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Jochen Lempert: Naturforscher mit der Kamera

Hannover. Seine Bilder wirken surreal und wie aus längst vergangenen Zeiten: Der Hamburger Künstler Jochen Lempert spielt bei seinen Aufnahmen von Pflanzen und Tieren mit Licht und Schatten.

Jochen Lempert: Naturforscher mit der Kamera

Jochen Lempert vor seiner Werkserie „The Skins of Alca impennis“ (1992-2017). Foto: Julian Stratenschulte

Unter dem Titel „Honeyguides“ präsentiert das Sprengel Museum Werke des Hamburger Biologen und Fotografen Jochen Lempert. Der 1958 in Moers geborene Künstler erforscht die Wechselverhältnisse zwischen Licht, Wasser, Erde, Luft und Lebewesen verschiedenster Gattungen.

Lempert sei ein Dinosaurier der Fotokunst, teilten die Ausstellungsmacher mit. Er fotografiert noch analog und entwickelt seine Abzüge in der Dunkelkammer. In anderen Fällen legte er die Organismen direkt auf das Fotopapier oder auf Glasplatten zwischen Fotopapier und Lichtquelle. Die Schwarz-Weiß-Bilder hängen als luftgetrocknete, häufig leicht wellige Papiere an der Wand. Auf Rahmen verzichtet Lempert meistens.

Die Schau ist vom 29. November bis zum 18. Februar in Hannover zu sehen. In sechs Räumen sind die Werke in Gruppen angeordnet. Die titelgebenden „Honeyguides“ sind Saftmale auf der aufgeklappten Blüte eines Fingerhutes. Sie weisen den Weg zum Nektar und erscheinen auf dem Bild als weiße Flecken. Lempert ermöglicht ganz neue Sichtweisen auf die Natur und stellt überraschende Parallelen her. So hängt neben dem Foto eines Eichhörnchens das Bild einer Tollkirsche - das Knopfauge des Tieres glänzt genauso wie die giftige Frucht.

Manche Bilder sind unscharf, auf anderen sind Flusen oder Staubkörner zu sehen. „So sehr er damit einerseits jenseits der technischen Möglichkeiten der modernen Fotografie steht, so sehr ist er andererseits strengstens der fotografischen 'Spur' verpflichtet“, sagte die Kuratorin Inka Schube.

Häufig greift Lempert auf Verfahren zurück, die in der Wissenschaftsfotografie des 19. Jahrhunderts angewendet wurden. Beinahe gespenstisch wirkt die 52-teilige Serie „The Skins of Alca impennis“ (1992-2017). Der flugunfähige Riesenalk (Alca impennis) war ein Meeresbewohner der Nordhalbkugel und starb 1844 aus. „52 der 78 verbliebenen ausgestopften Exemplare habe ich bereits fotografiert“, erklärte Lempert.

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