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Beratung bei der Caritas

Wenn nach Weihnachten die Schulden drücken

Ahaus In der Schuldnerberatungsstelle der Caritas in Ahaus gibt es Hilfe bei Problemen. Die finanzielle Lage kann sich gerade zu Weihnachten verschärfen. Was tun?

Wenn nach Weihnachten die Schulden drücken

Arno Elsing ist Schuldnerberater beim Caritasverband für die Dekanate Ahaus und Vreden. Foto: FOTO: Christian Boedding

Weihnachten naht – und damit die Versuchung, doch ein wenig mehr Geld auszugeben als im Portemonnaie. Die Bescherung an Heiligabend solll ja so ausfallen, wie sich die Familie das wünscht. Bei manchen bringen dann die Kosten für den großdimensionierten Flachbildfernseher das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen: Die Raten können nicht mehr abbezahlt werden, weil das Einkommen nicht reicht. Arno Elsing von der Schuldnerberatung der Caritas in Ahaus kennt solche und andere Fälle zur Genüge.

Seit 2009 ist der Diplom-Sozialwirt Schuldnerberater. „Gerade Anfang des Jahres erleben wir einen Ansturm an Erstanfragen“, berichtet Arno Elsing am Montag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Das müsse aber nicht zwangsläufig mit den Weihnachtseinkäufen zu tun haben. „Mehr mit Verdrängung. Viele wollen sich Weihnachten nicht mit finanziellen Dingen belasten und ihre Lage lieber erst im neuen Jahr offenbaren.“

Berufstätige betroffen

Dabei hat im Prinzip fast jeder mal Schulden. Dafür reicht es schon, sich 20 Euro von einem Freund zu leihen. Bei der Schuldnerberatung geht es um die Überschuldung – wenn die Schulden das Vermögen übersteigen. Immer öfter berät Arno Elsing gering qualifizierte Berufstätige, die in einem schlecht bezahlten Job arbeiten. „Wir haben viele Familien, die nach Abzug aller Fixkosten weniger als 50 Euro pro Person und Woche zur Verfügung haben.“ Diese Personen hätte keine Chance, Rücklagen zu bilden. „Der Teufelskreis beginnt, wenn außer der Reihe etwas kaputt geht. Dann ist die Ratenfinanzierung meist der letzte Ausweg.

Es gibt viele Gründe

Hauptursachen für den Weg in die Schuldenfalle sind Krankheit, Trennung (und damit verbundene Unterhaltspflichten) sowie Jobverlust. Zugenommen hat die Zahl der Klienten, die ihre Arbeitsstelle aufgrund psychischer Erkrankungen verloren haben. Gestiegen ist in Ahaus auch die Zahl der Rentner, die Arno Elsing berät. Stichwort: Altersarmut. „Die Rentner rutschen nach ihrem Berufsleben in die Grundsicherung und können dann Raten oder anderes nicht mehr begleichen.“ Auch die laufenden Kosten für die Mietwohnung oder die eigene Immobilie spielen eine Rolle. Arno Elsing: „Jeder sollte sich rechtzeitig klarmachen, was ihm als Rentner monatlich an Geld zur Verfügung steht.“

Doch nicht nur Rentner kommen in die Beratungsstelle. Überschuldet sind Menschen auch schon in jungen Jahren. „Das kann jeden treffen“, sagt Arno Elsing. Vor ihm sitzen 18-Jährige mit drei Handy-Verträgen ebenso wie Beamte, die sich mit Immobiliengeschäften verspekuliert haben. Auch wenn Letztere eher die Ausnahme sind. Die Verschuldung reicht dabei von dreistelligen Beträgen bis zu Summen über 100.000 Euro. Insgesamt steigen die Fallzahlen der Beratungsstelle seit Jahren. Alleine am Montag nahm Arno Elsing bis zum Mittag vier Anfragen für eine Erstberatung entgegen. Von Anfang Januar bis Ende Oktober nahmen 954 Personen die Hilfe der Schuldnerberater in Ahaus in Anspruch, 376 Beratungen wurden in diesem Zeitraum abgeschlossen.

Lange Beratungsdauer

Die durchschnittliche Beratungsdauer bewegt sich zwischen sechs Monaten und einem Jahr. „Das bedeutet aber nicht, dass die Leute dann keine Schulden mehr haben.“ Die Zeit benötigen die Experten, um ein tragfähiges Entschuldungskonzept auf die Beine zu stellen – Gespräche mit Gläubigern inklusive. So warnt die Caritas denn auch vor Angeboten im Internet wie „Schuldenfrei in zwei Minuten“. Arno Elsing: „Mit Schulden wird viel Geld verdient.“ In den meisten Fällen kämen neue Sorgen und Schulden dazu.

Die Schuldnerberatungsstelle des Caritasverbandes, Wüllener Straße 80, hilft überschuldeten Haushalten kostenfrei.

Öffungszeiten: montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr.

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