Prunelles Bilder: Im Reich der nackten Schamaninnen
MÜNSTER Die drei Grazien lieferten jahrhundertelang den Malern einen Vorwand, erotische Bilder zu erschaffen. Immerhin waren diese Töchter des Zeus ja Göttinnen – wer hätte schon Anstoß daran nehmen sollen, dass sie nackt waren und sich schwesterlich berührten? Die französische Künstlerin Prunelle macht sich nun lustig über die Heuchelei: Ihre drei Grazien haben Eulen- und Antilopenköpfe.
Eulen-, Antilopen- oder Schakalgesichter: Die Frauen auf Prunelles Bildern tragen afrikanisch inspirierte Schamanenmasken. (Foto: Manuel Jennen)
Herrliche Hintergründe
Auch auf Prunelles Gemälden und Filzstiftzeichnungen sind alle Frauen nackt, Erotik spielt aber dennoch keine große Rolle. Die Körper sind nur schematisch gezeichnet. Aufwand und Farbe fließen hingegen in die prächtigen Schamanenmasken der Frauen – und in die oft traumhaft schönen Hintergrundlandschaften.
Diese Fantasy-Priesterinnen baden in schwarzen Seen, laufen durch rosa Wüsten oder verwunschene Wälder. Die Szenen erinnern an den bedrohlichen Zauber der Tarot-Karten oder an Entwürfe für ein verwegenes Computerspiel. Es sind Bilder aus dem Garten Eden, nachdem Eva den Adam hinausgeworfen hat. Die Eulen- und Antilopengesichter haben so lebendige Augen, dass man zweifeln könnte, ob es überhaupt Masken sind – oder ob hier Tiergottheiten dargestellt sind.
Magie im Schlosspark
Prunelle (mit vollem Namen Prunelle Giordano) hat in der Galerie nicht nur einfach Bilder an die Wand gehängt, sondern einen Schamanen-Tempel geschaffen. Geweihe und Federn schmücken die Räume, ein magischer Steinkreis liegt auf dem Boden. Die Fundstücke für diese Installation sammelte sie allerdings nicht in Afrika, sondern im benachbarten Schlosspark. Die Frauen auf ihren Bildern sind definitiv keine schwachen Lolitas, sondern strahlen Stärke und Selbstbewusstsein aus.
Ohne Erotik entlässt Galerist Kolja Steinrötter seine Besucher aber doch nicht. Hinter einer Tür mit dem Warnhinweis „Ab 18“ hat die Künstlerin ein kleines Kabinett der weiblichen Reize eingerichtet, teils flüchtig auf Butterbrotpapier gezeichnet, teils in nostalgischen Rahmen inszeniert wie verbotene Medaillons aus Großmutters Zeiten.
„Rituels“, Galerie FB69, Kolja Steinrötter, Hüfferstraße 18, bis 14. April, Di bis Sa 11 - 18 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon (02 51) 2 60 78 00. Die Preise der Bilder liegen zumeist im dreistelligen Bereich.











