Medienhaus Lensing
30.12.2009 06:45 Uhr
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Markenzeichen Ruhr-Krimis: Der Grafit-Verlag ist seit 20 Jahren kriminell erfolgreich

DORTMUND Vor 20 Jahren machte Lektor Rutger Booß aus der Not eine Tugend. Als sein Arbeitgeber die Belletristik aufgab, gründete er kurzerhand seinen eigenen Verlag. Sein Startkapital: Die Autoren Leo P. Ard, Reinhard Junge und Werner Schmitz – Begründer des Ruhrkrimis. Grafit war geboren.Von Fee Riebeling

Bevor Booß´ Existenzgründung zu dem deutschen Krimi-Verlag avancierte, nutzte man bei Grafit die Chance der Wiedervereinigung und produzierte zunächst auch Reiseliteratur mit klangvollen Namen wie „Übernachten in der DRR“. Das aber allein des Geldes wegen, wie Booß rückblickend sagt. „Das war wichtig in den ersten Jahren.“

Der Ausflug in die Welt der Sachbücher dauerte nur kurz. Schon bald konzentrierte sich der Verlag – allen Unkenrufen zum Trotz – auf das, was schnell sein Markenzeichen wurde: Gute Kriminalromane – von deutschen Autoren, immer mit Lokalkolorit und stets mit Leidenschaft ausgewählt. Und das, obwohl Branchenkenner damals warnten: „Wenn du keine englischen oder amerikanischen Autoren im Programm hast, dann kannst du den Laden gleich wieder dicht machen“.

Bei der Gründung waren Krimis verpönt

In einer Zeit in der Bücher über die Aufklärung von Verbrechen als Trivialliteratur galten, die Klappen-Aufschrift „Kriminalroman“ beschämt einer weniger konkreten Bezeichnung wich, folgte Booß seinem Bauchgefühl. Grafit füllte mit seinen Ruhr- und Regio-Krimis eine Lücke. So erfolgreich, dass andere Verlage nachzogen. Heute führen vor allem Krimis die Bestsellerlisten an. Auch Verbrecherjagden mit identifizierbarem Lokalbezug werden immer beliebter.

270 Krimis sind bisher bei Grafit erschienen. Eine Menge für einen kleinen Verlag, aber verglichen mit dem Output großer Konkurrenten nur „ein Klacks“. Doch im Dortmunder Büro setzt man auf Klasse statt Masse. Unter den jährlich rund 1500 unverlangt eingesandten Manuskripten finden sich nur selten „Perlen“.

Hoher Qualitätsanspruch

„Ein Grafit-Krimi ist immer ein Qualitäts- und somit auch ein Leseversprechen“, sagt Booß. Wer in das Verlagsprogramm aufgenommen werden will, muss auf ganzer Linie überzeugen.

Booß‘ Team achtet darauf, dass die Handlung mitreißend, der Spannungsbogen kunstvoll arrangiert ist und die Protagonisten individuell und lebendig sind. „Ein guter Krimi muss Wendungen haben, bei denen ich immer wieder denke, der Lösung des Falls nahe zu sein – und ich mich dann doch wieder ärgere, dass es nicht so ist“, sagt Booß über sein persönliches Leseinteresse. Die Grafit-Bücher haben ihm alle gefallen.

Neun Neuerscheinungen im Frühjahr

Im kommenden Frühjahr kommen neun weitere hinzu. Es werden die letzten sein, die der 65-Jährige geprüft und für gut befunden hat. Doch während er sich zur Ruhe setzt, werden die Grafit-Ermittler noch lange Verbrecher jagen. Ein weiteres Verlagsversprechen. »www.grafit.de

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