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Medienhaus Lensing
09.02.2012 05:02 Uhr
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NRW-Schulen: Unterrichtsausfall schwer zu messen

Die Landesregierung sucht nach einer Möglichkeit, den Unterrichtsausfall an den Schulen in NRW korrekt zu ermitteln. Die bisher genutzte Methode führe „nicht zu verlässlichen Zahlen“, heißt es aus dem Schulministerium.Lisa Seiler

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Wie oft fällt der Unterricht an NRW-Schulen aus? Die Landesregierung weiß es nicht. (dpa)

Mit genau dieser Methode wurden die Daten in NRW allerdings bereits seit etwa zehn Jahren ermittelt. Seit 2001 setzte das Ministerium zur Erhebung des ersatzlos ausgefallenen Unterrichts an Schulen alle zwei Jahre eine zweiwöchige Stichprobe ein, seit 2005 sogar jährlich. Im vergangenen Jahr kam man in Düsseldorf jedoch zu dem Schluss: Ob die so ermittelten Werte die Situation „realistisch widerspiegeln, darf bezweifelt werden“. Die Erhebung wurde vorerst gestoppt.

Auslöser war ein Widerspruch bei den Daten für das Schuljahr 2008/09: Während das Schulministerium hier auf 2,3 Prozent Unterrichtsausfall kam, veröffentlichte der Landesrechnungshof, der bei seiner Statistik das gesamte Schuljahr berücksichtigte, in seinem Jahresbericht 2011 eine mehr als doppelt so hohe Quote: gut 5,8 Prozent. „Eine realistischere Zahl“, glaubt Udo Beckmann, NRW-Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), der bundesweit etwa 140 000 Pädagogen vertritt. „Das ist mindestens die Quote, die wir haben, weil die Schulen personell zu knapp besetzt sind.“

Geschönte Zahlen?

Um Unterrichtsausfall zu vermeiden, brauche man mehr Lehrer. Die Zahlen, die in den vergangenen Jahren noch unter Schwarz-Gelb erhoben wurden, hält Beckmann für geschönt: „Bei einem Erhebungszeitraum von nur zwei Wochen ist das Ergebnis steuerbar.“ Schließlich verteile sich der Unterrichtsausfall keineswegs gleichmäßig über das Schuljahr. Auch im NRW-Schulministerium hat man diesen Punkt als eine Schwachstelle der eigenen Erhebungen ausgemacht. Derzeit prüfe man daher „wie sich der Unterrichtsausfall künftig verlässlich ermitteln lässt“, sagt Sprecherin Nina Heil. Wann man damit fertig sei und wieder Daten erhoben werden könnten, sei noch nicht klar.

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Weil man die eigenen Statistiken zum Unterrichtsausfall inzwischen für wenig aussagekräftig hält, sucht man im NRW-Schulministerium nach einer neuen Erhebungsmethode. Hintergründe zum Thema.

Wie wurde die Quote bislang ermittelt?
Mit Hilfe zweiwöchiger Stichproben – von 2001 bis 2005 im Abstand von zwei Schuljahren, seitdem jährlich. Bezugsgröße war der laut Stundenplänen zu erteilende Unterricht. Die letzte ermittelte Ausfallquote bezog sich auf das Schuljahr 2009/10. Sie lag bei 2,4 Prozent.

Wieso hält man die Methode im Ministerium nicht mehr für sinnvoll?
Hintergrund sind gravierend unterschiedliche Daten für das Schuljahr 2008/09: Der Landesrechnungshof (LRH) hat dafür in seinem Jahresbericht 2011 eine Ausfallquote von rund 5,8 Prozent festgestellt, das Ministerium ermittelte eine Quote von nur 2,3 Prozent.

Was sind die Ursachen?
Das Ministerium nennt in einer Bewertung unter anderem drei mögliche Gründe:
› Der LRH habe seine Erhebung eigenständig vor Ort durchgeführt, während das Ministerium die Bögen durch die teilnehmenden Schulen habe ausfüllen lassen.
› Die Schulen seien erst nach Ablauf des Stichprobenzeitraums über ihre Teilnahme informiert worden.
› Der LRH habe das gesamte Schuljahr in den Blick genommen, der Erhebungszeitraum der Ministeriumsstatistik habe sich hingegen nur über zwei Wochen erstreckt. Ursachen für Unterrichtsausfall, die sich nicht gleichmäßig übers Jahr verteilten, seien so nicht berücksichtigt worden.

War die offizielle Quote in den letzten Jahren also immer zu niedrig?
Das könne man rückblickend nicht überprüfen, sagt Nina Heil, stellvertretende Sprecherin des Schulministeriums. Fakt ist: Die Wahrnehmung von Eltern, Schülern und Lehrern wich in der Vergangenheit oft eklatant von den Ergebnissen der Statistik ab. Auch Udo Beckmann, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), hält die offiziellen Zahlen der letzten Jahre für zu niedrig. „Um Unterrichtsausfall zu vermeiden brauchen wir an den Schulen eine Lehrerreserve von mindestens sieben Prozent“, sagt er. Die fordert auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Sind die Schulen verpflichtet, eine eigene Statistik zu führen?
Nein, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Der Landesrechnungshof hat allerdings wiederholt gefordert, eine solche an jeder Schule einzuführen.

Wie will das Schulministerium den Unterrichtsausfall in NRW künftig ermitteln?
Zu Details könne man noch nichts sagen, heißt es dazu aus Düsseldorf. „Der Prozess läuft“, so Heil. Die neue Methode müsse aussagekräftige Zahlen liefern, ohne zu einem unzumutbaren Aufwand für die Schulen zu führen.

Wann ist mit neuen Zahlen zu rechnen?
Das steht noch nicht fest. Für das Schuljahr 2010/11 wurden nach Angaben von Nina Heil bislang keine Daten erhoben. Auch eine rückwirkende Ermittlung sei nicht geplant.



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