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Medienhaus Lensing
12.01.2010 17:20 Uhr
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Schauspiel Köln: "Die Schmutzigen" - Dieser Container ist die Hölle

KÖLN Das Publikum bleibt in Karin Beiers Bühnenversion von Ettore Scolas 1975 entstandener Farce "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" gleich im doppelten Sinne draußen. Es muss den Hort der Gemeinheiten nicht betreten, wird zugleich aber auch ganz gezielt ausgeschlossen. Von Sascha Westphal

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Die Familie, das ist die Hölle: Christoph Luser (v.l.) und Michael Wittenborn gehören zu den »Schmutzigen«. (Foto: Baltzer)

Sechs Stufen führen hoch zu dem engen Wohncontainer (Bühnenbild: Thomas Dreissigacker), der nahezu die gesamte Breite der Bühne in der Halle Kalk einnimmt. Sechs Schritte, und schon ist man mittendrin in der ganz alltäglichen Hölle, die aus Armut und Ausgrenzung erwächst. Die Tür zum Container bleibt meist zu. Wenn sie doch jemand mal öffnet, brüllt ein anderer gleich laut "Tür zu". Der Zuschauer ist zwangsläufig auch Voyeur, der das Geschehen im Container zwar durch die Plastikscheiben beobachten kann, aber praktisch nichts von dem versteht, was dahinter gesprochen wird.

Karin Beier hat Scolas bitterböse Saga um ein Familienoberhaupt, das seine Sippschaft voller Inbrunst terrorisiert und mit seinem Geld provoziert, nicht einfach nur für die Bühne adaptiert. Ihre Bearbeitung ist vielmehr eine radikale Neuinterpretation.

Ensemble wächst über sich hinaus

Der erschreckend niederträchtige Patriarch, der hier Norbert (Markus John) heißt, und seine Familienmitglieder sind ohne Frage "die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen". Nur wird man das Gefühl nicht los, dass all die, die sie einfach nur beobachten, die sich an ihrem Treiben ergötzen, noch viel schmutziger, hässlicher und gemeiner sind.

In dieser grandiosen Choreographie des ganz gewöhnlichen Elends wächst Karin Beiers 15-köpfiges Ensemble, zu dem auch Michael Wittenborn als Mutter und Julia Wieninger als Ehefrau zählen, geradezu über sich hinaus. Man muss kein Wort hören und versteht doch alles. Der mitleidslose Spott der Vorlage weicht einer zutiefst menschlichen Komik.

  • Termine: 13., 15., 18., 28., 29. Januar, Karten: Tel. (0221) 22128400.


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