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Italien erwägt härtere Gesetze gegen Pisten-Rowdys
am 8. Februar 2010 16:18 Uhr
Lawinen in Österreich und Italien haben seit dem Wochenende mindestens neun Menschen in den Tod gerissen und zu ersten Gesetzesinitiativen gegen Pisten-Rowdys geführt. Italiens Regierung erwägt harte Strafen gegen Unvorsichtige, die Lawinen auslösen und damit Menschenleben gefährden.
Lawine in Mittelitalien
Ein Rettungsteam sucht nach zwei Verschütteten in den Abruzzen (Archivbild vom 31.01.2010).

In Deutschland wurde zwei Tage nach einem Zusammenstoß auf einer Skipiste am Feldberg im Schwarzwald ein 28-jähriger Snowboardfahrer aus Belgien tot aufgefunden. Seine Leiche lag in einem abgelegenen Waldstück, teilte die Polizei mit. Der Snowboarder war am Samstag mit einer 13-jährigen Skifahrerin zusammengeprallt und dann geflüchtet. Das Mädchen erlitt bei dem Zusammenstoß schwere Verletzungen. Der Snowboardfahrer war bei dem Unfall offensichtlich stark betrunken gewesen.

In Österreich ist erneut ein Deutscher durch eine Lawine ums Leben gekommen. Der Mann aus Baden-Württemberg war am Sonntag am Pitztaler Gletscher in Tirol von einer Schneebrettlawine mitgerissen worden. Er war zusammen mit einem Landsmann abseits markierter Pisten unterwegs, als sich die Lawine löste. Er ist in dieser Saison das 15. Lawinenopfer in Österreich, wo allein am vergangenen Donnerstag und Freitag sechs Menschen in abgerutschten Schneemassen starben, unter ihnen zwei Deutsche. Experten warnen wegen der erheblichen Lawinengefahr seit Wochen davor, auf unmarkierten Pisten zu fahren.

In Italien plant die Regierung nach einem Wochenende mit acht Lawinentoten erwägt drastische Maßnahmen. Eine gerade im Senat diskutierte Eilverordnung zum Katastrophenschutz sieht für Auslöser einer Lawine mit Todesopfern Haftstrafen vor, berichteten italienische Medien am Montag. Unvorsichtigen, die sich trotz Warnung außerhalb der erlaubten Pisten begäben oder gefährliche Exkursionen unternähmen, sollen in Zukunft bis zu 5000 Euro Geldbuße drohen.

Die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten reagiert damit auf den wiederholten Appell des italienischen Zivilschutzes. Zu viele Menschen würden dem verantwortungslosen Verhalten von Bergsteigern und Skifahrern zum Opfer fallen, hatte Zivilschutzchef Guido Bertolaso erst vor kurzem wieder kritisiert. Auch die Helfer der Bergrettung müssten oft ihr Leben aufs Spiel setzen, nur um unvorsichtige Skifahrer in Sicherheit zu bringen.

«Eine hysterische Reaktion», kommentierte Extrembergsteiger Reinhold Messner die geplanten Maßnahmen am Montag. Mit derartigen Gesetzesinitiativen werde «dem Alpinismus der Garaus gemacht», meinte der 65-jährige. Jeder Bürger trage eine Verantwortung gegenüber den anderen, «auch die, die Bergsport betreiben». Dafür brauche man kein neues Gesetz, sondern viel mehr bessere Aufklärung.

Sieben Menschen waren am Wochenende in Norditalien von Lawinen in den Tod gerissen worden. Eine am Sonntag noch lebend aus dem Schnee befreite Frau erlag am Montagmorgen ihren Verletzungen, wie die römische Tageszeitung «La Repubblica» (Online-Version) berichtete. Durch eine Kaltfront, die vor allem den Norden Italiens seit einer Woche mit klirrenden Minustemperaturen und starkem Schneefall überzieht, herrscht in fast allen nördlichen Berggebieten sowie in den mittelitalienischen Abbruzzen seit Tagen erhöhte Lawinengefahr.

 
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