Miquel Barceló malt gegen die Schwerkraft an
Madrid (dpa) Das Werk des Spaniers Miquel Barceló im Genfer Sitz der Vereinten Nationen ist so gigantisch, dass manche Kunstkritiker es mit der Sixtinischen Kapelle des Vatikans verglichen.
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| Der spanische Künstler Miquel Barcelo bei der Arbeit. (Bild: EPA/ONUART) |
Der 51- jährige Künstler hat in der Kuppel eines Sitzungssaals der UN mit riesigem Aufwand ein schäumendes Meer dargestellt, das in unzähligen Farben leuchtet. Die Wellen, die wie Stalaktiten von der Decke hängen, erinnern zugleich an eine große Tropfsteinhöhle.
Zur Eröffnung des Saals mit dem monumentalen Deckenkunstwerk am kommenden Dienstag (18. November) werden UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der spanische König Juan Carlos und Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero in Genf erwartet. Barceló, einer der bedeutendsten spanischen Künstler der Gegenwart, ist selbst dagegen, sein Werk mit der Sixtinischen Kapelle zu vergleichen: «Dafür empfinde ich eine zu große Verehrung für Michelangelo.»
Die Bedeutung seines Werks beschreibt der Mallorquiner so: «Es stellt eine Höhle dar, die sich in Bewegung befindet, und ein Meer, das ebenfalls bewegt ist. Die Höhle ist eine Metapher für die Agora (Marktplatz), den ersten Treffpunkt der Menschen. Das Meer ist der Ursprung der Arten und repräsentiert die Vergangenheit. Aber es bedeutet auch eine Zukunftshoffnung, wenn man an Emigration oder Reisen denkt.»
Der Maler hatte schon immer einen Hang zu monumentalen Werken. Vor wenigen Jahren gestaltete er die Sankt-Peter-Kapelle in der Kathedrale von Palma de Mallorca um. Dabei überzog er die Wände mit einer Keramikschicht, auf der er biblische Motive darstellte. Die Werke des Autodidakten aus der mallorquinischen Ortschaft Felanitx sind heute in aller Welt gefragt. Bereits im Alter von 25 Jahren nahm Barceló als damals einziger spanischer Künstler an der documenta in Kassel teil. 2003 erhielt er den renommierten Prinz-von-Asturien- Preis, ein Jahr später stellte er als erster lebender Künstler seine Werke in Paris im Louvre aus.
An dem 1400 Quadratmeter großen Kuppel-Werk in Genf arbeitete er mit seinem Team von 20 Helfern 13 Monate lang. Das Projekt begann mit einer Serie von Pannen. «Wir fanden monatelang nicht das richtige Material für die Stalaktiten», berichtete der Künstler der Zeitung «El País». «Ich war drauf und dran, das Handtuch zu werfen.» Als das Problem gelöst war, schoss der Künstler - in einen Astronautenanzug gehüllt - die Masse und die Farben mit Spezialgeräten an die Decke.
«Ich wollte gegen die Schwerkraft anmalen und habe dies bis zum Äußersten getrieben», erläuterte Barceló. Die von der Decke hängenden Stalaktiten sind bis zu zwei Meter lang und wiegen je rund 50 Kilogramm. Die Eindrücke des Kunstwerks ändern sich mit dem jeweiligen Lichteinfall und dem Standpunkt des Betrachters. «Noch nie habe ich in einem Werk so viele verschiedene Farbtöne benutzt wie hier», sagte der Künstler. Insgesamt verbrauchte er 35 Tonnen Farbe.
Ärger gab es kurz vor der Eröffnung des Kuppelsaals um die Finanzierung. In Spanien kursierte das Gerücht, das Werk sei mit Geldern der Entwicklungshilfe finanziert worden. Weder Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega noch Außenminister Miguel Angel Moratinos wollten sagen, wer für die Kosten aufkam. Barceló sah sich bereits dem Verdacht ausgesetzt, sein Werk gehe zulasten der Armenhilfe in der Dritten Welt.
Auf Drängen des Künstlers legte Madrid schließlich doch die Zahlen auf den Tisch: Danach kostet das Werk 20 Millionen Euro. Davon tragen 60 Prozent spanische Großkonzerne. 40 Prozent steuert der spanische Staat bei. Davon stammt allerdings nur ein kleiner Teil - eine halbe Million Euro - aus dem Entwicklungshilfefonds. «Dieses Geld war nie für irgendwelche Hilfsprojekte vorgesehen», betonte ein Sprecher des Außenministeriums.







