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Grau oder grün?

„Steingärten tun nichts für die Umwelt“

Haltern Vlies drunter, Kiesel drauf, ab und an ein zartes Immergrün - fertig ist der Vorgarten. Dass er pflegeleicht ist, halten Gärtner und Naturschützer für einen Irrglauben. „Für ein gesundes Klima tut der Schotter nichts“, sagt Eugen Schwalvenberg, der in Hullern eine Gärtnerei führt.

„Steingärten tun nichts für die Umwelt“

Wenn Steine und Beton zum Beispiel in den Gärten Pflanzen und Wiesen verdrängen, hat das Einfluss auf die gesamte Umwelt – auch auf die Artenvielfalt der Insekten, deren Lebensraum eingeschränkt wird. dpa Foto: picture alliance / Monika Skolim

Eine kürzlich veröffentliche Studie besagt, dass der Insektenbestand seit 1989 in Deutschland drastisch abnimmt. In einer intensiv genutzten Landschaft findet die Artenvielfalt kaum noch Platz, hatte sich in der vergangenen Woche Nils Ribbrock von der Biologischen Station der Halterner Zeitung gegenüber geäußert.

Unsere Leserin Agnes von Kopp-Colomb entdeckt das Problem nicht nur in der Landschaft, sondern direkt vor der Haustür. „Schon bei der Gestaltung von Vorgärten kann jeder etwas tun für die Insekten. Deshalb weg mit den Steinen in den inzwischen scheußlichen Vorgärten und zum Teil auch Gräbern auf den Friedhöfen und zurück zur Natur“, schrieb sie uns. Jedes Unkraut sei schöner als die versteinerten Beete. „Eigentlich müsste eine Satzung her“, findet sie.

Satzung gefordert

Diesen Vorstoß hatten 2011 die Grünen gemacht. Als der Bebauungsplan „Am Kanal/Bossendorf“ zur Diskussion stand, schlugen sie vor, in der Satzung versteinerte Vorgärten zu verbieten. „Die übrigen Parteien wollten sich uns nicht anschließen. Man dürfe die Bürger nicht gängeln“, erinnert sich Ratsfrau Anette Fleuster an die Argumentation. „Die Stadt schreibt Fassadengestaltung und Dachneigungen vor, aber bei der Gartengestaltung will sie nicht eingreifen“, das mache sie traurig, sagt sie. Dabei wollten die Grünen nicht die Bürger gängeln, sondern lediglich für ein gutes Klima in der Stadt sorgen.

Stadtsprecher Thomas Gerlach bestätigte, dass es keine entsprechenden Satzungen gibt, die Steingärten verbieten. Über einen Bebauungsplan könnten nur dann gestalterische Vorgaben gemacht werden, wenn diese städtebaulich zu begründen seien. Zum Schutz der Umwelt gelte bislang ein Versiegelungsverbot der Vorgärten. Punktuell sei es in Haltern auch verboten, Stellplätze in Vorgärten einzurichten. „Bei der Gestaltung mit Schottersteinen geht es um Ästhetik. Schönheit aber ist kein Kriterium, um etwas zu verbieten.“

Ökologisch besser
Gärtnermeister Eugen Schwalvenberg aus Hullern kann den mit Schotter und Kies zugekippten Beeten nicht viel abgewinnen. „Viele Gartennutzer finden eine Versteinerung der Vorgärten vielleicht optisch schön, aber für Pflanzen, Vögel, Bienen und Insekten geht der Lebensraum immer mehr zurück. Eine abwechslungsreiche Vorgartenbepflanzung mit Blumen, Stauden und Gehölzen und auch mit Bodendeckern ist immer lebhafter und für unsere Lebensqualität und Umwelt ökologisch besser.“ Im Schotter, so der Hullerner, finden die Bienen keine Nahrung. Pflegeleichter seien die versteinerten Beete und Vorgärten überhaupt nicht, da sich der Unkraut-Flug in den Ritzen der Steine absetze.

Einige Kunden hätten schon gesagt: „Ich kann den Schotter nicht mehr sehen!“ Sehr oft wachsen laut Schwalvenberg die Pflanzen in Steinbeeten nicht optimal, haben Wachstumsschwierigkeiten, weil man Boden und Wasserhaushalt nicht einschätzen könne. Der Gartenfachmann appelliert an ein Bewusstsein für die Natur: „Versiegelte Flächen haben wir schon genug. Darum pflanzt Pflanzen, denn grün ist Leben!“

Auf den Friedhöfen dürfen Gräber maximal nur zur Hälfte mit Steinen bedeckt sein. „Leider wird es auf einigen Gräbern übertrieben“, hat Peter Rütter, Mitglied im Kirchenvorstand und Friedhofsausschuss von St. Sixuts, zu seinem größten Bedauern festgestellt. Das entspreche nicht der Satzung. „Viele Angehörige tauschen Pflanzen gegen Kies aus, um sich die Pflege zu erleichtern. Schön ist das nicht“, findet Rütter.

Bis 200 Euro pro Tonne
Die Raiffeisen-Warengenossenschaft verkauft das Material für Kiesbeete. Allerdings sei die Nachfrage leicht zurückgegangen, hieß es seitens der Genossenschaft. Angeboten werden unter anderem Hartkalksteine sowie Granitsplitt in verschiedenen Körnungen von fein bis rustikal und in unterschiedlichen Färbungen. Die Steine kommen aus dem Sauerland, aus Bayern und auch aus Österreich. „In feinem Kies bleibt nicht so viel Laub hängen“, sagt Markus Große-Geldermann, deshalb werde er gern für die Gartengestaltung genommen. Grundsätzlich hält er die Gestaltung mit Kies oder Splitt gerade auch bei moderner Bauweise für eine effektvolle und zugleich auch pflegeleichte Alternative. Die Materialpreise variieren zwischen 25 und 200 Euro pro Tonne je nach Wertigkeit und Transportweg. Laut Zierkies-Rechner benötigt der Gartengestalter, wenn seine Wahl auf Marmorkies (15-25 Millimeter) fällt, für ein zehn Quadratmeter großes Beet 750 Kilogramm Material.

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