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Medienhaus Lensing
10.02.2012 13:52 Uhr
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Syrien: Mindestens 25 Tote durch Bombenanschläge

Damaskus/Berlin Bei zwei Bombenanschlägen in der syrischen Stadt Aleppo sind am Freitag mindestens 25 Menschen getötet worden. In der syrischen Protesthochburg Homs bahnt sich nach sechstägigem Dauerbeschuss eine humanitäre Katastrophe an.dpa

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Bei zwei gewaltigen Bombenanschlägen vor Einrichtungen der Sicherheitskräfte in Aleppo sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Foto: Syrian Arab News Agency (SANA) (Foto: dpa)

Die Stadt ist umzingelt; Armeeposten kontrollieren alle Zugangsstraßen. Seit zehn Tagen konnten keine Lebensmittel mehr in die Stadt geliefert werden. Essen und Medikamente werden knapp. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gehen auch die Heizölvorräte zur Neige. In ganz Homs gibt es nach Angaben von Aktivisten nur noch drei Ärzte, einer wurde durch Granatenbeschuss verletzt.

In der Stadt Aleppo sind vor zwei Einrichtungen der Sicherheitskräfte große Sprengsätze detoniert. Mindestens 25 Menschen seien dabei getötet worden. Das Staatsfernsehen berichtete zudem von 175 Verletzten. Die Sprengsätze waren vor Einrichtungen der Sicherheitskräfte detoniert.
 Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Terroranschläge hätten einem Gebäude des Militärgeheimdienstes und dem Sitz der Ordnungspolizei gegolten.

Gegner von Präsident Baschar al-Assad machten sein Regime für die Anschläge verantwortlich. Sie erklärten unter Berufung auf Anwohner, die vor den Detonationen verdächtiges Verhalten der Sicherheitskräfte beobachtet haben wollen: „Die ist ein weiteres schwarzes Theaterstück des Regimes.“ Die Regierungstruppen hätten nach den Detonationen jeweils mehrere Schüsse abgegeben, um den Eindruck zu erwecken, es habe ein Gefecht zwischen ihnen und den Terroristen stattgefunden.

 US-Präsident Barack Obama sagte nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti am Donnerstag in Washington, beide Länder hätten großes Interesse daran, das «abscheuliche Blutvergießen» in Syrien zu beenden. Die USA und Italien seien sich einig, die jetzige Regierung in Damaskus, die «ihr Volk angreift», müsse ersetzt werden.

Merkel zutiefst betroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich zutiefst betroffen über Syriens Präsident Baschar al-Assad. «Die Bilder und Berichte aus Syrien wühlen mich genauso auf wie wahrscheinlich die meisten Bürger», sagte Merkel der «Passauer Neue Presse» (Freitag). Um das Blutvergießen in Syrien zu stoppen, macht sich Merkel gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy für die Gründung einer Kontaktgruppe stark. «Um die Bemühungen zu einer raschen Lösung des Konfliktes zu verstärken, unterstützen Präsident Sarkozy und ich die Bildung einer Kontaktgruppe, wie sie von unseren Außenministern vorgeschlagen wurde», betonte die Kanzlerin.

Die vier syrischen Diplomaten - drei Männer und eine Frau - wurden vom Auswärtigen Amt (AA) zu «unerwünschten Personen» erklärt. Sie haben drei Tage Zeit, mit ihren Familien Deutschland zu verlassen. Solche Ausweisungen sind im diplomatischen Umgang äußerst selten.

Ärzte ohne Grenzen: Lage ist katastrophal

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) bezeichnet die Lage von Verletzten und Kranken in Syrien als katastrophal. Ärzte und Patienten mit Schussverletzungen müssten damit rechnen, in der Klinik verhaftet zu werden, sagte die MSF-Präsidentin Marie-Pierre Allié der Nachrichtenagentur dpa in Paris. «Weil die Leute aus Angst nicht mehr in Krankenhäuser gehen, haben die Mediziner und Pfleger ein Parallelsystem aufgebaut.» Patienten würden nun in Untergrund-Kliniken behandelt - allerdings unter prekären Umständen.

Exilsyrer berichten auch in Deutschland, wo mehr als 32 000 Menschen mit syrischem Pass leben, von Einschüchterungsversuchen. Westerwelle sagte, die Bundesregierung könne «in keiner Weise tolerieren, wenn für den syrischen Staat Tätige in Deutschland einen direkten oder indirekten Beitrag dazu leisten, die syrische Opposition unter Druck zu setzen».

Ausweisung der Diplomaten als "positives Signal"

«Die Ausweisung der Diplomaten ist ein positives Signal», sagte Abdelhamid al Jasem, der Vorsitzende des Deutsch-Syrischen Vereins zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte, der dpa. «Einige Syrer sind inzwischen so eingeschüchtert, dass sie sich nicht mehr trauen, an Demonstrationen teilzunehmen.» Regimegegner seien von syrischen Agenten oder von Anhängern der mit Assad verbündeten libanesischen Schiitenbewegung Hisbollah bedroht worden.

Wegen Spitzel- und Drangsalierungsvorwürfen sitzen bereits zwei Mitarbeiter der Botschaft in Untersuchungshaft. Sie haben keinen Diplomatenstatus. Zudem wird gegen sechs Verdächtige ermittelt. Libyen weist sogar alle Mitarbeiter der syrischen Botschaft in Tripolis aus.

6000 Tote in elf Monaten

Nach fast elf Monaten der Gewalt mit 6000 Toten prüfen die Vereinten Nationen die Entsendung von Beobachtern und eines Sondergesandten nach Syrien. «Wir erwägen eine gemeinsame Mission mit der Arabischen Liga», sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach einer Tagung des Sicherheitsrates in New York. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, sprach von wahllosen Attacken auf Wohngebiete, von einem Massaker an der eigenen Bevölkerung.

Der Führungsstab des Syrischen Nationalrats beriet im Golfemirat Katar, wie das Blutvergießen gestoppt werden könnte. Der Rat setzt inzwischen stärker auf militärische Optionen. Unter anderem wird über Waffenlieferungen an Deserteure diskutiert. Unter arabischen Diplomaten wird erwogen, den von mehreren Oppositionsgruppen gegründeten Nationalrat als legitime Vertretung des syrischen Volkes anzuerkennen.



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