Kino: "Zettl" von Helmut Dietl: Durch die Betten von Berlin
Reporter Baby Schimmerlos? Gestorben auf der Harley. Fotograf Herbie Fried? Nach Bootsunfall im Rollstuhl. Babys Freundin Mona? Singt mit Unlust Volksmusik. Ein animierter Vorspann erzählt, was aus dem "Kir Royal"-Trio geworden ist.
Seltsames Berlin, wo sich ein Chauffeur (Michael Herbig) mit dem Kanzler die Geliebte (Karoline Herfurth) teilt.
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Helmut Dietls neuer Kinofilm "Zettl" schreibt den TV-Sechsteiler "Kir Royal" von 1986 fort. Die Kultserie über Münchens Schickeria ebnete Dietl den Weg ins Kino. Wo er mit "Schtonk" groß auftrumpfte, bevor die Formkurve abflachte. Keiner der späteren Filme reichte an den elegant-genüsslichen Spott, halb Häme, halb Liebeserklärung, von "Kir Royal" heran.
Zu laut, zu hektisch, zu grell
Hilft alles nichts. Der Film ist ein Desaster. Von allem zu viel, zu laut, zu hektisch, zu grell. Gedacht als Satire auf das Gesellschafts-Parkett im hyperventilierenden Berlin, wo Macht und Medien, Politik und Popanz im Engtanz schwofen, verrennt sich Dietl im Klamauk. Von früherer Eleganz keine Spur.
Fotostrecke Zettl
Fast alle Figuren sind Karikaturen. Sie schnattern im Eiltempo, kaum einer ohne Dialekt. Harald Schmidt schwäbelt den Ministerpräsidenten von Meck-Pomm. Dagmar Manzel berlinert den Bürgermeister: vermännlichte Frau oder femininer Mann? Hinter bizarrem Trans-Gender-Ulk ist unscharf Klaus Wowereit zu erkennen.Durch alle Betten
Und das People-Magazin, das der Schweizer Finanzmogul Urs Dossier (Ulrich Tukur) gründet, ist von der deutschen "Vanity Fair" inspiriert. Mit Dumpfbacke Zettl als Chefredakteur macht er den Bock zum Gärtner. Der schläft mit der Holden des verkaterten Bundeskanzlers (Götz George), während Dossier mit der Bürgermeisterin ins Bett geht.
Man muss Dietls Geflecht aus Bettgeflüster, Postengeschacher, Medienschmäh und Polit-Clownerie nicht aufdröseln. An der Spree regiert ein Affentheater. Diese Banalität hechelt Dietl mit hysterischer Aufgekratztheit durch, die schon an Verzweiflung grenzt. Er will den Kassenhit erzwingen - und wird wohl scheitern.














