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Höhr-Grenzhausen (dpa) 27 Studierende und zwei Professoren bilden das kleine Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Fachhochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen. In der Keramik-Hochburg wird Kunst groß geschrieben und sogar für internationales Aufsehen gesorgt.
Ramona Seyfarth arbeitet an einem Kunstwerk aus Glasröhren mit dem Titel «Geschlossenes System». Sie gehört zu den wenigen Studierenden am Institut. (Foto: Thomas Frey) (Foto: dpa)
Von Japan nach Höhr-Grenzhausen, das ist der Weg von Masami Hirohata. Beschritten hat ihn die 27-Jährige der Liebe wegen, der Liebe zum Glas. Sie ist eine von 27 Studierenden aus zehn Ländern am Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Fachhochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen. «Glas fasziniert mich seit meiner Kindheit», erzählt sie. Später will sie freischaffende Künstlerin werden, ihren eigenen Stil entwickeln. «Ich mag so etwas Abenteuerliches und Risikoreiches. Das ist mein Weg.»
Masami passt in das kleine FH-Institut in dem überschaubaren Westerwald-Ort mit seinen knapp 10 000 Einwohnern. «Wir sind Richtung bildende Kunst ausgerichtet und nicht Richtung Design oder Handwerk», erklärt Institutsleiter Jochen Brandt, der Professor für den Bereich Keramik ist. «Dieses Angebot ist einzigartig in Deutschland.»
Das Institut hat schon manche Spur hinterlassen - auch international. 2005 wurden für die Stadt Wien meterhohe Jugendstilvasen rekonstruiert, die nur noch in Fragmenten erhalten waren, wie Professor Brandt sichtlich stolz erzählt. Den VIP-Bereich des Düsseldorfer Stadions schmücken Fliesen, die in Höhr-Grenzhausen nach mittelalterlichen Rezepturen hergestellt wurden. Zudem besteht ein Austausch mit der Istanbuler Marmara-Universität, die bekannte US-Künstlerin Catherine Lee zählte schon zu den Gastdozenten.
Angeboten werden an der FH im Westerwald die Abschlüsse Bachelor und Master of Fine Arts sowie die Studienschwerpunkte Freie Kunst Keramik und Freie Kunst Glas. Dass es rund 20 Autominuten von Koblenz ruhig zugeht, macht «Rico.» - wie sich die Studentin mit Künstlernamen nennt - nichts aus. Die 26-Jährige aus Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern spricht voller Begeisterung von ihrem Werkstoff Glas. «Glas ist sinnbildlich für den Menschen, es ist stabil und zerbrechlich», sagt sie. «Wenn man es richtig behandelt, hält es mehr aus als man denkt.»
In Höhr-Grenzhausen dreht sich seit jeher alles um Ton, Glas und Keramik. Die Töpfertradition reicht nach Angaben der Stadt dank der reichen Tonlager in der Umgebung bis ins Jahr 1402 zurück, schon Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine keramische Fachschule. Hier sitzen Produzenten von Industriekeramik und die Trinkgefäße-Hersteller Sahm und Rastal, deren Glaskrüge auf vielen Volksfesten gestemmt werden. Es gibt ein Technologie- und Gründerzentrum für keramische Werkstoffe und jährlich einen internationalen Keramikmarkt. Der Ort gilt als das bedeutendste Bildungs- und Forschungszentrum für Keramik in Europa.
Im Institut selbst geht es vorbei an einem Heißglasofen, eckigen Abkühlöfen und raumhohen Regalen in eine der Werkstätten. Die Wände sind übersät von Skizzen. «Die Arbeiten werden vorher geplant», erklärt Jens Gussek, der zweite Professor am Institut. Ohne Planung zu modellieren und zu brennen sei auch wegen des Materials teuer. Deswegen werde am Institut sehr viel Wert auf eine zeichnerische Ausbildung gelegt. «Rico.» weiß das zu schätzen und drückt es so aus: «Die händischen Fähigkeiten sind der Mutterboden für Kunst.»
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