Schauspiel Köln: Herbert Fritsch schnurrt den Trubel zu perfekt herunter
KÖLN Vor gut einem Jahr waren die überdrehten Inszenierungen von Herbert Fritsch noch ein Theater-Geheimtipp. Nachdem er 2011 gleich mit zwei Arbeiten zum Berliner Theatertreffen geladen war, reißen sich die großen Bühnen um ihn.
Maik Solbach und Angelika Richter in »Herr Puntila und sein Knecht Matti« in Köln. (Foto: Baltzer)
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Nun hat Fritsch am Schauspiel Köln gearbeitet, das zweimal hintereinander zum Theater des Jahres gekürt wurde. Seine Annäherung an Brechts Volksstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti", ist ein doppeltes Debüt: zum ersten Mal Köln und zum ersten Mal ein Stück des erklärten Feinds des illusionistischen Theaters, mit dem auch Fritsch wenig anfangen kann.
Janina Audick hat einen genialen Spielraum geschaffen. Statt der finnischen Landschaft sieht man eine plüschige Animierbar, ca. 1950, die mit falschen Palmen und einer wüst geschwungenen Hinterwand samt Rutschbahn auf Südseeflair macht.
Ensemble kann sich austoben
Hier können sich Charly Hübner, der den Alkohol übermäßig zugetanenen Großgrundbesitzer Puntila spielt, und das Ensemble austoben. Sie rennen und rutschen, chargieren und schneiden Fratzen, dass es eine Freude ist.
Nur trübt sich die Freude recht schnell. - Nicht nur weil Michael Wittenborns Matti, der wie eine Kreuzung aus Erich von Stroheim und Max Schreck wirkt und Brechts aufrechten Arbeiter wiederauferstehen lässt, höchstens in den ersten acht Zuschauerreihen zu verstehen ist.
Akustischer Brei
Auch die von John R. Carlson am Klavier begleiteten Lieder und chorischen Passagen gehen unter in einem akustischen Brei.
Noch schlimmer ist, dass dem Fritschschen Trubel alle Ecken und Kanten fehlen, dass alles so perfekt herunterschnurrt wie die imposante Applaus-Choreographie am Schluss, die dann noch Überraschungen birgt.
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