Konzerthaus Dortmund: Yannick Nézet-Séguin mit den Rotterdamern war ein Ereignis
DORTMUND Das "Heldenleben" von Richard Strauss reizt die temperamentvollen Feuerköpfe am Pult. Nach Andris Nelsons furioser Interpretation vor anderthalb Jahren im Dortmunder Konzerthaus machte sich am Sonntag der drei Jahre ältere Himmelsstürmer Yannick Nézet-Séguin mit seinem Rotterdam Philharmonic Orchestra an die (autobiografische) Helden-Schau.
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Wie im silbrig-zarten Violinsolo, in dem Strauss seine Ehefrau Pauline Pirouetten drehen lässt, und im Bläser-Pointilismus der Widersacher des Helden, in denen Kritiker zetern. "Heroica" Nézet-Séguins Held behauptet sich. So wie es der Kanadier am Pult tut. Dass Dirigieren Spaß macht, vermittelte der 34-Jährige in jedem Takt von Strauss "(H)Eroica", wenn er - immer mit einem Lächeln - in Klangbergen wühlte, heißspornig mit den Armen Effekte herausschaufelte und wie in Stein gemeißelt Bläser dazu spielen ließ. Nézet-Séguin presst das Letzte aus seinem glänzenden Orchester heraus, lässt das Publikum im Klang baden, und der Taktstock ist dabei die direkte Verlängerung seines Herzens. - Ein Ereignis, den Mann dirigieren zu sehen, auch in Messiaens Sinfonischer Meditation zu Beginn, deren explosiver Eröffnung eine zarte, apotheotische Eucharistie folgte.
Dazwischen gab's eine Begegnung von zwei Musikern, die unterschiedlicher kaum sein können, aber trotzdem eine gemeinsame Sprache fanden: Jean-Yves Thibaudet, der elegante Dressman am Klavier, war Solist im Klavierkonzert für die linke Hand, das Ravel für Paul Wittgenstein komponierte, der nach einer Kriegsverletzung seinen rechten Arm verloren hatte.
Klang-Universum Die große Sensibilität, mit der der 48-jährige Franzose an den Tasten ein Universum an Klängen heraufbeschwörte, nahm Nézet-Séguin mit dem Orchester auf, leitete sie mit satten Klängen wie aus dem Bauch eines Wals ein und folgte munter Thibaudets kraftvollem Spiel, mit dem er zeigte, dass dies kein amputiertes, sondern ein vollwertiges Konzert ist.











