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Brüder im Grimm: Auf Liam folgt Noel Gallagher

Berlin. Liam Gallagher hat mit seinem Solo-Album den Aufschlag gemacht, jetzt legt sein großer Bruder Noel nach. Kitzelt die Dauerfehde der beiden großspurigen Ex-Oasis-Streithähne musikalische Höhenflüge heraus?

Brüder im Grimm: Auf Liam folgt Noel Gallagher

Noel Gallagher: Oasis ist abgehakt - es geht auch ohne. Foto: Sven Hoppe

Vielleicht ist es der Bruderzwist, der die neue Platte von Noel Gallagher in der Nach-Oasis-Ära mittlerweile zu einer der interessantesten Veröffentlichungen des Jahres macht.

Denn gerade einmal sieben Wochen nach dem Solo-Debüt seines jüngeren Bruders Liam kommt der Vordenker der Ex-Britpop-Band mit dem Album „Who Built The Moon?“ um die Ecke. Es ist das dritte Werk gemeinsam mit seiner neuen Band, dem High Flying Circus.

Diesmal gibt es im Gallagher-Haus also neben den bekannten launischen Scharmützeln via Medien und sozialen Netzwerken auch ein musikalisches Kräftemessen - bei dem Dauer-Ätzer Liam allerdings schon einmal vorgelegt hat. Dessen Album „As You Were“ setzte sich nämlich gleich nach Veröffentlichung im Oktober schnurstracks an die Spitze der britischen Charts und brachte in der Startwoche fast doppelt so viele Einheiten unter die Leute als 23 Jahre zuvor das Oasis-Debüt „Definitely Maybe“.

Während Liam zuletzt wieder die Option eines Comebacks der 2009 aufgelösten Band ins Spiel brachte, will der ältere Bruder davon nichts hören: „Er weiß ganz genau, dass es Oasis nicht mehr geben wird. Aber so kann er die Opferkarte gegenüber den Fans ausspielen“, sagt Noel in einem Interview. „Aber mir ist das egal.“

Mit der Veröffentlichung von „Who Built The Moon?“ lässt der 50-Jährige nun den Worten Taten folgen. Vier Jahre hat er insgesamt daran gearbeitet. Seine Inspiration: Psychedelic-Pop aus Frankreich, Electro, Soul, Rock und Disco. „Ich beschreibe es als kosmischen Pop“, sagt er der BBC. Und tatsächlich: Gitarren treten in den Hintergrund, während sphärische Samples die Oberhand gewinnen.

So bringt im Album-Opener „Fort Knox“ ein durch die Boxen krachender Düsenjet (manch einer wird sich an den Helikopter im Oasis-Brett „Morning Glory“ erinnern) die Platte heftig auf Spur: ein paar „Hey-hey-heys“ und „Uh-uhs“, die Mantra-Beschwörung „You gotta get yourself together“ und ein dick aufgeschütteltes Rock'n'Roll-Kissen.

Für die sehr formidable, schrammlige Oldschool-Rocknummer „Holy Mountain“ setzt Gallagher Allzeit-Mod Paul Weller an die Orgel. „Da ist so viel Freude drin“, sagt Noel über die Vorab-Single. „Bis mein letztes Stündchen geschlagen hat, wird das eines meiner Lieblingsstücke sein, die ich je geschrieben habe.“

Fast alles auf „Who Built The Moon?“ ist auf Retro gebügelt: Bei „If Love Is The Law“ macht das frühere The-Smiths-Mitglied Johnny Marr mit. „She Taught Me How To Fly“ holt sich ein paar Anleihen von Blondie. Und den obligatorischen Beatles-Moment gibt es mit dem „Come Together“-Beat in „Be Careful What You Wish For“.

Gallagher, der früher einmal Hip-Hop vom Glastonbury-Festival verbannen wollte, ist inzwischen ziemlich offen, was neue Wege zur Rockmusik angeht. Doch läuft bei all der Experimentierfreude der eigentlich begnadete Songschreiber leider zuweilen auf Sparflamme - gerade im Mittelteil des Albums.

Ganz am Ende von „Who Built The Moon?“ aber, wo „Dead In The Water“ versteckt ist, holt Gallagher dann doch endlich das große, weil karge Besteck heraus. Mit zurückhaltend wenig Instrumentierung zeigt er hier seine ganzen Qualitäten. Wer sich an die großartigen Acoustic-Versionen von Noel-Songs wie „One Way Road“ oder „Sunday Morning Call“ aus der Oasis-Ära erinnert, wird in dem wundervollen Track seine unmissverständliche Handschrift erkennen.

Welch ein Schlusspunkt also! So ist es auch egal, wenn Liam motzt, dass er zumindest einen Teil der Platte seines Bruders „ein bisschen nervig“ findet. Ein Stück wie „Dead In The Water“ nämlich hat der jüngere Gallagher bisher noch nicht hingekriegt.

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