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Medienhaus Lensing
04.02.2010 16:01 Uhr
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Ausstellung im NRW-Forum: Umstrittenes Schönheitsideal bei Robert-Mapplethorpe-Schau

DÜSSELDORF Das NRW-Forum würdigt mit einer spektakulären Werkschau Robert Mapplethorpe als einen der bedeutendsten Fotografen des letzten Jahrhunderts. Damit bestätigt das Düsseldorfer Institut erneut seinen Ruf als Spitzenadresse zeitgenössischer Fotografie. Von Bernd Aulich

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Robert Mapplethorpe fotografierte »Parrot Tulips« (Papagei-Tulpen) 1988. (Foto: Robert Mapplethorpe Foundation)

Museumsdirektoren mussten um ihren Job bangen, wenn sie es wagten, seine als obszön verpönten Fotos zu zeigen. Der 1989 mit 42 Jahren an Aids verstorbene Robert Mapplethorpe verstörte die Gemüter mit seinen Aufnahmen intimster Details des männlichen Körpers.

Seine Widersacher übersahen, dass der aus einer katholischen Arbeiterfamilie stammende Lichtbildner in zeitgemäßer Fortschreibung an das Schönheitsideal der Renaissance und des Klassizismus anknüpfte.

Alle Phasen seines künstlerischen Schaffens

Mit dem entscheidenden Unterschied, dass der männliche Körper in seiner Blöße bei ihm nicht gemeißelt, nicht statuarisch wirkt, sondern lebendige plastische Wirkung erzielt.

Ihren Job setzen die Ausstellungsmacher Petra Wenzel und Werner Lippert kaum mehr aufs Spiel, wenn sie Mapplethorpe würdigen. Zu sehen sind ab Freitag alle Phasen seines künstlerischen Schaffens - auch nie oder kaum je gezeigte Arbeiten aus dem reichen Fundus der New Yorker Robert Mapplethorpe Foundation. Nicht auf fliederfarbenen oder lila getönten Wänden, sondern vor schneeweißem Hintergrund. Das ist bezeichnend für eine seriöse Auseinandersetzung, die nicht mit irreführenden spekulativen Erwartungen kokettiert.

Makellosigkeit und natürliche Porträts 

150 Aufnahmen umfasst der Überblick - von den frühen Polaroids, flüchtigen Schnappschüssen, über Porträts prominenter Künstler wie Andy Warhol oder Schauspieler wie Richard Gere und Blumenstillleben bis zu Aktaufnahmen Farbiger, mit denen Mapplethorpe einem perfekten Schönheitsideal huldigt. Dessen problematische Makellosigkeit unterlief der New Yorker in erstaunlich natürlichen Porträts seiner Lebensgefährtin, der Pop-Musikerin Patti Smith.

Ein im letzten Lebensjahr vor seinem Tod entstandenes Selbstportät zeigt Mapplethorpe mit bleichem, vom Leben gezeichnetem Antlitz, den Körper ins Dunkel getaucht, gestützt auf einen Stab mit Totenkopf-Knauf.

Dass Mapplethorpe besonders gern Skulpturen abgelichtet hat, offenbart sein Schönheitsideal. Dessen anrüchiger erster Eindruck täuscht. Der New Yorker Lichtbildner verstand sich als Bildhauer, der nicht mit dem Meißel arbeitete, sondern mit der Kamera.

  • NRW-Forum, Düsseldorf, Ehrenhof 2: Robert Mapplethorpe, 6.-15.8., Di-So 11-20 Uhr, Fr bis 24 Uhr.
  • www.nrw-forum.de


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