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Versoffene Jugend

Mit Sport und Willen Alkoholsucht besiegt

Heek „Wenn man sich seinen Problemen nicht stellt, dann geht es noch tiefer“ – Hermann Wenning weiß wovon er spricht, denn er bekam seine Sucht in den Griff.

Mit Sport und Willen Alkoholsucht besiegt

Hermann Wenning las im Clubheim des Eichenstadions aus der bewegenden Geschichte seines Lebens. Foto: Martin Mensing

Offen und eindringlich erzählte Hermann Wenning am Dienstabend im Klubheim im Nienborger Eichenstadion seine Lebensgeschichte und warnte vor körperlichen und seelischen Gefahren, wenn die Alltagsdroge Alkohol zur Sucht wird. Der aus Legden stammende und in Hamm in Westfalen wohnende Autor las auf Einladung des SC Rot-Weiß Nienborg aus seinen Büchern „Versoffene Jugend“ und „Lauf zurück ins Leben“ vor.

Mir war schon mulmig bei meiner heutigen Rückkehr nach Nienborg“, machte Hermann Wenning aus seiner Gemütslage keinen Hehl. Von Juli 1992 bis Februar 1994 war er Trainer der A- und B-Jugend bei den Rotweißen, zudem hat er verwandtschaftliche Beziehungen nach Nienborg. „Ich bin dankbar, dass ich gesund bin und lebe. Mir kommen fast die Tränen, wenn ich in das Publikum mit vielen alten Weggefährten und Angehörigen blicke“, sagte er im voll besetzten Klubheim.

Vom Vollblutfußballer zum Quartalstrinker

Als kleiner Junge habe er auf dem elterlichen Hof in Legden-Wehr regelmäßig Fußball gespielt. „Ich war ein Vollblutfußballer“, erinnerte er sich an seine sportlichen Anfänge, als er dem SuS Legden beitrat und dort in der Jugend spielte. Als Linksaußen erzielte er sein erstes Tor gegen Rot-Weiß Nienborg. Schule war ihm nicht so wichtig. In den 80er-Jahren war es kein Problem, an Alkohol zu kommen. Bei Familienfeiern, Schützenfesten, im Sportverein oder bei der Landjugend gehörte der Alkoholkonsum dazu. Er berichtete vom „Stiefeltrinken im Fußballverein“, Frustsaufen als Reaktion auf Überforderung und Versagensängste in der Schule und der Ausbildung zum Landwirt.

Exzessive Vollrausche

Der Quartalstrinker entwickelte schließlich als Jugendlicher eine Alkoholsucht. „Mit Krämpfen, Schweiß, Angst und Paranoia werde ich morgens wach. Diesen Zustand versuchte ich wegzutrinken“, suchte er sein Heil im Alkohol. Viele Male erlitt er Kontrollverluste und exzessive Vollrausche. Sein Hausarzt verordnete ihm ein Entgiftungsmittel, das er regelmäßig einnahm. Schonungslos berichtete er von seinem Weg in die Sucht. Im zweiten Anlauf bestand er die Gesellenprüfung zum Landwirt. Viele Jahre war er als Mülllader bei einem Entsorgungsunternehmen in Ahaus tätig. Er machte den Trainerschein und heuerte als Jugendtrainer bei den Rotweißen an.

Spitzenspiel im Eichenstadion

Leidenschaftlich las Hermann Wenning das Kapitel „Spitzenspiel im Eichenstadion“ vor. Gegen das höherklassige Team von Eintracht Ahaus hatte seine Mannschaft keine Chance. Zur Halbzeit führten die Gäste mit 6:0. „Lasst Euch nicht abschlachten. Wir sind Nienborger. Wenn die Ahauser das 10:0 schießen, dann ist meine Trainerzeit hier zu Ende. Dann bin ich sofort weg“, versuchte er seine Spieler zu motivieren. Eine Viertelstunde nach dem Seitenwechsel stand es 0:10, Hermann Wenning ging von der Außenlinie direkt ins Clubheim. Dort erklärte er dem konsternierten Jugendobmann Willi Woltering und der guten Seele Josef Schuckenbrock, dass er sofort das Handtuch wirft.

Als letztes verabschiedete er sich von seinem Co-Trainer Bernhard Niemeier. Seine Spieler ließ er links liegen. Mit seinem Rennrad fuhr er bei Nacht und Nebel aus dem Stadion. „An der nächsten Tanke hole ich mir drei Dosen Bier, die ich auf Ex wegkippe. Es gelingt mir nicht, dieses schlimme Gefühl wegzuschütten. Dieses ätzende Gefühl, ein Versager und ein Verräter zu sein“, las er.

Happy End

Wenn man sich seinen Problemen nicht stellt, dann geht es noch tiefer“, beschrieb Hermann Wenning die sich anschließende Zeit mit dem Abrutschen, dem Drogenkonsum, die Beschaffungskriminalität, die Gefängnisaufenthalte und dem „Lauf zurück ins Leben“. Der Sport sorgte letztendlich für ein Happyend. Der heute 53-Jährige war 20 Jahre lang abhängig und ist seit 12 Jahren trocken. „Ich habe keine Angst rückfällig zu werden. Ich bin mir sicher, dass ich das bis an mein Lebensende packen werde“, schloss er.

Mit großem Applaus danken ihm die knapp 80 Besucher für einen ganz besonderen Abend. Am Ende schloss sich der Kreis für den ehemaligen Trainer und den Verein. Hendrik Holtmann, Cousin von Hermann Wenning und Beisitzer im Vorstand des SC Rot-Weiß, überreichte dem Gast als Dank für die spannende Buchlesung einen Präsentkorb mit Spezialitäten aus dem Dinkelort.

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