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Flüchtlinge

Sprach-Probleme erschweren die Ausbildung - einige kapitulieren

Ahaus. Flüchtlinge haben in der beruflichen Ausbildung vor allem auf der Schulbank Probleme. Es gibt bereits erste Unterstützungsangebote – jedoch bei weitem noch nicht genug.

Sprach-Probleme erschweren die Ausbildung - einige kapitulieren

Regelmäßig stabilisiert und motiviert Chantal Martin (BBS) derzeit schon Teilnehmer, die SGB II-Leistungen beziehen, für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Foto: Susanne Menzel

Sie sind auf den Baustellen fleißig, bemüht und engagiert. Da sind sich Meister und Poliere einig. In der Berufsschule müssen die jungen Menschen mit Migrations- und Flüchtlingshintergrund, die im Sommer ihre ersten Ausbildungsverträge unterschrieben haben, allerdings oftmals kapitulieren. Die berufsbezogene Fachsprache, die dort auch im Hinblick auf die anstehende Gesellenprüfung verlangt wird, ist für viele von ihnen kaum zu schultern. „Da wären dringend weitergehende Hilfestellungen erforderlich“, sind sich die Ausbildungsbetriebe im Kreis Borken einig.

Erfahrungsaustausch
Aus Ahaus, Gronau, Vreden oder auch aus Alstätte hatten sich jüngst zehn Unternehmervertreter zu einem Erfahrungsaustausch zusammen gefunden, bei dem auch die Ausbildung von Flüchtlingen thematisiert wurde. „Diese jungen Menschen haben die Einstiegsqualifizierung mit dem Ziel einer Ausbildung gut bewältigt. Nun allerdings stehen sie mit ihren Problemen oft allein auf weiter Flur“, schildert beispielsweise Franz Tenhumberg, Personalleiter beim Vredener Bauunternehmen Temmink, die Situation. Temmink hat zurzeit sieben Auszubildende, einer davon stammt aus Afghanistan, lebt seit zwei Jahren in Deutschland.

„Ein sehr engagierter junger Mann, der sich auch die Grundzüge der deutschen Sprache zunächst selbst beigebracht hat, bevor er in einem entsprechenden dreimonatigen Kurs aufgenommen wurde“, lobt Franz Tenhumberg. „In der Praxis ist er motiviert und ehrgeizig. Nur bei der berufsbezogenen Fachsprache kommt er nicht mit.“ Tenhumberg weiß aus Gesprächen mit dem 20-Jährigen, „dass er in seinem Heimatland die Schule nur bis zur vierten Klasse besuchen konnte. Da fehlt also auch eine Menge theoretischer Hintergrund. Und sowohl bei der Überbetrieblichen Ausbildung als auch in der Berufsschule wird’s dann schwierig.“ Zwar erhalte der junge Mann einmal in der Woche Unterstützung bei der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) durch die Maßnahme der „Assistierten Ausbildung“, das reiche allerdings nicht aus.

Mehr Sprachförderung
Tenhumberg: „Es müsste allgemein wesentlich mehr vor allem an berufsbezogener Sprachförderung getan werden, damit uns diese Auszubildenden nicht gleich wieder hinten rüber fallen. Ich weiß von den Technischen Schulen in Ahaus, dass es aktuell 50 Auszubildende mit Flüchtlingsstatus gibt, die gefördert werden müssen.“

In der Überbetrieblichen Ausbildung in der BBS sind zehn Personen mit Flüchtlingshintergrund gemeldet. Genaue Zahlen, wieviele Flüchtlinge sich überhaupt im Kreis Borken in der Ausbildung befinden, liegen nicht vor. Norbert Buß, Leiter des Berufsorientierungszentrums (BOZ) bei der BBS, in dessen Zuständigkeit auch die „Assistierte Ausbildung“ fällt, kennt das Problem: „Viele Betriebe sind bereit, Flüchtlinge als Lehrlinge einzustellen. Aber auch sie können natürlich keine umfassende zusätzliche Betreuung der jungen Menschen leisten oder Sprachunterricht erteilen. Da sind eine Vielzahl von organisatorischen Punkten, die abgearbeitet werden müssen. Das schaffen sie oft nicht alleine.“

Neue Lösungen gesucht
In der ersten Phase der Flüchtlingswelle, so Norbert Buß, „ging es zunächst darum, dass die Menschen schnellstens ein Dach über dem Kopf haben. Nun, in der zweiten Phase, sollen sie in den Arbeitsmarkt integriert und stabilisiert werden. Um das zu schaffen, müssen jetzt weitere flankierende und intelligente Angebote entwickelt werden. Da spielt dann sicherlich auch die Frage der Finanzierung eine große Rolle.“

Erste Lösungsansätze, so Gregor Hochrath, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken, auf Nachfrage der Münsterland Zeitung, gibt es für den Südkreis bereits: „Auf Initiative der Kreishandwerkerschaft Borken wurden gemeinsam mit der VHS die Sprachangebote in den Bereichen der ausbildungsbegleitenden Hilfen erweitert. Diese werden von der Stadt Bocholt finanziert.“

Gregor Hochrath ist optimistisch: „Für den Nordkreis – also auch für Ahaus – werden sicherlich ebenfalls bald Lösungen gefunden.“

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