Eltern-Ratgeber: Psychokrieg in der Schule: Tipps für Mobbingopfer

BERLIN Gequält, gedemütigt oder ausgeschlossen: Mobbing hat viele Gesichter. In fast allen Fällen ist es für die Opfer sehr schwer, sich selbst zu wehren. Umso wichtiger ist es, dass sich Jugendliche Verbündete suchen.

  • Manchmal ist nur das falsche Kuscheltier schuld: Kinder und Jugendliche werden oft aus nichtigem Anlass Opfer von Mobbing. (Foto: Andrea Warnecke)

    Manchmal ist nur das falsche Kuscheltier schuld: Kinder und Jugendliche werden oft aus nichtigem Anlass Opfer von Mobbing. (Foto: Andrea Warnecke) Foto: dpa

Es kann ganz harmlos aussehen. Etwa, als Einzige aus der Klasse nicht zu einer Geburtstagsparty eingeladen zu werden. Es kann aber auch ganz brutal geschehen. Mit dem Gesicht in den Dreck gedrückt zu werden oder Tritte und Schläge abzubekommen. Mobbing kann vielfältige Formen annehmen.

Einen richtigen Grund dafür gibt es oft nicht. Doch allen Ausprägungen ist eines gemein: Wer einmal in die Opferrolle geraten ist, tut sich meist schwer, sie wieder abzulegen. Aus eigener Kraft sei das auch nur schwer zu schaffen, sagen Experten. Jugendliche müsse sich deshalb Unterstützung bei Eltern, Freunden oder Lehrern suchen.

Oft findet Mobbing im Verborgenen statt

Der Entwicklungspsychologe Herbert Scheithauer von der FU Berlin unterscheidet zum einen zwischen verbalen und physischen Mobbingformen wie Lästern, Verhöhnen oder Schubsen. Zum anderen sei das relationale, also das Beziehungsmobbing, zu beobachten: «Da wird zum Beispiel die Freundin erpresst, indem gesagt wird: 'Wenn du mit dem was unternimmst, bist du bei mir untendurch'», erklärt Prof. Scheithauer. Viele Formen von Mobbing würden verdeckt geschehen oder per Handy und in Internetforen ausgetragen.

«Als Laie könnte man denken, dass die ständigen Angriffe auf Geist, Seele und Körper das Schlimmste am Mobbing wären. Doch in Wirklichkeit macht einem Gemobbten die Ohnmacht zu schaffen, aus dem Teufelskreis des Mobbings nicht mehr rauszukommen», schreibt Alex auf seiner Homepage «Schüler gegen Mobbing». Er wurde selbst jahrelang von Mitschülern getriezt. Bei den Lehrern fand er keine Unterstützung. Alex gründete Ende 2006 eine Internetseite über Mobbing. Dort können Betroffene chatten und sich austauschen.

Gut gemeinte Ratschläge helfen meist wenig

Ratschläge wie «Sei mal selbstbewusster, wehr dich mal» seien zwar gut gemeint, nutzten Jugendlichen aber nichts. Dies sei einer der Gründe, warum sie es ihren Eltern meist erst spät erzählen: «Eltern sind oft sehr fordernd und geben Ratschläge, die nicht angemessen sind», sagt Günther Schatz, Vorsitzender der Aktion Jugendschutz in Bayern.

Wichtig ist, dass sich Jugendliche Verstärkung suchen. Dass könne der Vertrauens-, der Klassen- oder auch ein neutraler Lehrer sein: «Man muss jemanden finden, dem man vertraut», sagt Scheithauer. Im besten Fall hat man einen Freund oder eine Freundin, der oder die zu einem steht. «Die kann man zum Beispiel auch bitten, mit zum Lehrer zu kommen.» Gibt es die nicht, können sich Jugendliche an eine Beratungsstelle wenden. Das Problem: Unter Schülern herrsche oft ein Code of Silence, der es verbiete, sich einzumischen oder gegen Gleichaltrige vorzugehen.

Ganz wichtig: Hilfe und Unterstützung suchen

Damit sich in der Klasse wirklich etwas ändert, hilft die Zivilcourage Einzelner nicht immer weiter. Vielmehr muss eine neue Gruppendynamik entstehen. «Wichtig ist, dass man sagt 'Lass den in Ruhe', wenn ein Mitschüler angegriffen wird», erklärt Scheithauer.

So unterschiedliche Formen Mobbing annehmen kann: Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt es nicht. Es gebe zwar Anzeichen dafür, dass Mädchen eher auf der Beziehungsebene mobben würden. Statistisch nachweisen lasse sich das aber nicht, sagt Scheithauer. Allerdings sei diese Mobbingform vor allem für Mädchen schlimm: «Mädchen haben im Vergleich zu Jungen intensivere Freundschaften und sind in kleineren Gruppen zusammen.» In diesen Konstellationen sei es besonders schmerzhaft, ausgeschlossen zu werden.

Pauschal gebe es keine Täter- oder Opferpersönlichkeiten, sagt Prof. Herbert Scheithauer, Psychologe an der FU Berlin. Trotzdem könne man sagen, dass viele Opfer sozial eher zurückgezogen sind, wenige Freunde haben und bestimmte Auffälligkeiten wie eine andere Religion oder einen Akzent aufweisen. Bei vielen Tätern zeige sich, dass sie selbst Gewalt im Elternhaus erlebt haben und diese Erfahrung nun weitergeben würden.

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Autor
Julia Kirchner, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    11. Januar 2012, 10:26 Uhr
    Aktualisiert:
    5. Dezember 2013, 17:15 Uhr