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Medienhaus Lensing
30.01.2012 19:28 Uhr
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"Die Banditen": Die Renten sind sicher - die Operette ist lau

MÜNSTER In der Operette „Die Banditen“ steckt Zündstoff. Komponist Jacques Offenbach übt rigoros Kapitalkritik. Mit beißender Satire. Er heizt korrupten Machthabern, gesinnungslosen Bankern und Spießbürgern ordentlich ein. 150 Jahre alt, passt das formidabel zur aktuellen „Schuldenkrise“. Bahn frei für ein Feuerwerk! Doch die Premiere an den Städtischen Bühnen Münster blieb lauwarm. Das Regieteam erntete am Sonntag nur freundlichen Applaus, gespickt mit deutlichen Buhrufen.Von Sabine Müller

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Gnade für den Räuber: Fritz Steinbacher (Falsacappa), Melanie Spitau (Fiorella), Youn-Seong Shim (Herzog). (Foto: Michael Hörnschemeyer)

Regisseur und Intendant Wolfgang Quetes hat sich eine ehrenvolle Aufgabe gestellt: Er übersetzt seit Jahren wichtige Offenbach-Operetten neu. Und bringt sie auf die Bühne. Das ist lobenswert. Die „Banditen“ sind auch nett anzuhören. Das ein oder andere hübsche, eingängige Stück ist dabei, doch richtig haften bleibt nichts.

Gekünstelt

Das ist mit der Inszenierung nicht anders. Quetes hat den ein oder anderen hübschen Einfall, doch die bleiben konzeptlos im Raum hängen. Statt die Satire komplett durchzuziehen, begnügt er sich damit, die Darsteller extrem gekünstelt spielen zu lassen. Das wirkt abgeschmackt. Die Szenen und Bühnenbilder (Manfred Kaderk) bleiben bieder und ohne Überraschungen.

Im Wald bei den Räubern ist es mit ein paar Pappfelsen, zwei Bäumen und alten Kisten so betulich und folkloristisch, wie man es schon vor 30 Jahren auf der Bühne gesehen hat. Die Räuberbande erfüllt äußerlich jedes Klischee. Und wenn in der Partitur und im Libretto die Stiefel stampfen, dann stampfen sie auch auf der Bühne.

Einzig die spießigen Ansichten der Räuber brechen das Bild auf: Entrüstet über die Arbeitsbedingungen fordern sie „Urlaubsgeld und Krankenkasse“ und entrollen ein Transparent, auf dem sie ihre „Tividenden“ anmahnen. Um die Bande zu besänftigen, verspricht Hauptmann Falsacappa einen großen Coup. Er kriegt Wind davon, dass der italienische Herzog von Mantua die spanische Prinzessin von Granada heiraten will. Nach Abzug der Mitgift bleiben drei Millionen, die der Italiener den Spaniern schuldet. Falsacappa mischt sich in den Handel ein – und startet eine wilde Täuschungs- und Verkleidungsorgie.

Kecker Sopran

Das Lob für all die Kostüme und Perücken geht an das Team um Anke Drewes. Wirklich toll. Fritz Steinbacher strahlt als Falsacappa mit seiner enormen Bühnenpräsenz, seiner klaren Diktion und seinem weichen, kräftigen Tenor. Melanie Spitau überzeugt als Falsacappas wankelmütige Tochter Fiorella mit einem geschmeidigen, hellen und in der Höhe recht kecken Sopran. Fiorellas Herz gehört den Männern. Vielen Männern. Und sie verliebt sich schnell. Vor allem in die kleinen, mickrigen, die ihr Vater gefangen nimmt.

Lügen und betrügen

Doch die Liebesgeschichtchen sind nur Beiwerk. Eigentlicher Clou des Stücks ist, dass die Räuber in alle möglichen Verkleidungen schlüpfen, um die Reichen und Mächtigen zu betrügen, am Schluss reißt Offenbach jedoch den Nicht-Verkleideten die Masken herunter: Der Schatzmeister des Herzogs unterschlägt, der Herzog selbst ist zu sehr mit seinen Hofdamen im goldenen Bett beschäftigt, um es zu merken. Die spanischen Adligen sind bestechlich. Und die Polizisten sind dumm und faul.

Benjamin Kradolfer Roth meistert als Schatzmeister ein respektables Solo, bei dem er sich auf dem goldenen Bett wälzen und seine Unterschlagungen preisen darf. Ein kleiner Lichtblick ist auch der Auftritt der spanischen Delegation. In einer strengen Formation trippeln die Royals in dunkelgrünen Kostümen und prächtigen Perücken irgendwo zwischen Barock und Rokoko auf die Bühne – und schweigen. Das erwartete Empfangskomitee bleibt aus. Sie müssen warten. Und die Zuschauer mit ihnen. Da blitzt tatsächlich kabarettistisches Können auf.

Der Chor unter Karsten Sprenger hat viel zu leisten in den großen Ensembleszenen und macht seine Sache recht ordentlich. Dass das Orchester ihnen manchmal davonjagte, merkte Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg aber auch schnell und führte alle wieder zusammen. Für ihn und auch für Orchester und Ensemble gab es großen Applaus.

Verbeamtung der Räuber

Den Bogen zur Neuzeit spannt Quetes recht simpel in der Umbaupause vor dem letzten Akt. Der alte Bandit Pietro (Peter Jahreis) setzt sich an den Bühnenrand und monologisiert über seinen beruflichen Aufstieg. Er war früher Anlageberater. Den Leuten so das Geld aus der Tasche zu ziehen hielt er damals für ehrlicher. Letztendlich sorgt er sich auch nur um seine Rentenversicherung. Und Offenbach war ein Fuchs: Falsacappa wird zum Polizeichef ernannt, die Räuber werden verbeamtet. Die Renten sind sicher. 

Die nächsten Termine: 31.1. um 19.30 Uhr, 5.2. um 18 Uhr, 10. und 16. 2. um 19.30 Uhr, 19.2. um 17 Uhr, 22.2. um 19.30 Uhr. Karten und weitere Termine unter Tel. (0251) 5909-100.


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