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In Netteberg

Warum im Naturschutzgebiet die Bäume fallen

Selm Die Ruhe im Naturschutzgebiet Sandgrube ist dahin. Seit Montag jaulen die Motorsägen im Wald. 70 Bäume müssen fallen für einen neuen Weg. Dabei ist der alte nur einen Steinwurf entfernt.

Warum im Naturschutzgebiet die Bäume fallen

Rechts geht es in den Wald. Dort sollen 70 Bäume Platz machen für einen neuen Schotterweg in Richtung Weide. Foto: Foto: Sylvia vom Hofe

Tanja Lenz ist aufgebracht, als sie am Montagmorgen zum Telefonhörer greift. „Das geht doch nicht“, sagt sie den RN: „Hier im Naturschutzgebiet werden Bäume gefällt“ – nicht einzelne, sondern viele. „Stimmt“, wird eine halbe Stunde später der Leiter der Naturschutzbehörde des Kreises Unna, Peter Driesch, bestätigen. Durch den Wald werde ein neuer Weg gebaut – und das mit amtlicher Genehmigung. Alles sei rechtens, aber auch etwas ärgerlich. Denn bislang war der Weg nicht nötig.

Die Haus-Berge-Straße führt zum Ort des Geschehens. Von ihr zweigt die Straße Zur Sandgrube ab, die zum gleichnamigen Naturschutzgebiet mit Wald und Weideland führt – und zu zwei einzelstehenden Häusern. In einem davon wohnt Tanja Lenz. Von den Vereinbarungen zwischen dem Eigentümer des Naturschutzgebietes, dem Regionalverband Ruhr (RVR), und dem der Häuser weiß sie allerdings nicht. Und genau die ist der Anlass für die Fällungen.

Vereinbarung

„Es gab eine Vereinbarung, die dem RVR erlaubt, das Grundstück zu durchfahren“, so Driesch. Sie sei allerdings 2013 ausgelaufen und nicht verlängert worden, „nicht mit Geld und guten Worten“, so Driesch. Um welche Worte und wie viel Geld es da geht, will Barbara Klask, Sprecherin des Regionalverbandes Ruhr, auf Anfrage nicht sagen. Nur so viel: „Wir haben versucht, das Wegerecht zu verlängern, aber es ist uns nicht gelungen.“

Jetzt muss ein neuer Weg her: 100 bis 120 Meter lang – durch den benachbarten Wald. Eschen, Birken, Pappeln, Robinien, Buchen und Eichen müssen dafür Platz machen. „70 Bäume“, fasst Driesch zusammen. Alle seien um die 30 Jahre alt. Dafür gibt es auch Ersatz: 18 Obstbäume für die Weide hinter dem Wald. 70 zu 18: Für Driesch ist das kein Missverhältnis. „In einem normalen Wald dürfte man das machen, ohne für Ausgleich sorgen zu müssen.“ Da gelte das Anlegen eines Holzwegs als Teil der Bewirtschaftung. Die 18 Obstbäume seien so gesehen schon ein gutes Ergebnis.

Warum ein befahrbarer Weg?

Warum überhaupt ein befahrbarer Weg nötig ist? „Das Grünland hinter dem Wald wird bewirtschaftet“, sagt Driesch. Der RVR plane eine Beweidung durch Ziegen und Schafe. Um die Tiere zu bringen oder nach dem Rechten zu schauen: Eine Zuwegung sei erforderlich.

Auch an diesem Dienstag werden noch Sägen heulen. Danach wird die vom RVR beauftragte Fachfirma aus Sprockhövel den neuen Weg noch schottern.

Naturschutzgebiet Netteberg:
- Das Schutzgebiet Sandgrube gehört zum rund 25 Hektar großen Naturschutzgebiet Netteberge, das es seit 1991 gibt.
- Dabei handelt es sichu m einen durch Abgrabung von Kreidesanden entstandenen Biotopkomplex.
- Verboten ist es laut Landschaftsplan, „Bäume, Sträucher oder sonstige wildwachsende Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzutrennen oder auf andere Weise in ihrem Wachstum zu beeinträchtigen.“
- Diese Naturgesellschaften gilt es zu schützen: Grünland, Sandrasen, Kleingewässer sowie die Quellbereiche, Weiden- und Birkenbüsche und Waldparzellen.

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