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Medienhaus Lensing
07.02.2012 14:36 Uhr
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T.C. Boyle entfesselt einen Krieg unter Naturschützern

Berlin (dpa) Die Santa-Barbara-Inseln vor der Küste Südkaliforniens sind ein Naturwunder. Hier leben Tierarten wie der kleine Insel-Graufuchs, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Ein Naturpark schützt diese einzigartige Inselwelt. An diesem faszinierenden Schauplatz siedelt T.C. Boyle sein neues, jetzt auf Deutsch erschienenes Buch «Wenn das Schlachten vorbei ist» an.Von Sibylle Peine, dpa

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Cover des neuen Romans von US-Schriftsteller T.C. Boyle. Foto: Hanser Verlag 

13 Romane und über 60 Kurzgeschichten hat der amerikanische Kultautor verfasst. In vielen von ihnen greift er meisterhaft reale Geschehnisse oder das Leben berühmter Persönlichkeiten auf wie etwa in seinem gefeierten Erstlingswerk «Wassermusik» rund um eine Afrikaexpedition oder in «Dr. Sex», der Geschichte des Sexualforschers Kinsey. Auch Boyles neuer Roman enthält einen wahren Kern. Denn als die Inseln seinerzeit zum Nationalpark erklärt wurden, räumten die Behörden erst einmal kräftig im Naturschutzgebiet auf. Von Menschen eingeschleppte, verwilderte Tiere wurden massenhaft getötet, um die einheimischen Arten zu schützen. Das wiederum traf auf den erbitterten Widerstand von Tierschützern.

Im Roman wird dieser Konflikt zwischen Alma Boyd Takesue und Dave LaJoy ausgetragen. Die junge Naturschützerin macht die Öffentlichkeitsarbeit für den Nationalpark. Sie ist davon überzeugt, dass Ratten auf den Inseln nichts zu suchen haben, weil sie die einheimischen Vögel ausrotten. Dass die gefährlichen Nager vergiftet werden müssen, steht für sie außer Frage. Das sieht Dave LaJoy ganz anders. Der fanatische Tierschützer versucht das Vergiftungsprogramm zu sabotieren. Denn nach einem Erweckungserlebnis will er alle Tiere dieser Welt retten, selbst die Ratten.

«Wenn das Schlachten vorbei ist» könnte ein dröger Thesenroman sein. Das ist er jedoch nicht. Dazu ist T.C. Boyle zu sprachgewaltig. Auch ist die Auseinandersetzung zwischen Alma und Dave nur das Grundgerüst, das Skelett, das den Roman trägt. Darum herum gruppiert Boyle viele andere Figuren und ihre Geschichten, die den Roman farbensatt machen. Gleich der Beginn ist eine furiose Schilderung eines Schiffbruchs, den einst Almas schwangere Großmutter erlitt, die nur mit viel Glück zurück ins Leben fand.

Schiffbrüche sind überhaupt ein Leitmotiv des Romans. Denn auch die Ratten fanden einst durch einen Schiffbruch auf die Insel, und ein Bootsunglück steht wie eine göttliche Strafe am Ende des Geschehens.

Doch trotz manch sprachlicher Brillanz vermag der allzu sehr in die Länge gezogene Roman nicht so recht zu überzeugen. Das liegt auch daran, dass zwischen den beiden Gegenspielern keine wirkliche Parität besteht. Denn Dave ist in seiner rabiat-kindischen Art und seinem religiösen Eiferertum keine wirklich ernstzunehmende Figur. Es müsste einem bange sein, wenn alle Tierschützer so aufträten wie er. Boyle zeichnet ihn leicht ironisch als einen in Widersprüchen befangenen Menschen, der Wasser predigt, aber Wein trinkt.

Alma ist da schon sehr viel sympathischer. Sie kämpft nicht mit wirren Aktionen, sondern mit Argumenten. Aber auch bei ihr tritt ein falscher missionarischer Furor zutage, denn sie sieht sich als «Werkzeug des Guten». Ihre Vorstellungen sind irreal: «Wie viel besser wäre es, wenn niemand hierherkäme und die Inseln einfach so sein könnten, wie sie immer waren. Oder hätten sein sollen.» Am Ende führt sie selbst ihre stolzen, aber weltfremden Ideen ad absurdum. Vor der schillernden Realität des Lebens, so zeigt T.C. Boyle, hat die reine Lehre eben selten Bestand.

T. Coraghessan Boyle

Wenn das Schlachten vorbei ist

Carl Hanser Verlag, München

464 Seiten, 22,90 Euro

ISBN 978-3-446-23734-6



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