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Kartellamt prüft

Lufthansa nach Flugticket-Preisanstieg unter Beobachtung

NRW Flüge innerhalb Deutschlands sind seit der Air-Berlin-Pleite deutlich teurer geworden. Nachdem sich viele Kunden beschwert haben, nimmt das Bundeskartellamt die Preise der Lufthansa nun unter die Lupe: Nutzt der Branchenriese seine neue Marktmacht für Extra-Gewinne?

Lufthansa nach Flugticket-Preisanstieg unter Beobachtung

Die Lufthansa steht nach der Air Berlin-Pleite auf vielen innerdeutschen Strecken ohne Konkurrenz da. Das Kartellamt prüft jetzt, ob die Lufthansa ihre Marktmacht für Extra-Gewinne missbraucht hat. Foto: picture alliance / Boris Roessle

Die Preisexplosion für innerdeutsche Flugtickets nach der Air-Berlin-Pleite ruft das Bundeskartellamt auf den Plan. Die Wettbewerbsbehörde hat entschieden, die Preise beim Branchenprimus Lufthansa zu prüfen.

„Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten“, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Ticket-Preise sind um bis zu 30 Prozent gestiegen

Nach dem Ausscheiden von Air_Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr. Die Preise sind stark gestiegen - nach Einschätzung von Branchenfachleuten im Durchschnitt auf manchen Strecken um bis zu 30 Prozent.

„Der Wegfall von Air-Berlin schadet dem Wettbewerb und verknappt momentan das Angebot insbesondere auf vielen innerdeutschen Flugstrecken. Uns liegen Beschwerden über erhebliche Preiserhöhungen zum Nachteil der Kunden vor“, erklärte Mundt. Im Fokus stehe dabei die Preispolitik der Deutschen Lufthansa.

Lufthansa: Hohe Nachfrage sorgt für Preiserhöhung

Die Lufthansa hatte mehrfach betont, dass sie ihre Preisstruktur nicht verändert habe. Die höheren Durchschnittspreise entstünden durch die deutlich größere Nachfrage.

Die vollautomatischen Buchungssysteme riefen dadurch wesentlich schneller höhere Preisklassen für Tickets auf. Bei der Lufthansa gibt es - je nach Buchungszeitpunkt und Auslastung - 26 verschiedene Preisklassen für ein Ticket.

Fluggast-Zahlen wachsen weniger

An den ehemaligen Air-Berlin-Hauptflughäfen Berlin-Tegel und Düsseldorf verzeichnete man im Oktober jedoch einen Rückgang der Passagierzahlen um 11,9 beziehungsweise 5,4 Prozent.

Insgesamt steigt bundesweit die Zahl der Passagiere zwar weiter. „Dennoch schwächt sich die Wachstumsdynamik deutlich ab“, erklärte die Berliner Flughafengesellschaft.

Lufthansa bemüht sich um Ausgleich der Air-Berlin-Lücke

Die Lufthansa verteidigt sich aber nicht nur mit der steigenden Nachfrage. So führt der Konzern an, dass sie trotz hoher Kosten sogar einen Jumbo im Inlandsverkehr einsetze, um den Mangel auszugleichen.

Der Chef der Fluglinie, Carsten Spohr, hatte außerdem vor kurzem 1000 neue innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren.

Airlines warten auf ein Signal von der EU

Die Zustimmung aus Brüssel ist erforderlich für den geplanten Verkauf großer Teile der insolventen Air-Berlin an die Lufthansa-Tochter Eurowings und den britischen Konkurrenten Easyjet. Eine erste Entscheidung in Brüssel könnte nach Einschätzung aus Branchenkreisen schon am 07. Dezember fallen.

Möglich ist aber auch, dass die EU-Kartellbehörde eine vertiefte Prüfung verlangt. Dann würde sich das Verfahren weitere 90 Arbeitstage hinziehen. Hinzu kommen das aufwendige Zulassungsverfahren der Jets und die Aufstellung der Crews.

BERLIN An diesem Freitag stellt die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin ihren Betrieb endgültig ein - nach 38 Jahren. Tausende Mitarbeiter brauchen neue Jobs, die Verkaufsverhandlungen für die verbliebenen Flugzeuge sind zäh, und einige Verbindungen entfallen vorerst ersatzlos. Wichtige Fragen und Antworten zum Ende von Air Berlin.mehr...

Viele Air-Berlin-Maschinen fliegen noch nicht

Die Neuordnung des deutschen Luftverkehrs und damit die Normalisierung der Ticketpreise könnten sich so noch bis zum Sommer oder sogar Herbst 2018 hinziehen.

Derzeit stehen von einst 140 Air-Berlin-Jets rund 80 am Boden, deren Kapazität nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann. Easyjet hatte bereits erklärt, dass die Fluglinie bis zur vollständigen Umstellung Zeit bis zum September 2018 benötige.

Beschwerden sorgen für Umdenken bei Kartellamt

Das Bundeskartellamt hatte sich nach der Air-Berlin-Pleite zunächst eher zurückhaltend geäußert und auf das laufende EU-Verfahren verwiesen. Die Häufung der Beschwerden und der voraussichtlich lange Zeitraum bis zu einer Normalisierung der Preise dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern nun für ein Umdenken gesorgt haben.

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