NRW-Forum Düsseldorf: Fotokünstler setzen auf Irritation
DÜSSELDORF. Ist das noch Fotografie? Aus knallbunten Schnipseln konstruiert Daniel Gordon seine Frauenporträts. In seinen Collagen ist das Künstliche auf die Spitze getrieben. Konstruierte Realität ist nicht nur eine Spezialität des New Yorker Fotografen. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung "State of the Art Photography".
Die "Red Eyed Woman" (rotäugige Frau, Ausschnitt) konstruierte Daniel Gordon 2010. (Foto: Daniel Gordon)
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Unter diesem doppeldeutigen Titel, der nicht nur technischen Fortschritt meint, sondern auch auf den Kunst-Wert anspielt, wirft das NRW-Forum in Düsseldorf einen Blick auf die Zukunft der Fotografie. Sieben "Kenner, die es wissen müssen" - unter ihnen die Star-Fotografen Andreas Gursky und F. C. Gundlach - hat Direktor Werner Lippert um eine Auswahl von Fotografen gebeten, die in den kommenden Jahren den Ton angeben werden.
Die mit 250 Arbeiten vertretenen 41 Auserwählten repräsentieren durch die Bank einen westlichen Blick. Am stärksten vertreten ist die Generation der 30-Jährigen. Das traditionsbefrachtete Spielmit Licht und Schatten hat hier ausgedient. Auf Irritation durch Verfremdung zielen die jüngeren Fotografen, wenn sie die schier unendlichen Möglichkeiten der digitalen Revolution ausschöpfen.
Pinkelnde SS-Figuren
Besonders gewitzt nutzt das der 28-jährige Düsseldorfer Alex Grein, wenn er in seiner Serie "Terra" aus Google-Earth-Fragmenten Felslandschaften konstruiert und Caspar David Friedrichs "Gescheiterter Hoffnung" huldigt. Winzige Störfaktoren genügen Andreas Mühe, dem Sohn des Schauspielers Ulrich Mühe, um die gefährliche Obersalzberg-Aura zu unterlaufen. In seiner Serie "Pissing Nazis" platziert er pinkelnde SS- und SA-Darsteller als winzige Figuren vor der Bergkulisse.
Kein Fotograf, sondern ein Bildhauer
Der 38-jährige Däne Asger Carlsen versteht sich mit seinen Schwarzweiß-Aufnahmen amorpher Körper nicht als Fotograf, sondern als Bildhauer. Spätestens hier hat sich, wie von Ausstellungsmacher Lippert behauptet, die Trennung von Fotografie und Kunst tatsächlich erledigt. Dass "die Fotografie in der Kunst angekommen ist", will Lippert mit dieser durchaus zufälligen Auswahl beweisen.
Die Serie "Like a Stone" der Türkin Pinar Yolaçan mit monströs fettleibigen Körpern steht indes für die Wucht klassischer Fotografie ohne digitale Mätzchen.











