Serie: Bochumer Postkarten grafisch gestaltet
BOCHUM Zum Abschluss des Jahres präsentieren wir einige ungewöhnliche Postkarten aus Bochum mit besonderer grafischer Gestaltung. Sie liegen etwas außerhalb des normalen Rahmens unserer Serie, sind aber einen Blick wert.
Das Westfalenlied lässt es nicht an Pathos missen: Eine Stadtansicht um 1899, die etwas aus dem Rahmen gerutscht ist. (RN-Repro: Frank Dengler)
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Ähnlich war die Entwicklung in anderen westfälischen Städten (etwa in Dortmund, Herne, Gelsenkirchen) und im rheinischen Teil des Industriebezirks (wie Duisburg, Oberhausen, Mülheim). Angesichts der Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur wurden im späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert zahlreiche Heimat- und Brauchtumsvereine gegründet, die sich bemühten, den westfälischen bzw. rheinländischen Charakter der jeweiligen Orte zu erhalten und zu stärken.
Identität
So verwundert es nicht, dass es auch unter den Ansichtskarten Beispiele gibt, die Bochums Identität als westfälische Stadt betonen, wie im Fall der „Westfalengruss“-Karte. Neben einer Stadtansicht und einer romantisierenden Darstellung eines Wanderburschen ist der Text des Westfalenliedes abgedruckt. Er preist angeblich typisch westfälische Eigenschaften – interessanterweise in Abgrenzung zum Rheinland.
Demnach wären die Westfalen zwar zurückhaltend und wortkarg, dafür aber ehrlich, geradeaus und treu „in Wonne und in Schmerz“. Sie lassen sich von Äußerlichkeiten nicht blenden. Dagegen erscheinen die Rheinländer wortgewandt und freundlich, doch ihr „Bruderkuss“ erfolge gar zu schnell, so dass ihnen auch etwas Leichtfertiges und Oberflächliches anhafte.
Das eigentliche Bildmotiv der Karte, ein Panorama der Innenstadt, gerät beinahe zur Nebensache. Dabei ist es aus heutiger Sicht äußerst interessant, handelt es sich doch um eine recht frühe fotografische Darstellung. Von links nach rechts werden die Propsteikirche (siehe Folge 27), das Elisabeth-Hospital und die Oberrealschule (Goetheschule, Folge 22) bezeichnet.
Dach unvollendet
Obwohl die Karte nicht postalisch gelaufen ist, lässt sich das Foto relativ genau datieren. Vor der Kirche ist das Pfarrhaus von St. Peter und Paul zu sehen, welches in der Zeit von 1898 bis 1900 errichtet wurde. Sein Dach war zum Zeitpunkt der Aufnahme noch unvollendet.
Die Betonung der westfälischen Identität Bochums trieb zuweilen auch recht skurrile Blüten, wie bei der „Schinkenkarte“ von 1917: „Mit diesem Schinken sei gesandt ein Gruss Dir aus Westfalenland.“ Das Bild in der Mitte zeigt zwar eine Stadtansicht vom Bismarckturm, doch lassen sich kaum Details identifizieren. Es wirkt beinahe austauschbar, und tatsächlich gab es diese Schinkenkarten mit dem gleichen Rahmen von allen möglichen Orten.
Humoristische Karte
Ähnlich verhält es sich mit der humoristischen Karte, die von einer „glücklichen“ Ankunft in Bochum 1927 berichtet. Während rechts der alte Süd- beziehungsweise Hauptbahnhof und der Stadtpark abgebildet sind, zeigt die Zeichnung links einen beliebigen, fiktiven Bahnhofs-Hintergrund. Hier wurde lediglich der Ortsname eingesetzt.
Über 80 Jahre später erscheint nicht nur dieser Humor etwas angestaubt, auch die Überbetonung des westfälischen Charakters von Bochum wirkt ein wenig fremd. Sicherlich ist das Ruhrgebiet heute durch seine Vergangenheit als Industrieregion stärker geprägt als von den älteren westfälischen oder rheinischen Traditionen.


























