaufwege „sehr viel kleiner, sehr viel enger gestalten zu dürfen, als die gesetzliche Lage eigentlich erlaubt“. Es werde ein Problem der Stadt werden, das zu begründen.

Aber auch der Veranstalter, der für den Bereich des Tunnels verantwortlich gewesen sei, habe sein eigenes Sicherheitskonzept nicht eingehalten. „Das hat überhaupt nicht funktioniert“, kritisierte Jäger. Ohne das beherzte Eingreifen der Polizei wären nach seinen Worten vielleicht noch mehr Verletzte oder sogar mehr Todesopfer zu beklagen gewesen. 








 



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