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Ravensburg Seit den royalen Hochzeiten der jüngsten Zeit sind Hüte bei Frauen wieder sehr beliebt. Um ihre Fertigung kümmern sich Modisten. Ein Beruf, den nicht mehr viele junge Menschen erlernen. Wer sich dafür entscheidet, muss vor allem kreativ sein.
Hüte machen ist Leidenschaft: Frauke Samtleben arbeitet seit 30 Jahren als Modistin - und kann sich immernoch keinen schöneren Beruf vorstellen. (Foto: Bernd Weissbrod/Archiv) (Foto: dpa)
Für viele modebewusste Frauen sind sie das Sahnehäubchen der Garderobe: kunstvoll von Hand gefertigte Hüte. Ob bunt, einfarbig, schrill, dezent, groß, klein oder klassisch: Für den richtigen Hut braucht es einen kreativen Kopf, nämlich den des Hutmachers. Modisten geben den Garderoben der Damen mit ihren Kreationen den letzten Schliff.
Waren die Kopfbedeckungen lange eher die Stiefkinder unter den Accessoires, so haben die royalen Hochzeiten der vergangenen Jahre der Hutbranche rund um den Globus durchaus Auftrieb gegeben. «Viele Hochzeitspaare wünschen sich mittlerweile, dass ihre weiblichen Gäste einen Hut tragen. Daher lassen sich immer mehr Damen eine schicke Kopfbedeckung machen», sagt Kornelia Edelmann vom Landesinnungsverband der Modisten in Baden-Württemberg.
Modeinteresse, Kreativität, Geschicklichkeit
Die Kreativität des Berufs ist einer der ausschlaggebenden Punkte, weshalb sich junge Menschen für die dreijährige Ausbildung entscheiden. Wer den Beruf des Modisten wählt, sollte handwerkliches Geschick mitbringen und gerne mit Textilien arbeiten. Auch in Sachen Mode ist man besser auf dem Laufenden.
Die von Modistenhand gefertigten Kreationen kommen aus einem der bundesweit etwa 200 existierenden Kammerbetriebe. Diese seien klein und in den meisten Fällen mit einem Meister und einem Angestellten besetzt. Ein Problem bei den Hutabteilungen etwa in großen Kaufhäusern sei die häufig fehlende Beratung. «Dem Fachhandel fehlen die kompetenten Fachkräfte, das ist wirklich ein Problem in unserer Branche», sagt Gerlinde Götte vom Bundesinnungsverband für das Modistenhandwerk in Essen.
Anstatt Jura
Frauke Samtleben hat für ihren Traumberuf sogar vor rund 30 Jahren ihr Jurastudium an den Nagel gehängt. «Ich habe damals einfach gemerkt, dass ich im Handwerk besser aufgehoben bin», sagt die 47-Jährige. Zwar habe sie ihre Großmutter - selbst Modistin - vor diesem Beruf gewarnt. «Da müsste ich mir einen reichen Mann suchen, hat sie gesagt.»
Immerhin gehört ein ausgebildeter Modist je nach Betrieb und Einsatzort nicht gerade zu den Großverdienern. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verdienen Modisten rund 11,50 Euro brutto pro Stunde. «Aber für mich gab und gibt es keinen schöneren Beruf», sagt Samtleben.
Pro Hut fünf Stunden
Pro Hut braucht sie etwa fünf Stunden, bei ausgefallenen Stücken kann es auch mehr Zeit sein, die sie investiert. Ein handgemachtes Stück ist ab etwa 200 Euro zu haben. Sie selbst gehe fast nie ohne Kopfbedeckung aus dem Haus und empfinde Hüte und Mützen als echte Bereicherung im Straßenbild. «Eine Frau, die einen Hut trägt, hat ein ganz anderes Selbstbewusstsein, man bewegt sich einfach ganz anders - und was gibt es Schöneres als eine lächelnde Frau mit einem Hut auf dem Kopf?»
Die Ausbildung zum Modisten dauert laut Bundesagentur für Arbeit drei Jahre. Im ersten Lehrjahr liegt die Ausbildungsvergütung zwischen 260 und 610 Euro brutto, im zweiten Lehrjahr zwischen 300 und 670 Euro und im dritten Lehrjahr zwischen 350 und 770 Euro. Angehende Modisten sollten in der Schule vor allem gute Noten in Mathe und Werken mitbringen. Mathematikkenntnisse werden gebraucht, um das nötige Material für die Hüte berechnen zu können.
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