| Tante schreibt Werkbiografie über Cornelia Funke | ||||
| Von Anke Klapsing-Reich am 7. November 2008 18:18 Uhr | ||||
| DORSTEN Eine Tante der berühmten Autorin Cornelia Funke hat jetzt eine Werkbiografie über ihre Nichte herausgegeben. Das Buch ist ab sofort im Handel erhältlich. | ||||
Die 14,90 Euro für den Buchkauf hat der Vater der beliebt-berühmten Kinder- und Jugendbuchautorin gerne investiert, obwohl ihm natürlich auch einige Freiexemplare zustehen, denn 1. hat das Buch seine Schwägerin Hildegunde Latsch geschrieben und 2. ist er auch noch persönlich auf den Buchseiten zu finden: Auf Seite 13 zum Beispiel liebkost er neben Ehefrau Wilhelmine, kurz Helmi genannt, als junger Vater seiner süßen Erstgeborenen das Händchen, das später so wundervolle Geschichten zu Papier bringen sollte. Enge Vertrautheit Volker, der zweitgeborene Funke-Spross, brummelt drei Seiten weiter aus dem steifen Kragen seines Kommunion-Anzugs, während der blondgelockte Elmar brav auf das Vögelchen im Fotoapparat wartet. „Der Familienverband ist das Logo von Cornelia“, weiß Patentante Hildegunde Latsch, die Cornelia seit ihrer Kindheit in enger Vertrautheit begleitet. Wen wundert´s da, dass der Bruder Elmar als Cornelias Anwalt arbeitet, Schwester Insa die Website betreut und Cousin Oliver die Aufgaben des Agenten und Übersetzers in dem „Familienunternehmen Funke“ übernimmt? „Und jetzt kommt auch noch die Patentante als Autorin über die Autorin dazu“, lacht Hildegunde Latsch. Der Bedarf nach einer Biografie über Cornelia-Funkes Werke war spürbar vorhanden: „Über Joan K. Rowling und viele andere Erfolgsautoren und -autorinnen gibt es doch auch welche, warum nicht über Cornelia Funke, die das Time-Magazin 2005 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt zählte?“, wunderte sich die Bücherbranche. Doch erst musste die Linguistin und Theaterpädagogin ihre Pensionierung hinter sich bringen, bevor sie sich tatkräftig daran machte, die beklagte Lücke zu füllen. Lebens-Stationen Die meisten Werke ihrer schreibfleißigen Nichte kannte Hildegunde Latsch ja schon: „Jetzt musste ich aber alle 45 Bücher studieren und exzerpieren“, machte sie sich an die Arbeit. Nach dreijähriger vergnüglicher Mühe liegt jetzt das Ergebnis auf 192 gebundenen Seiten vor, mit Abbildungen, Illustrationen und Fotos gewürzt. Im ersten Teil ihres Buches nimmt Hildegunde Latsch ihre Leser mit auf einen Streifzug durch Stationen in Cornelias Leben, der von Dorsten über Hamburg nach Los Angeles führt, wo Cornelia heute zu Hause ist. Anschaulich plaudert sie von Kindheit und Jugend in der Kleinstadt Dorsten, über die Cornelia selber schreibt: „Dorsten war weder besonders schön noch besonders aufregend.“ Zum Glück gab es dort aber die Stadtbücherei. Die war auf Stelzen gebaut, hatte eine Wendeltreppe und sah aus wie ein Baumhaus. Dort versenkte sich die Leseratte in die Buchstabenwelt, die sie so sehr liebte.
Tiefe Einblicke ins Leben Tiefe Einblicke in ein privates Leben. Ist Cornelia dieser Blickwinkel recht? „Selbstverständlich“, betont Hildegunde Latsch. „Sie war es, die mir die Idee ausgeredet hat, das Buch unter einem Pseudonym herauszubringen: ,Die merken sowie, dass du das geschrieben hast, und wir sind ja schließlich eine Familie´“, gab sie grünes Licht für die Veröffentlichung. Im zweiten Teil nimmt Hildegunde Latsch Cornelias Bücher und deren Erfolgsgeschichte unter die Lupe, wobei sie nach dem 5-W-Schema „Wer, Wo, Wann, Wie und Was“ Personen, Orte, Zeit, Stil und Inhalt der Geschichten beleuchtet. Ob Erdmonster oder Mützendieb, ob verrückte Hühner oder Gespensterjäger, Käpten Knitterbart oder wilde Hexen – „Ich habe keine Erzählung ausgelassen“, schmunzelt die Autorin. Viele Antworten Wer ist diese Cornelia Funke? Wie kann sie all diese Figuren, diese Welten erfinden? Wie hat sie das Zeichnen und Schreiben gelernt? Wie lebt sie, wie schreibt sie, wen und was liebt sie? „Ich will mit diesem Buch Antworten auf viele Fragen geben, die Cornelias Leser immer wieder stellen und nach denen ich selbst gesucht habe, in ihrem Leben und in ihren Büchern“, hat Hildegunde Latsch als Zielgruppe nicht nur die kleinen Funke-Fans, sondern auch deren Eltern im Blick, „denn ich weiß, dass manche zu ,Herr der Diebe‘ oder zu ,Tintenherz‘ greifen, wenn die Kinder schon festschlafen.“ |
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