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Medienhaus Lensing
01.03.2010 17:38 Uhr
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Interview mit Peymann: "Ein Ruhmesblatt für das Theater Dortmund"

DORTMUND Lob aus berufenem Munde: Der Theatermacher Claus Peymann hat im Interview die Dortmunder "Odyssee"-Inszenierung sehr gelobt.Von Kai-Uwe Brinkmann

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Sichtlich übermüdet: Claus Peymann nach zwei langen Theatertagen. (Foto: Brinkmann)

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Er ist der wohl bekannteste Theatermacher der Republik: Claus Peymann (72) hat 1979 bis 1986 das Bochumer Schauspiel geleitet, ist nun Intendant des Berliner Ensembles, fand aber die Zeit, um sich den Theater-Marathon "Odyssee Europa" der sechs Revierbühnen anzuschauen. Kai-Uwe Brinkmann traf den sichtlich müden, aber enthusiastischen Peymann nach der Dortmunder Premiere von "Odysseus.Verbrecher".

Herr Peymann, Sie haben die ganze "Odyssee" mitgemacht, wie fanden Sie die das letzte Stück "Odysseus.Verbrecher"?

Peymann: Wie ich eben schon zum Autor Christoph Ransmayr gesagt habe: Ein toller Text! Und tolle Schauspieler. Auch die Inszenierung ist stark, da hat man gesehen, wie schön der Einsatz von Masken sein kann.

Und Ihr Eindruck von der "Odyssee" als solcher: Haben Sie Favoriten unter den Inszenierungen?

Peymann: Na ja. Das Einzige, was den Aufwand dieses großen Events rechtfertigt, ist die Entdeckung eines großartigen Theatertextes heute in Dortmund. Vieles andere kommt dagegen ja gar nicht weiter vor. Nicht mal die Aufführung zum Text von Roland Schimmelpfennig in Bochum, so sehr ich ihn schätze. Christoph Ransmayr aber hat gezeigt, dass er nicht nur ein großartiger Romancier ist, sondern auch ein großer Dramatiker. Die Aufführungen der letzten zwei Tage waren vielleicht schöne Texte, die sich aber durch die Inszenierungen verstellten. Schimmelpfennig wurde durch Theatertum erdrückt. Und Emine Sevgi Özdamar, meine alte Freundin, bringt in Moers ein schönes Stück Folklore. Gestern die letzten 20 Minuten in Oberhausen nach Enda Walsh, das hat mir auch gefallen, diese Bilder-Anarchie. Aber wenn man sich eines großen Mythos' wie von Homer annimmt, dann bedarf es eines großen Dramatikers. Als solchen können wir ab heute Christoph Ransmayr verbuchen. Ich habe 2001 sein erstes Stück "Die Unsichtbare" in Salzburg uraufgeführt. Ein starker Text, der von der Presse vernichtet wurde. Jetzt sieht man erneut, welches Format Ransmayr hat.

Was sagen Sie zur Dortmunder Umsetzung des Textes?

Peymann: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin verblüfft, was Michael Gruner und seine Truppe hier veranstaltet haben. Da wurde eine große Form gefunden. Das ist ein Ruhmesblatt für das Theater Dortmund.

Auch Sie selbst waren ja als Regisseur im Gespräch...

Peymann: Was sich aus verschiedenen Gründen zerschlagen hat. Aber vielleicht war das richtig und gut so. Weil sich hier ein Theater mit einer großen Uraufführung fokussiert. Inmitten dieser Ruhrgebiets-Situation, dieser Ruhrgebiets-Misere mit der ganzen kopflosen Sparerei zeigt sich, dass genau hier wahrhaft großstädtisches Theater möglich ist. Die Dortmunder Aufführung hat mich gerührt, erschüttert und begeistert.



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