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BVB-Krise

Sportpsychologe Schimpf sieht das Problem im Kopf

Dortmund Hängende Köpfe, leere Blicke: Dieses Bild wiederholt sich nach den Spielen von Borussia Dortmund. Wie der BVB aus der Negativspirale ausbrechen kann, verrät Sportpsychologe Dr. Arno Schimpf im Interview.

Sportpsychologe Schimpf sieht das Problem im Kopf

Arno Schimpf: „Wenn man Angst hat, verkrampfen die Muskeln.“ Foto: dpa

Wie wirkt sich eine Serie sportlicher Rückschläge auf die Leistungsfähigkeit aus?

Das beeinträchtigt die Leistung mit großer Wahrscheinlichkeit negativ. Alles, was du im Kopf denkst, hat seine Abbildung im Körper. Negative Gedanken haben objektiv messbar einen negativen Einfluss im Körper, und das ist sicher nicht leistungsförderlich.


Wie stellt sich das dar?

Muskeln reagieren zum Beispiel sehr sensibel auf das, was sich im Kopf abspielt. Hat man Angst, verkrampfen sie. Angst ist die extreme Form eines negativen Gedankens. Herzfrequenz oder Laktatwerte verändern sich. Wer Spitzenleistungen bringen muss, hat da ein Problem.


Im Fall von Borussia Dortmund verweist der Verein darauf, dass die Leistungsdiagnostiken kein Fitnessproblem andeuten.

Der Wert bei der Diagnostik mag gut sein. Aber in der negativen Situation auf dem Feld dürften die Werte dramatisch verändert sein.

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Wie kann man diesen Stress bewältigen?

Es gibt zwei anerkannte Verfahren in der Sportpsychologie. Das eine ist die Tiefenentspannung, um das Kopf-Körper-System vollständig zur Ruhe zu bringen. In der Situation, auf die Sie anspielen, könnte Mentaltraining helfen, um die Gedanken der Spieler positiv zu beeinflussen. Platt formuliert: Die Festplatte Gehirn muss wieder positiv programmiert werden.




Ich lege mir positive Bilder zurecht, die ich abrufe?

Am besten sucht man in alten sportlichen Spitzensituationen oder schaut Videosequenzen von genialen Spielen an, und brennt sich die, salopp gesagt, in die Birne rein.


Welche Probleme tun sich da im Mannschaftssport auf?

Erst einmal muss jeder einzeln an sich arbeiten und wer das kann, sollte den anderen zeigen, dass man sich auf ihn verlassen kann. Das spürt man, das wirkt nach außen und kann helfen, wieder einen Teamspirit zu erzeugen. Über die elf Spieler auf dem Platz hinaus. Das kann schnell gehen, wenn man hart daran arbeitet.

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Ideal wäre ein positives gemeinsames Erlebnis …

Es wäre der Idealfall, wenn der BVB jetzt am Wochenende in Leverkusen mal wieder gewinnt. Sie haben es in der Hand, sie können ja immer noch Fußball spielen.


Ist der Fußball mittlerweile offen für Psychologen aufgestellt?

Gerade im Fußball ist die Qualität der Arbeit mit Psychologen noch nicht so weit verbreitet. Obwohl viele Kollegen mittendrin stecken im Kontext von Spitzensport. Ein wirklich professionelles Arbeiten sehe ich ganz selten in der Liga.

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Wo denn?

Vorreiter sind sicher Bundestrainer Joachim Löw und sein Team, mit meinem Kollegen Hans-Dieter Hermann. Da ziehen alle mit, anders geht es auch nicht. In Hoffenheim stellt sich das Trainerteam auch breit auf und registriert und nutzt auch die Einflussfaktoren außerhalb des Spielfeldes.


Das Niveau im Bundesliga-Fußball ist sehr ausgeglichen. Die Profis werden rundum betreut, aber: Wird zu wenig im mentalen Bereich gearbeitet?

Laut aktueller Studienlage gibt es im Fußball nur noch drei Bereiche, mit denen man sich abheben kann. Das sind taktische Disziplin, Perfektionierung von Standardsituationen und an oberster Stelle mentale Stärke. Da herrscht noch zu viel Angst vor Psychologen.

Seit 30 Jahren arbeitet Dr. Arno Schimpf als Mentalcoach, für den Deutschen Fußball-Bund und den Deutschen Olympischen Sportbund sowie als Trainercoach in der Fußball-Bundesliga.

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