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Medienhaus Lensing
08.02.2012 12:09 Uhr
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Am Freitag: Polizei setzt beim Blitzer-Marathon doch auf Überraschungen

NRW Der angekündigte Blitzer-Marathon am Freitag wird in den Städten NRWs unterschiedlich gehandhabt. Ursprünglich hatte Innenminister Jäger erklärt, alle Geschwindigkeits-Messstellen nennen zu wollen. Am Dienstag meldeten aber viele Polizei-Dienststellen: Man setze sehr wohl auf den Überraschungseffekt.Von Ingrid Wielens und Jonas Müller-Töwe

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Die Blitzer-Autos werden unauffällig platziert. (Foto: dpa)

Autofahrer sollten sich nicht in Sicherheit wiegen, außer an gemeldeten Messpunkten überall rasen zu dürfen, hieß es. Die Polizei Unna meldete: „Im gesamten Kreisgebiet muss mit kurzfristigen Kontrollen gerechnet werden.“ Zuvor hatte Innenminister Ralf Jäger erklärt, alle geplanten Messstellen bekannt geben zu wollen. Im Kampf gegen die seit Jahren erstmals gestiegene Zahl der Unfalltoten hatte er – wie berichtet – für Freitag eine 24-stündige Kontrollaktion an 1400 Stellen in NRW angekündigt. Überhöhte Geschwindigkeit gelte als „Killer Nr. 1“, sagte er. Daher werde an Unfallbrennpunkten und Raserstrecken geprüft.

Erste geplante Kontrollpunkte wurden am Dienstag bereits bekannt – unter anderem die B 1 in Unna, die Kreisstraße in Selm, die Ruhrallee und die Rheinische Straße in Dortmund, die B 474 zwischen Ahaus und Coesfeld, in Münster die B 51 nach Telgte, die B 61 zwischen Hamm und Beckum, die B 474 zwischen Coesfeld und Dülmen.




In Dortmunds Innenstadt ist unter anderem der Wall betroffen, in Bochum sind es alle Ausfallstraßen. Im Münsterland wird unter anderem an der B 525 zwischen Nottuln und Darup sowie an der L 874 zwischen Nottuln und Havixbeck geblitzt. Auch in anderen Städten nehmen die Beamten neuralgische Punkte ins Visier. Allerdings wird die Polizei in den Kreisen Coesfeld und Steinfurt sowie in Essen und Mülheim nicht alle Kontrollpunkte mitteilen. Damit schließen sich die Behörden den Empfehlungen von Experten an.

Überraschende Kontrollen seit Jahren gefordert

Denn viele Verkehrspsychologen fordern seit langem überraschende Kontrollen statt vorher offiziell angekündigter. „Die größte Effektivität haben nicht kalkulierbare Kontrollen“, betont Egon Stephan, Psychologe an der Uni Köln und Leiter der Obergutachterstelle für die Beurteilung der Kraftfahrteignung in NRW.  Er hat im Rahmen seiner Studien selbst rund 30 Millionen Fahrzeugmessungen ausgewertet und festgestellt: „Wenn man jederzeit mit einer Blitzaktion rechnen muss, fährt man vorsichtiger.“

Und: In dem Moment, in dem ein Vergehen etwas koste oder möglicherweise noch Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei nach sich zögen, „lernen die Leute“. Stephan nennt beispielhaft die Einführung der Gurt-Pflicht. „Erst, als diese Pflicht verschärft kontrolliert und bei Missachtung bestraft wurde, hielten sich die Leute daran.“ Inzwischen akzeptierten 95 Prozent der Bürger die Gurtpflicht, erklärt Stephan.

Polizeibehörden kündigen Überraschungsaktionen an

Der Experte fordert daher flächendeckende überraschende Blitz-Aktionen. Schließlich würden sich die Verkehrsteilnehmer auf bereits bekannte Kontrollen nur punktuell einstellen, langfristig sei aber nur eine mäßige Wirkung zu erwarten. Der groß angelegte Blitz-Marathon am Freitag sensibilisiere die Menschen zwar, meint Stephan. „Wirklich erfolgreich ist eine solche Aktion aber nur dann, wenn ich nicht weiß, wo geblitzt wird.“

Das glauben die Mitarbeiter einiger Polizeibehörden in der Region offenbar ebenfalls. Und so kündigen die Beamten in den Kreisen Unna, Steinfurt und Coesfeld sowie in Essen und Mülheim Überraschungsaktionen mit Laserpistolen und Radargeräten an. Die Städte Münster, Dortmund und Bochum sowie der Kreise Borken und Warendorf dagegen setzen auf lückenlose Aufklärung im Vorfeld der Blitz-Aktion. 

Innenministerium setzt auf Bekanntmachung

Das entspricht auch den Vorgaben des Innenministeriums: „Wir setzen darauf, mit der rechtzeitigen Bekanntmachung sämtlicher Messstellen das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer hinsichtlich der Gefahren überhöhter Geschwindigkeit zu schärfen“, sagt eine Sprecherin. „Die Menschen erkennen an, dass es nicht um Knöllchen geht, sondern um mehr Sicherheit im Straßenverkehr.“

In diesem einen Punkt stimmt Egon Stephan zu: Es könne nicht sein, dass das Land sich rechtfertigen muss für Aktionen, mit denen die Einhaltung von Vorgaben überprüft würden. „Niemand ist gezwungen, zu schnell zu fahren – es geht nicht um Abzocke, es geht um Sicherheit“, sagt Stephan.

Passfoto entfaltet pädagogische Wirkung

Dieser Einschätzung schließt sich auch ADAC-Sprecher Peter Meintz an. Gerade die Radarkontrollen, bei denen die Beamten Verkehrssünder auch tatsächlich anhielten – statt den Betroffenen lediglich viel später ein „Passfoto“ zuzuschicken – entfalteten pädagogische Wirkung. Medienwirksame Blockaktionen könnten aber eine flächendeckende Überwachung nicht ersetzen.

Eine Mischung aus Ankündigung und Überraschungseffekt befürwortet dagegen der Verkehrswissenschaftler Rainer Wiebusch-Wothge von der Ruhr-Uni Bochum. So könne die Polizei „ihrem Wegelagerer-Image“ entgegenwirken, Bewusstsein für Gefahren schaffen und durch Präsenz abschrecken.



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