Um 8 Uhr kommen wir in Montevideo an. Ein Agent vom Schiff hat die Mission, die Visa zu besorgen. Der Kampf gegen die Zeit beginnt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als bis zur Abreise des Schiffes um 14 Uhr abzuwarten. Darum besuchen wir Montevideo. Die Stadt ist viel kleiner und gemütlicher als Buenos Aires. Viele ehemalige herrschaftliche Häuser im neobarocken französischen Stil werden renoviert. In der ehemaligen Markthalle reiht sich ein riesiger Asado (BBQ)-Grill neben dem anderen. Für umgerechnet 9,- Euro bekommt man so viel herrlich leckeres Fleisch wie man will. Weder die Teller noch die Mägen sind groß genug, um die Mengen zu bewältigen.
Um 13 Uhr sind wir zurück auf dem Schiff und haben das Visum immer noch nicht.
Wie in einem amerikanischen Thriller kommt der Agent erst fünf Minuten vor Abfahrt von seiner Mission zurück und hat die Visa in der Hand.
So können wir uns beruhigt auf unseren ersten Auftritt im Rahmen der eleganten Willkommens-Gala um 21:30 Uhr im Kaisersaal mit allen anderen Künstlern vorbereiten.
Die Gala gestern war ein Knaller. Ballett, Tanzorchester, Jazztrio, Bernhard Wolf, David Warwick, Olivia Molina, Udo Lindenberg und natürlich Le Duo stellten sich vor. Es werden noch einige Überraschungskünstler in den nächsten Tagen erwartet.
Heute auf der Bar-Terrasse vom „Alten Fritz“ unterhalten wir uns mit der sympatischen Olivia Molina. Als Mexikanerin bringt sie südamerikanisches Flair auf das Schiff.
Auf dem Weg nach Rio de Janeiro liegen 2 Seetage und 1935 Kilometer vor uns.
Bei 28°C genießen wir den Außenpool auf Deck 9. Es ist ziemlich windig und das Schiff schaukelt. Deshalb gibt es im Pool hohen Wellengang und man weiß manchmal nicht mehr, ob man sich beim Schwimmen auf dem Schiff oder neben dem Schiff befindet.
Um 16 Uhr spielt unser Pianist zur Teestunde auf dem schönen weißen Flügel im Café Lido-Terrasse.
Vor dem köstlichen Abend-Buffet proben wir unser mittlerweile auf dem Schiff bekanntes komödiantisches Programm „Das Duo zu dritt“, mit dem wir morgen auftreten werden.
Sonntag, 14.02.2010
Wir sind den ganzen Tag auf See.
Heute ist Probe und Auftritt von „Das Duo zu dritt“. Unsere Show ist ein großer Erfolg. Die Passagiere amüsieren sich königlich und bedanken sich für dieses schöne musikalische Geschenk. Der Kreuzfahrtdirektor macht uns ein großes Kompliment und sagt, dass unsere Art, lyrischen Gesang unterhaltsam zu präsentieren einmalig auf dem Schiff sei. Hinterher sitzen wir lange mit ihm und dem Bildhauer Serge Mangin zusammen. Serge war ganz bezaubert von unserer Auftritt. Er hat unter anderem Bronzebüsten von Gorbatschof, Kohl Ruth-Maria Kubitschek, Pavarotti und fast alle Bronzestatuen auf der MS Deutschland geschaffen und hält hier Vorträge über seine Kunst. Zur Zeit arbeitet er an einer Büste von George Bush Senior.
Montag, 15.02.2010
Wir stehen extra früh auf, um das Einlaufen im Hafen Rio de Janeiros zu fotografieren.
Es gibt Postkartenwetter. Wir entdecken in der Ferne den Corcovado mit der Christusstatue und den Zuckerhut und sind völlig fasziniert. Heute ist Rosenmontag, es gibt Karneval in Rio und die Brücke muss erstmal auf den Lotsen warten, bis wir in den Hafen einlaufen können.
Wir haben bis Dienstag 8 Uhr Zeit, Rio zu erkunden. So fahren wir zusammen mit Serge nach dem Frühstück mit einem Busshuttle in die Stadt, um uns ganz in der Nähe zum berühmten Strand von Ipanema durchzuschlagen. Rio wird nicht umsonst als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet. Uns bleibt die Sprache weg.
Ab 14 Uhr beginnt ein vom Schiff organisierter Ausflug, der uns im Bus durch die Stadt führt und zur Talstation des Zuckerhutes bringt. Mittlerweile sind 32°C. Die Schlangen für die Seilbahn sind lang aber das Warten lohnt sich: der Blick vom berühmten Pao de Acucar ist überwältigend.
Abends zurück auf dem Schiff entdecken wir eine berühmte Musikerin. Sie ist sicher der Überraschungsgast und wird ein Konzert geben.
Dienstag, 16.02.2010
Um 8 Uhr verlassen wir Rio und sind froh, viele Wagen vom Karnevalsumzug und kostümierte Leute, die mitten auf der Strasse in großer Hitze tanzten, gesehen zu haben.
Nun liegen zwei Seetage vor uns Richtung Salvador da Bahia.
Es gibt viel Programm an Bord: Serge hält einen Vortrag über Portraits berühmter Persönlichkeiten. Dr. Anna Maria Braun, eine argentinische Architektin, durch die wir fast die Großbaustelle des legendären Teatro Colon in Buenos Aires hätten besichtigen können, informiert über südamerikanische Architektur und Entertainer Bernhard Wolff präsentiert sein witziges Programm „Comedy mit Köpfchen“. Daneben proben wir Stücke für die nächste Morgenandacht, die wir am Mittwoch musikalisch begleiten werden. Morgen soll auch die berühmte Musikerin spielen, wir sind gespannt.
Mittwoch, 17.02.2010
Die Morgenandacht ist sehr gut angekommen. Wir sind einen ganzen Tag auf See und haben die Gelegenheit, die Vernissage mit den witzigen, comicartigen Likör-Bildern von Udo Lindenberg zu besuchen. Er hat zur Freude aller Gäste seine berührende Schmuse-Ballade „Hinterm Horizont“ gesungen.
Am Abend gibt keine geringere als die „First Lady“ der Klarinette Sabine Meyer und ihr Trio di Clarone ein Konzert. Was für eine Klasse! Es ist ein besonderer Genuss für uns, weil sie fast ausschließlich für Klarinettentrio arrangierte Opernmelodien spielt.
Donnerstag, 18.02.2010
Wir kommen morgens in Salvador da Bahia an und besuchen bis nachmittags die Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, trinken einen Espresso und kaufen Souvenirs ein. Salvador ist immer noch im Karnevalfieber und festlich dekoriert.
Um 18 Uhr legen wir ab und nehmen Kurs auf Natal. Vor uns liegen ca. 1054 Kilometer.
Abends erfreut uns die temperamentvolle Olivia Molina mit Liedern aus Lateinamerika.
Wir sind wieder einen ganzen Tag auf See. Heute Abend ist der Ball im Stil der goldenen 20er Jahre. Die Passagiere sind verkleidet mit Paillettenkleidern, Stirnband, Perlen, Federboas, Frack und Zylinder. Le Duo singt Schlager über Tango und Rio. Zusammen mit allen anderen Künstlern lassen wir die Reise in diese vergangene Zeit Wirklichkeit werden.
Samstag, 20.02.2010
Morgens um 7 Uhr erreicht die MS Deutschland den Hafen von Natal.
Wir besichtigen diese Stadt mit 5 Autobussen voller Passagiere und sehen die Festung Forte dos Reis Magos, die 120 Meter hohe Sanddüne Morro do Careca und den größten Cashew-Nussbaum der Welt. Es ist weit über 30°C und wir essen die frisch geernteten Nüsse.
Schon um 13 Uhr verlassen wir Natal. Um 16 Uhr gibt es erfrischendes Obst am Pool, präsentiert als Skulptur in Formen und Farben von Pinguinen, Blumen und Vögeln. Abends spielt der virtuose Christian Ruvolo am Flügel Werke von Mozart und brasilianischen Komponisten.
Sonntag, 21.02.2010
Um 7 Uhr erreichen wir den Hafen von Fortaleza. Es gibt einen Bus-Shuttle zum Strand „Praia do Futuro“. Mit unseren nur so vor Sonnenschutzcreme tropfenden Körpern schmeißen wir uns in die Wellen. Wir werden von der Brandung herumgewirbelt, von den Wellen gebissen und schlucken den Sand. Nicht ahnend, dass die Sonnenschutzcreme längst abgespült ist, stehen wir am Abend wie 3 knallrote Hummer vor dem Fischbuffet im Lido-Gourmet.
Montag, 22.02.2010
Nach der ersten Nacht mit unserem Sonnenbrand, in der wir uns fühlen wie in Tabasco eingelegt, beschließen wir, die Klimaanlage zu genießen und uns von der Sonne fern zu halten. Wir sind auf See auf dem Weg nach Belem im Amazonasdelta.
Sabine Meyer präsentiert mit ihrem Trio di Clarone ihr zweites Konzert „Clarinet á la carte“ mit virtuoser Musik für Klarinette. Vor lauter Begeisterung sitzen wir im ersten Rang im Kaisersaal auf der Stuhlkante. Es ist atemberaubend.
Dienstag, 23.02.2010
Es ist 7 Uhr morgens schon 30°C mit einer Luftfeuchtigkeit von 90%. Wir fühlen uns wie in der Sauna und der Fotoapparat hat ständig einen Dunstschleier auf der Linse. Um 12 Uhr erreichen wir den Hafen von Belem. Um 14 Uhr gibt es einen Ausflug in den Urwald. Man fühlt sich wie Robinson Crusoe mit riesigen Bäumen und Blättern. Schlangen und Spinnen sind keine Rarität und leisten uns Gesellschaft. Manche Blumen haben die Form eines Papageienschnabels, Papageien sind bunt wie Blumen ebenso wie manche exotische Obstpflanzen. Um 19 Uhr verlassen wir Belem und abends ist für uns ein kurzer Auftritt im Rahmen einer Mixed-Show mit allen Künstlern.
Mittwoch, 24.02.2010
Heute ist der erste Tag auf dem Amazonas. Bis jetzt war ja das Wasser des Atlantiks immer türkisfarben bis dunkelblau. Nun ist es hellbraun wie ein Café au lait. Es liegt an der typischen Farbe der Erde, die der Amazonas mit sich führt. Es gibt viele Insekten, die versuchen, als blinde Passagiere mit uns zu reisen. Wir überqueren den Äquator mit einer Außentemperatur über 35°C. Wir bleiben drinnen, üben viel im Kinosaal, um fit zu sein für unseren Liederabend „Flores y Amor“ mit deutsch, spanisch und brasilianischen Duetten und Liedern.
Anschließend sind wir von einem Passagier, einem sehr feinen und kulturinteressierten Herrn aus Wien in das Berlin-Restaurant hier an Bord eingeladen, um unseren Konzerterfolg gebührend zu feiern. Zur Zeit bewegt sich das Schiff kaum vorwärts, obwohl die Motoren sehr stark zu arbeiten scheinen. Der Anker wird heruntergelassen. Wie wir erfahren, kommen Behördenvertreter an Bord, um das Schiff einzuklarieren.
Donnerstag, 25.02.2010
Wir fahren den ganzen Tag den Amazonas hoch und erleben einen malerischen Sonnenuntergang. Am späteren Abend ist die Abschlussgala. Die Passagiere sind schon zum abendlichen Diner festlich gekleidet. Die Abschluss-Gala ist noch einmal ein Knaller: alle Künstler geben ihr Bestes: Sabine Meyer und das Trio di Clarone, die Tänzer, Olivia Molina, Udo Lindenberg und Le Duo mit Pianist Thomas Möller. Anschließend wird gebührend gefeiert.
Freitag, 26.02.2010
Um 7:30 Uhr wird Anker geworfen. Es ist schon wieder 30°C mit einer Saunaluftfeuchtigkeit. Ab 8 Uhr fahren Tenderboote zum Anlegesteg eines kleinen Fischerdorfes namens Boca de Valeria. Sofort hat man paar Kinder an der Hand die einen durchs Dorf führen. Die ca. 8 „Häuser“ stehen auf Pfählen und bestehen aus Holzbrettern, die teilweise sehr künstlerisch bemalt sind. Es gibt sogar eine Kirche namens Sao Paolo und eine Schule, die beide aus Stein errichtet sind. Beeindruckend ist der kleine Pfad, der in den Dschungel führt. Auf einmal hört man nur noch verschiedenste Vogelstimmen und Geräusche von Insekten so zahlreich wie Handyklingeltöne in New York. Die üppige Vegetation ist überwältigend. Zurück im Dorf kaufen wir handgemachte Souvenirs und müssen schon wieder zurück aufs Schiff. Um 11 Uhr wird abgelegt Richtung Manaus.
Nun ist Packen angesagt. Am morgigen Samstagabend geht es zurück nach Deutschland.
Samstag, 27.02.2010
Wir kommen morgens früh in den Hafen von Manaus an. All unsere Koffer sind schon zum Flughafen gebracht worden. Wir haben Zeit, bis uns um 16 Uhr ein Bus zum Flughafen bringt. Zusammen mit Literaturprofessor Heiner Boehncke und seiner Frau, Künstlerin Christine Herkommer wollen wir zum berühmten Opernhaus. Ob wir wohl hineinkommen?
Ja, es klappt. Nach einigen Wirrungen mit dem Geldwechsel kaufen wir Karten für die englische Führung, die um 11 Uhr beginnen soll. Wir schleichen uns schon vorher in den Zuschauerraum und freuen uns, dass grade eine Orchesterprobe ist. Es scheint Pause zu sein und wir denken: „Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ Wir haben etwas vor, fragen den Führer, den Orchesterdirektor und bekommen sie: die Chance, auf der Bühne zu singen und die fantastische Akustik zu genießen. Wir folgen dem Dirigenten, Thomas zuckt seine Noten und Le Duo singt das berühmte Blumenduett aus der Oper Lakmé von Leo Delibes auf der Bühne eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt.
Anschließend folgt großer Applaus von Dirigent, Orchester und Besuchergruppen.
Voller Begeisterung erfahren wir von einem der Führer, dass es das erste Mal seit 20 Jahren sei, dass Besucher auf der Bühne singen durften.
Beseelt treten wir die Heimreise an.
Sonntag, 28.02.2010
Wie am Anfang unserer Reise kommen wir am Sonntagabend zurück in einem Unwetter.
Sturmtief Xynthia empfängt uns mit ihrem umwerfenden Charme. Der kleine Flieger von München nach Düsseldorf schafft es, trotz Schaukeln wie in der Achterbahn zu landen.
Um uns wirklich zuhause zu fühlen, brauchen wir vom Düsseldorfer Flughafen nach Dortmund mit dem Zug drei Stunden. Wir sind glücklich und freuen uns über die frische Luft unter 30°C.
Die Traumschiff-Route auf der Karte: